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11. Januar 2012
Alles gehört exakt an seinen Platz
WEIHNACHTSZEIT – KRIPPENZEIT: Die Krippe in der Kirche von Au.
BREISGAU (msr). Egal wie unterschiedlich sie auch sind – Jesuskind, Maria, Josef, Ochs und Esel gehören zu jeder Krippe. In der Serie "Weihnachtszeit – Krippenzeit" stellt die Breisgau-Redaktion Krippen in Kirchen im Freiburger Umland vor sowie Leute, die Krippen selbst bauen. Heute: die Krippe in der Kirche in Au.
Hoch fliegt das Stroh über den Rohbau der Krippe. Auch auf Thomas Ries fallen einige der Halme. "Hey, nicht auf mich Esel schmeißen, sondern auf den dort im Stall", ermahnt Ries die Kinder lachend. Wie bereits seit drei Jahren ist Ries auch diesmal wieder für den Aufbau der Krippe in der Auer St. Johanneskirche zuständig. Und auch die Kommunionskinder sind wieder dabei und helfen ihm, Ochs’ und Esel in die richtige Position zu bringen. Denn auf das richtige Arrangement der vielen Figuren, gibt Ries zu, lege er großen Wert. "Bei uns nennt man so jemanden einen Düpfele-Schisser", meint er lachend. Das Krippenbauen hat sich bei ihm zu einer echten Passion entwickelt. Seit er vor rund zehn Jahren die erste Krippe gebaut hat, kommt er davon nicht mehr los. Wie anderenorts bei den Modelleisenbahnern auch, fasziniert ihn dabei die detailgetreue und maßstabsgerechte Darstellung der Personen und Gebäude. "Man schafft da schon so eine kleine Welt für sich", meint er und betrachtet die fertige Krippe nachdenklich.
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"Was meint ihr", fragt er in die Runde der Kinder, "sollte man die Ziegen hier auf den Berg oder mitten in die Schafherde stellen?" Die Kinder sind mit Feuereifer dabei. Zunächst haben sie geholfen, das Moos an der richtigen Stelle anzubringen. Dann kam das Heu dazu, und am Ende wurde ein großer Sack mit Kies auf das kleine Tischchen, auf dem die Krippe steht, hinaufgewuchtet. Damit wird dann der kleine Weg, den die Schäfer auf ihrem Weg zur Krippe zurückzulegen haben, angelegt.
Den Stall, in dem Maria und Josef samt Jesuskind untergebracht sind, hat er erst vor zwei Jahren selbst zusammengezimmert – davor waren die Figuren unter der Wurzel, unter der jetzt der Ochse und der Esel ihre Heimat gefunden haben, beherbergt. Rund zwei Wochen war er damit beschäftigt, die Bretter für den neuen Stall auf die richtige Länge zu sägen, sie mit einer Stahlbürste und einer speziellen Lasur auf alt zu trimmen und sie dann zusammenzukleben.
Für das Dach griff er auf eigenes Inventar aus seinem Speicher zurück, wo noch einige über 100 Jahre alte echte Dachschindeln aus Holz lagerten. Die hat er dann klein gemacht und auf die Überdachung des kleinen Stalls geklebt. "Es soll halt so original wie möglich sein", meint er. Sein Bestreben nach Detailgetreue machte auch vor der kleinen Mauer, die das Fundament des Stalls bildet, nicht halt.
Natürlich hätte man die kleinen Schamottsteine auch einfach mit Spezialkleber aus dem Baumarkt miteinander verbinden können. Ein Stilbruch wäre das aber für Thomas Ries, der für die Mauer – wie soll es anders sein – lieber auf echten Mörtel für den Hausbau zurückgriff. "Manchmal übertreibe ich es vielleicht ein bisschen", meint er schmunzelnd. Aber so eine Krippe sei – trotz des heiteren, weihnachtlichen Hintergrunds – eine durchaus ernste Angelegenheit.
Auch die Kommunionskinder sehen das offenbar so. "Der Hund steht da ja gar nicht richtig", meint eine der Beteiligten. Denn sein Gesicht zeige ja von der Schafherde weg. Flugs wird der äußerst modern aussehende Schäferhund gepackt und in einem anderen Winkel aufgestellt.
Am Ende sind Thomas Ries und auch die Kinder zufrieden mit der Zusammenstellung. Vorläufig. Denn vor wenigen Tagen wurde sie noch einmal umgestaltet, da traten die Heiligen Drei Könige auf den Plan.
Thomas Ries schaut sich die Krippe grundsätzlich von allen Seiten an, um zu sehen, ob man auch von jedem Blickwinkel aus einen freien Blick in den Stall hat. "Aha, das gefällt mir nicht", meint er plötzlich, greift sich die Josefsfigur und stellt sie wenige Zentimeter nach links. Die Figur hatte einen Blumenkasten an einem Fenster im Hintergrund verdeckt.
Autor: msr


