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20. August 2012 00:04 Uhr

Botschaftsasyl

Assanges Brandrede auf dem Balkon

Erstmals seit seiner Flucht in die ecuadorianischen Botschaft in London hat sich Wikileaks-Gründer Assange in der Öffentlichkeit gezeigt. Dabei rief er die USA zu einem "Ende der Hexenjagd" auf.

  1. Assange auf dem Balkon der Botschaft Ecuadors in London. Foto: dpa

Assange dankte dem ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa für den Mut, ihm politisches Asyl gewährt und Stellung für Gerechtigkeit bezogen zu haben. Zahlreiche lateinamerikanische Länder hätten sich dieser Position inzwischen angeschlossen, fügte Assange hinzu. Seine kurze Ansprache hielt der 41-jährige Australier auf einem Eckbalkon der Botschaft, gleich neben den diplomatischen Insignien und der Fahne Ecuadors. Vor das Botschaftsgebäude selbst hätte er sich nicht wagen können. Asyl genießt er nur in der Botschaft selbst. Da die britische Regierung ihm freies Geleit zum Flughafen verweigert, würde er außerhalb der Botschaft verhaftet werden.

Vor dem Botschaftsgebäude waren am Sonntag starke Polizeieinheiten aufgezogen. Unterm Balkon, von dem Assange sprach, drängten sich Dutzende von Neugierigen, vor allem Assange-Anhänger und Reporter aus aller Welt. Ihnen rief Assange zu, das FBI müsse seine Ermittlungen in Sachen Wikileaks abbrechen, und Washington müsse der Welt geloben, niemanden für die Veröffentlichung amtlicher Geheimnisse zu verfolgen. Anwälte Assanges kündigten an, dieser werde um seiner persönlichen Sicherheit willen vor Gericht ziehen. Erwartet wird, dass er freies Geleit nach Ecuador einzuklagen sucht.

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London hält daran fest, dass es Assange nach Schweden ausliefern müsse, wo er sich gegen den Vorwurf sexueller Vergehen an zwei Stockholmer Gastgeberinnen im Sommer 2010 verteidigen soll. Assange hat diese Vorwürfe als unbegründet verworfen. Er hat sich freilich beharrlich geweigert, den Behörden in Schweden Rede und Antwort zu stehen. Die Anschuldigungen, erklärte er, seien Teil eines politischen Komplotts gegen ihn. Von Schweden würde er letztlich nur an die USA ausgeliefert werden. Die USA wollten seiner habhaft werden, weil Wikileaks Hunderttausende vertraulicher Dokumente veröffentlicht und die US-Regierung bloß gestellt habe. In den USA drohe ihm möglicherweise die Todesstrafe.

Suche nach einem Kompromiss hinter den Kulissen

Gegen seine Auslieferung nach Schweden hat sich Assange vor Londoner Gerichten seit 2010 gewehrt. Als im Juni dieses Jahres das Oberste Gericht der Insel seinen Einspruch ablehnte, suchte er in der ecuadorianischen Botschaft Zuflucht. Vorigen Donnerstag gewährte ihm Präsident Rafael Correa diplomatisches Asyl. Über die Möglichkeiten schwedischer Garantien, Assange nicht an die USA auszuliefern, oder eine andere Beilegung dieses Konflikts wird offenbar zwischen den beteiligten Staaten verhandelt. Das britische Außenministerium gab zu erkennen, dass es an einer Verhandlungslösung interessiert ist.

Autor: Peter Nonnenmacher