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10. Dezember 2011

"Enge" soll das neue Becken heißen

Unterhalb des Schützenhauses in Au an der Einmündung des Selzenbachs in den Engebach soll ein Regenrückhaltebecken entstehen.

  1. An dieser Stelle mündet der Selzenbach (rechts im Bild), der im Horbener Gewann „Gersthalm“ entspringt, in den Engebach, der in Au zum Dorfbach und in Merzhausen zum Reichenbach wird. Foto: Silvia Faller

AU. "Süßes und Saures" gab es am Mittwoch im Auer Gemeinderat. So kommentierte jedenfalls Gemeinderat Werner Herr (CDU) die beiden Beschlüsse zum Hochwasserschutz im nördlichen Abschnitt des Hexentals, den die Kommunen Merzhausen, Au, Wittnau und Horben gemeinsam verantworten.

"Süß" findet Werner Herr ist die Aussicht, künftig weniger bezahlen zu müssen. Es versteht sich von selbst, dass die Auer Gemeinderäte einstimmig die Vorlage zur Änderung des Umlageschlüssels (die BZ berichtete) bejahten, wonach die Kommune in Zukunft nicht mehr 29,06, sondern nur noch 13,1 Prozent der Kosten bezahlen muss, die abzüglich des 70-prozentigen Landeszuschusses für Hochwasserschutzprojekte anfallen. "Sauer" ist das Ergebnis einer Flussgebietsuntersuchung des Freiburger Ingenieurbüros Ernst & Co, wonach ein weiteres Rückhaltebecken zum Schutz vor einem Hochwasser, wie es statistisch gesehen alle hundert Jahre vorkommt, nur auf Auer Gemarkung Sinn macht. Und zwar auf einer Wiesenfläche unterhalb des Schützenhauses bei der Einmündung des Selzenbachs in den Engebach.

"Enge" soll das Becken auch heißen. Von der Planung erfasst würde eine ebene, bislang landwirtschaftlich genutzte Wiesenfläche. Untersucht wurden auch höher gelegene Standorte am Selzenbach und im Bereich der Rehaklinik Stöckenhöfe, so Bürgermeister Jörg Kindel. "Aber es hat sich gezeigt, dass nur der Bau eines Rückhaltebeckens am Zusammenfluss der beiden Bäche auf unserer Gemarkung einen Schutz vor den Folgen eines Jahrhunderthochwassers bewirken würde", sagte er.

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Der Abstand zwischen dem künftigen Damm – er soll zehn Meter hoch sein – und den Wohnhäusern an der Selzenstraße wird 40 Meter betragen. Bei den allerersten Überlegungen zu diesem Standort war daran gedacht, das Becken näher zu platzieren. Die Gemeinde Au hätte dadurch die ebene Fläche komplett verloren und damit auch ein Entwicklungspotenzial, weshalb der Bürgermeister verlangt hatte, eine Alternative zu untersuchen. Das taten die Ingenieure von Ernst & Co. und nur mit dieser Planung wird die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hexental ein Planfeststellungsverfahren einleiten.

Die Aussprache im Rat war kurz. "Ich hatte mich immer entschieden gegen den Bau eines Beckens an dieser Stelle ausgesprochen, aber wir haben keine Wahl", sagte Florian Schneider (CDU). Das stellte Hannedore Pringsheim (Wählergemeinschaft) in Frage und wollte wissen: "Wer hat das angeordnet? Wer verlangt dieses Maß an Hochwasserschutz?" Jörg Kindel erinnerte an Vereinbarungen zwischen der Stadt Freiburg und der VG aus den 1970er Jahren, wonach sich die Hexentalgemeinden verpflichtet haben, dass an der Gemarkungsgrenze zu Merzhausen maximal 9 Kubikmeter pro Sekunde durch den Reichenbach fließen, der als Dorfbach Vauban und St. Georgen passiert und über Wolfenweiler und die Freiburger Tuniberg-Stadtteile der Dreisam zustrebt. "Damals wurde nur der Standard für den Fall eines 50-jährigen Hochwassers betrachtet. Heute müssen wir für ein Jahrhunderthochwasser planen", sagte er. Nur dann kann die VG auch den Investitionszuschuss des Landes von 70 Prozent erhalten. Sie bekommt ihn nur ausgezahlt, wenn die Vorhaben im Hexental bis 2017 realisiert sind.

In Merzhausen wären 162 Häuser vom Hochwasser betroffen

Schon realisiert ist das Becken "Bitzenmatten", ertüchtigt wurde das Becken "Ehrenmatten" (beide in Merzhausen) und weiter steht die Aufweitung des Reichenbachs in Merzhausen an. Es geht aber nicht nur um den Schutz der Freiburger und weiterer Unterlieger wie Gottenheim oder Eichstetten, sondern auch um den Schutz der Bevölkerung im Hexental. Umwetterszenarien zeigen, dass in Merzhausen im Extremfall 162 Häuser betroffen wären, in Au allerdings nur vier Gebäude. Und das ist auch der Grund, warum sich die Verbandsversammlung der VG auf einen geänderten Umlageschlüssel geeinigt hat. Bislang beruhte er auf den Gemarkungsflächen, künftig darauf, wer wie stark von den Maßnahmen profitiert. Das sind die Bürger Merzhausens, weshalb ihre Gemeinde in Zukunft 65,10 Prozent statt bisher 25,02 Prozent der Kosten übernehmen wird.

Autor: Silvia Faller