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20. Dezember 2011 21:19 Uhr
Energiepolitik
Atom-Ausstieg macht den Strom nicht knapp
Deutschland bleibt Stromexporteur: Das Land hat auch im Jahr 2011 mehr Strom exportiert als importiert – trotz der Abschaltung von acht Atomkraftwerken.
Diese Bilanz ergibt sich anhand der Netzdaten, die der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber regelmäßig veröffentlicht. Demnach wird der deutsche Exportüberschuss im Jahr 2011 voraussichtlich sechs Milliarden Kilowattstunden betragen. Deutschland exportierte vor allem nach Österreich und in die Schweiz in den vergangenen zwölf Monaten viel Strom, drittgrößter Kunde sind die Niederlande. Zwar trugen zu dem Exportüberschuss in der Jahresbilanz auch noch die inzwischen abgeschalteten Reaktoren bei, da diese in den ersten drei Monaten zumindest zeitweise noch am Netz waren. Aber auch wenn man das zweite Halbjahr 2011 alleine betrachtet, ergibt sich für Deutschland mit seinen neun verbliebenen Atomreaktoren ein Exportüberschuss.
Kritiker des Ausstiegs hatten immer wieder gewarnt, Deutschland werde durch die Entscheidung in der Jahresbilanz zum Stromimporteur werden. Auch Befürchtungen, der Atomausstieg werde zu höheren Strompreisen führen, weil Strom knapp werde, erwiesen sich beim Blick auf die Strombörse EEX als falsch: Wenn Händler an den Terminmärkten aktuell Strom für die Jahre 2012 bis 2014 einkaufen, bezahlen sie für die Kilowattstunde zwischen 5,2 und 5,4 Cent – und damit sogar zeitweise weniger als vor dem Super-GAU in Fukushima.
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Gestützt wird diese Einschätzung der Marktakteure vor allem durch den stetigen Ausbau der erneuerbaren Energien. Deren Anteil am deutschen Strommix ist im Jahr 2011 auf rund 20 Prozent (nach rund 16,5 Prozent im Vorjahr) angestiegen. Windkraft, Sonne und Bioenergie legten spürbar zu; die Gesamtmenge an Ökostrom stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 18 Milliarden Kilowattstunden. Da zugleich die Erzeugung von Atomstrom um etwa 32 Milliarden Kilowattstunden zurückging (von 140 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2010 auf nunmehr etwa 108 Milliarden) blieb eine Lücke von 14 Milliarden Kilowattstunden zu füllen. Diese wurde fast komplett durch einen Rückgang des Exportüberschusses um etwa 12 Milliarden Kilowattstunden geschlossen. Die Erzeugung von Strom aus Kohle stieg zugleich kaum messbar von 263 auf 265 Milliarden Kilowattstunden – womit sich auch die Warnung, Deutschland müsse mit dem Atomausstieg seine Klimaziele begraben, als Makulatur erweist.
- Hintergrund: Die Energiewende kommt voran
Autor: Bernward Janzing
