Pannenreaktor

Atomaufsicht stuft mehrere Zwischenfälle in Fessenheim hoch

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Di, 15. Mai 2018 um 19:22 Uhr

Südwest

Zwischenfälle werden nachträglich hochgestuft. Die französische Behörde sieht die Sicherheit aber nicht gefährdet. Auch Schwankungen in der Produktion seien unbedenklich.

Mehrere Zwischenfälle in den beiden Reaktoren des Atomkraftwerks Fessenheim mussten in den vergangenen Monaten nachträglich hochgestuft werden – von 0 auf Niveau 1 der internationalen Skala für meldepflichtige Störfälle (Ines). So war am abgeschalteten Reaktor 1 während eines Brennstoffwechsels im Juli 2017 ein Druckregler im Primärkreislauf defekt. Im Dezember 2017 wurde, als in einem Nebengebäude des Akw Luftfilter ausgetauscht wurden, in einigen Räumen die vorgeschriebenen Druckunterschiede nicht eingehalten.

"Es handelt sich um einfache Abweichungen von den Betriebsvorschriften" Pierre Bois
Die Höherstufung sei in insgesamt vier Fällen nötig gewesen, weil es nicht unmittelbar gelungen sei, das Problem zu analysieren, sagte Pierre Bois von der französischen Atomaufsicht ASN während einer Sitzung der Überwachungskommission des Akw. Die Sicherheit beeinträchtigt sieht der Chef des Straßburger ASN-Ablegers allerdings nicht. "Es handelt sich um einfache Abweichungen von den Betriebsvorschriften", sagte Bois, "nicht jedoch um systematische Verstöße". Für das Sicherheitsmanagement sei es jedoch wichtig, dass diese Fälle aufgearbeitet würden.

Bois sagte, das leichte Erdbeben vom 5. Mai am Oberrhein habe sich nicht auf das Akw ausgewirkt. Er schloss auch aus, dass jüngst aufgetretene Schwankungen bei der Stromproduktion ein Sicherheitsrisiko darstellten. Die Produktion sei seit Ende 2017 auf Wunsch des französischen Netzbetreibers RTE je nach Strombedarf mehr als 20 Mal gesenkt worden.

Im Februar und April habe der Akw-Betreiber EdF die Produktion zudem planmäßig gedrosselt, weil Teile der Belegschaft im Streik gewesen seien, sagte Laurent Jarry, der technische Leiter des Akw Fessenheim. So sei der Betreiber auch bei Reparaturarbeiten an Reaktor 1 und 2 im April und Mai vorgegangen. Laut Bois blieben Temperatur und Druck in den Fällen konstant. Dies sei für den sicheren Betrieb entscheidend.



Dass Absenkungen bei der Strommenge für sich gesehen nicht riskant seien, bestätigt Christian Küppers, Experte für Reaktorsicherheit am Ökoinstitut Darmstadt, auf BZ-Anfrage: "So lange ein Reaktor läuft, kann man ihn nicht drucklos oder kalt fahren." Früher seien auch Nachtabsenkungen von Akw üblich gewesen. Heute kämen Regulierungen insbesondere an Sonnentagen vor. Dann sei Solarstrom leicht verfügbar.

Nach derzeitigem Stand soll das elsässische Akw spätestens in der ersten Jahreshälfte 2019 abgeschaltet werden.