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15. November 2017

Aggregate für Notstrom nötig?

Noch keine Entscheidung im Auer Gemeinderat.

  1. Notstromaggregate kann man auch mieten – im Notfall aber sind diese oft bereits vertraglich vergeben. Foto: Steckmeister

AU. Seitdem die Landesregierung vor rund drei Jahren Handlungsempfehlungen an die Kommunen "zur Vorbereitung auf einen flächendeckenden und langanhaltenden Stromausfall" herausgegeben hat, beschäftigen sich etliche Gemeinden mit der Einrichtung einer netzunabhängigen Notstromversorgung. Nicht zuletzt auch unter dem Eindruck von Klimawandel, Cyberkriminalität und weltweitem Terrorismus, stand jüngst das Thema auch in Au auf der Tagesordnung einer Ratssitzung.

Ob Hackerangriff, Sturmschaden oder Anschlag auf ein Elektrizitätswerk: Falls der Strom ausfällt – zumindest wenn dieser Zustand über mehrere Tage anhält –, geht in der modernen Welt nahezu nichts mehr. "Wir müssen das Thema für uns auch aufgreifen", fand Bürgermeister Jörg Kindel. Fachlich aufgegriffen wurde es zunächst von Jürgen Burgert vom gleichnamigen Planungsbüro für Elektrotechnik. "Stromausfälle häufen sich", konstatierte er. Zum einen seien die Netze oft überaltert, zum anderen würde an Sanierungen gespart, sagte Burgert zu den wesentlichen Gründen möglicher Blackouts.

Von fest installierten Aggregaten sei wegen der enorm hohen Auflagen abzuraten. Empfohlen seien mobile Notstromversorger, die von außen an das jeweilige Gebäude angeschlossen würden. Vier Gebäude hatte Burgert im Falle von Au in Betracht gezogen: Bürger-, Rat- und Feuerwehrhaus sowie den Kirchensaal. Für die Umbauten an allen vier Bauten selbst veranschlagte er Kosten von insgesamt knapp 40 000 Euro, wobei das Bürgerhaus mit etwa 12 000 Euro zu Buche schlage.

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Für die Aggregate selbst – hier empfahl der Ingenieur ein 50 und ein 80 Kilovoltampere (kVA) starkes Gerät auf Pkw-Anhängern – würden nochmals mindestens zwischen 20 000 und 24 000 Euro pro Stück anfallen.

"Der nächste Schritt wären die Hausanschlüsse, der übernächste die Aggregate", versuchte Kindel die anfallenden Kosten zeitlich zu stückeln. Ob man zumindest die Aggregate nicht auch mieten könne, wollte Dieter Bauer (WV) angesichts der Kosten wissen. "Diese sind schon vertraglich vergeben", wusste Jürgen Burgert zumindest bezüglich der großen Energieversorger. "Ich sehe bei uns nicht den Notstand ausbrechen", sagte Arno Mattes (WBU) und sprach sich damit klar gegen die Ausgabe aus. "Das Szenario ist mir zu unausgegoren. Einen PC zum Laufen bringen oder eine warme Suppe kochen, das geht auch mit einem Kleinstaggregat", lautete seine Beurteilung. "Früher war ich da sehr skeptisch. Inzwischen hat bei mir aber ein Umdenken stattgefunden", gestand indes Frieder Büchler zum Thema Stromausfall. "Wir sollten im Interesse der Bevölkerung Sicherheit schaffen", fand er und regte an, dies schrittweise für die genannten Gebäude, jedoch unter Auslassung des Kirchensaals zu tun.

"Eine zentrale Anlaufstelle würde als Sicherheit für die Bevölkerung reichen", fand Wolfgang Schanz (CDU) und sprach sich zunächst für die Ausstattung des Bürgerhauses aus. Dem stimmte sein Fraktionskollege Florian Schneider ebenso zu wie Büchlers Fraktionskollege Werner Lorenz – beide Aktive der Freiwilligen Feuerwehr Au. "Für die Grundversorgung müssen wir irgendwas machen, man weiß nie was kommt", pflichtete Mattes Fraktionskollegin Ursula Gottschall bei. "Ich möchte eine ökonomisch vertretbare Lösung, aber wir sind schon auf Strom fixiert", gab Wolfgang Schanz zu bedenken. Aufklärung über die gesetzlichen Grundlagen, die besagten, was die Gemeinde hier zu tun verpflichtet sei, wünschte sich indes Arno Mattes.

"Wir haben heute erst einmal die Möglichkeiten ausgelotet", schloss Bürgermeister Kindel.

Autor: Julius Steckmeister