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20. Oktober 2011

Alle Auer tanzen auf den Stühlen

Besonderes Familientreffen: Musikverein aus Au im Murgtag, Au am Rhein und Au an der Iller waren zu Gast im Hexental.

  1. Annette Faller (rechts) mit Gästen aus Orten mit dem Namen Au, die sich diesmal im Hexental trafen (von rechts): Au im Murgtal, Au am Rhein und Au an der Iller. Foto: Anne Freyer

  2. Zwei Tage lang prangte dieses Schild als Willkommensgruß neben dem Bürgerhaus.

AU. Mit seinem Namen ist Au nicht allein und, wie jetzt wieder deutlich wurde, auch nicht mit seiner Liebe zur Musik. Aus Bayern, vom Rhein und aus dem Murgtal waren Musikvereine (MV)angereist, um ein Familientreffen der ganz besonderen Art zu feiern: das "Auer Treffen". "Das waren zwei Tage außer Rand und Band", so das Fazit von Annette Faller, Vorsitzende des MV Au/Hexental.

Wer von der einheimischen Bevölkerung Lust dazu hatte, konnte mitfeiern –und das taten viele denn auch. Dabei ging es nicht nur übermütig zu, sondern auch besinnlich, denn nach der Ankunft der Gäste vereinigten sich alle zum gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche St. Johannes. Aber dann gab's kein Halten mehr: Der Abend im Bürgerhaus ließ in puncto Fröhlichkeit keine Wünsche offen. Die Murgtäler mit ihrem Dirigenten Adrian Bauer eröffneten traditionell mit Marsch und Polka, gingen dann aber zügig zu Hits der 1980er und 1990er Jahre des vorigen Jahrhunderts über, etwa mit einem Santana-Medley, Udo-Jürgens-Titeln, Auszügen aus Musicals und in so zündenden Rhythmen wie Rumba und Bossa Nova.

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Mittendrin an der Trompete: Friedhelm, 74 Jahre alt, seit dem ersten Auer Treffen mit von der Partie und nun zum 23. Mal dabei. Denn nach einer Idee von Josef Schmidt aus dem Hexental ging dieses Ereignis 1974 hier zum ersten Mal über die Bühne. Es folgten mehrere alljährliche Treffen, die aus Kosten- und Organisationsgründen aber dann von einem Zwei-Jahre-Rhythmus abgelöst wurden. So kommt es, dass jeder der beteiligten Orte alle acht Jahre an der Reihe ist; nun eben wieder Au im Hexental. Daraus entstanden nicht nur Freundschaften, sondern sogar vier Ehen – bis jetzt.

Beste Bigband-Qualitäten entwickelten auch die Gäste aus Au am Rhein, genau in der Mitte zwischen Karlsruhe und Rastatt gelegen. Sie bewiesen zusammen mit ihrem Vize-Dirigenten Marcus Fahrner, dass der Frohsinn auch bei ihnen zu Hause ist, denn nach der Eröffnung mit dem Klassiker "Herzog von Braunschweig" wechselten sie sehr bald zu eingängigen Nummern aus der Abteilung "Rock und Pop", bei denen immer wieder Solonummern an Saxophon und Trompete zu Begeisterungsstürmen hinrissen und der ganze Saal auf die Stühle stieg.

Das war gewollt, wie Annette Faller in ihrer Begrüßungsrede klargestellt hatte. Man habe extra das alte Gestühl aus dem Kirchensaal herbeigeschafft, um diesen Spaß zu ermöglichen. Und davon schloss sich auch Bürgermeister Jörg Kindel nicht aus, der die vielen Auer aus allen Richtungen herzlich begrüßte und die übermütige Stimmung sichtlich genoss. Er hielt zusammen mit seiner Begleitung lange aus, allerdings nicht bis zum Ende des rasanten Showteils, den die Spezialband des MV Au/Rhein hinlegte und der bis gegen sechs Uhr morgens die Tanzwütigen auf ihre Kosten kommen ließ. Unermüdlich mit der Kamera unterwegs war Erwin Brunner, der zusammen mit mehr als 120 Helfern auf die zwei großen Tage hingearbeitet hatte. Immerhin waren außer lokalem und regionalem Publikum mehr als einhundert Musiker zu bewirten und bei dem zweitägigen Treffen unterzubringen. Für viele von ihnen war im Saal unter der Kirche ein Nachtlager vorbereitet worden. Ein Großteil der Gäste logierte aber in Privatunterkünften, wofür Annette Faller den Gastgebern herzlich dankte.

Zünftig bayerisch ging es beim ersten Frühschoppenkonzert am zweiten Tag zu, denn da spielten die Musikanten des MV Au/Iller unter der Leitung von Werner Ohmeyer auf. Die wussten, was sie ihrem Ruf schuldig waren, und im Nu entstand in der Halle eine Stimmung wie auf dem Oktoberfest mit Polonaise, Schunkeln und Tanz auf den Stühlen. Aber auch der MV Au/Hexental mit Dirigent Rolf Mandel ließ sich nicht lumpen und heizte dem fröhlichen Volk ordentlich ein. Anschließend zog alles zum Schützenhaus, wo allerlei Unterhaltung die Gäste erwartete: eine Weinprobe sowie Schießen auf eine Ehrenscheibe. Bevor die Gäste den Heimweg antraten, gaben die Musikvereine einen großen gemeinsamen Auftritt. Vor dem Abschied übergaben die Hexentäler den Stab an die nächsten Ausrichter des Treffens, an Au/Iller. Darauf freue man sich, so Annette Faller und ihre Mitstreiter, schon jetzt.

Autor: Anne Freyer