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28. Juli 2012 15:19 Uhr

Syrien

Assads Truppen starten Großangriff auf Aleppo

Heftige Gefechte rund um die syrische Wirtschaftsmetropole Aleppo: Regierungstruppen greifen die Millionenstadt mit Kampfhubschraubern an, von Rebellen kontrollierte Viertel werden unter Beschuss genommen.

  1. Aleppo: Ein Mann feuert Schüsse von der Ladefläche eines Fahrzeugs ab. Die syrische Wirtschaftsmetropole steht unter Beschuss von Assads Regierungstruppen. Foto: dpa

Aktivisten sprechen von einer der wichtigsten Schlachten seit Beginn des Aufstands in Syrien: Um die Wirtschaftsmetropole Aleppo sind am Samstag heftige Gefechte entbrannt. Regierungstruppen griffen die Millionenstadt Regimegegnern zufolge mit Kampfhubschraubern an. Von Rebellen kontrollierte Viertel würden von Soldaten unter Beschuss genommen, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Russland, ein langjähriger Verbündeter der syrischen Regierung, warnte vor einer drohenden Tragödie in Aleppo.

Gleichzeitig erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow jedoch, es sei unrealistisch, von den syrischen Streitkräften zu erwarten, dass sie tatenlos zusähen, wie die Rebellen wichtige Städte einnehmen. Syrische Aktivisten hatten berichtet, dass das Regime die Truppen um Aleppo zuletzt verstärkt habe und offenbar eine Großoffensive plane. Die Stadt wurde demnach bereits am Freitag mit Artillerie beschossen und aus der Luft angegriffen.

Die syrische Regierung hatte zuvor mit einer schnellen Gegenoffensive den Aufstand in Damaskus niedergeschlagen. Dabei setzte sie auf schwere Waffen und Hausdurchsuchungen. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben. Aktivisten der Opposition erklärte, sie rechneten in den kommenden Tagen mit einer ähnlichen Taktik in Aleppo.

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Mood rechnet mit Sturz des Regimes

Saudi-Arabien und andere Länder haben sich positiv zu einer möglichen Bewaffnung der Rebellen geäußert. Der saudiarabische König Abdullah rief vor einer Woche zu Spenden für "unsere Brüder in Syrien" auf. Die amtliche saudische Nachrichtenagentur meldete am Samstag, es seien schon mehr als 72 Millionen Dollar (knapp 59 Millionen Euro) eingegangen.

Der frühere Leiter der UN-Beobachtermission in Syrien, Generalmajor Robert Mood, erklärte am Freitag, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das Regime in Damaskus stürze. "Es ist unmöglich, sich eine Zukunft in Syrien vorzustellen, in der die Personen, die derzeit an der Macht sind, an der Macht bleiben", sagte er. Die Regierung könnte stürzen, wenn mehr Angehörige der Streitkräfte sich lossagten und der Opposition anschlössen.

Zwei von islamistischen Extremisten in Syrien verschleppte Journalisten kamen unterdessen frei. Der holländische Fotograf Jeroen Oerlemans und sein britischer Kollege John Cantlie wurden nach eigenen Angaben von syrischen Rebellen befreit und erreichten eine Woche nach ihrer Entführung die Türkei. Oerlemans sagte dem niederländischen Radiosender Business News am Freitag, er sei nicht sicher, von welcher Gruppe er und Cantlie verschleppt worden seien, er sei sich aber sicher, dass es sich bei den Entführern nicht um Syrer gehandelt habe. "Sie gaben alle an, aus Länder wie Pakistan, Bangladesch und Tschetschenien zu kommen und dass an der Spitze der Gruppe eine Art "Emir" stehe", sagte der Fotograf.

Katholische Kirche ruft zu Spenden auf

Die katholische Kirche rief unterdessen zu Spenden für syrische Flüchtlinge auf. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte am Samstag in Bonn, immer mehr Menschen seien vor den Gefechten auf der Flucht. Ihre Zahl steige dramatisch. Die kirchlichen Werke Caritas international, Misereor, missio und das Kindermissionswerk arbeiteten mit Partnerorganisationen in Syrien und den Nachbarländern zusammen. Die Anstrengungen müssten aber noch verstärkt werden, betonte Zollitsch.

Autor: dapd