"Nicht zu Schlafstädten werden"

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 08. Juli 2018

Wittnau

Der Sonntag Als "Doppelbürgermeister" will Jörg Kindel Au und Wittnau gleichrangig behandeln.

So etwas gab es bisher im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald nicht: ein Bürgermeister für zwei Gemeinden. Mit gut drei Viertel aller Stimmen und bei einer Wahlbeteiligung von 71 Prozent wurde Jörg Kindel, bereits seit 15 Jahren Rathauschef in Au, auch in der Nachbargemeinde Wittnau zum Bürgermeister gewählt. Aber wie macht man das, zwei Gemeinden gleichzeitig voranzustehen?

"Ich war bisher in Au ja nur zu 50 Prozent mit reinen Bürgermeistertätigkeiten beschäftigt", erzählt der 54-Jährige. Die andere Hälfte seiner Jobs bestritt er mit Verwaltungsaufgaben. "Nun werde ich mich voll auf die Bürgermeistertätigkeit in beiden Gemeinden konzentrieren und ich will beide auch gleichrangig behandeln", verspricht Kindel. Um das zu ermöglichen, sollen voraussichtlich zwei weitere 50-Prozent-Stellen für die Verwaltung der beiden Gemeinden geschaffen werden. "Das ist eine Lösung, mit der Au und Wittnau gegenüber dem Prozedere bei einem Sieg meines Konkurrenten Willibald Herz und dann zwei verschiedenen Bürgermeistern zusammen zwischen 40 000 und 60 000 Euro sparen werden", rechnet Kindel, der in Merzhausen aufgewachsen ist und schon mehr als die Hälfte seines Lebens in Au lebt, vor.

Auch in Wittnau zählt die Flüchtlingsunterbringung zu den kommunalen Themen. Die Gemeinde hat schon einmal 750 000 Euro für den Bau einer Unterkunft eingestellt, auch angesichts sinkender Flüchtlingszahlen setzt Kindel nun aber auf die Beteiligung Wittnaus an einer interkommunalen Lösung.

Doppelbürgermeister zu sein, ist für Kindel kein Experiment, sondern ein zukunftsweisendes Modell. "Es hilft dabei, dass kleine Gemeinden auch langfristig sich ihre Eigenständigkeit erhalten können." Denn eines sollen Wittnau und Au, die beide auch der Verwaltungsgemeinschaft Hexental angehören, auf keinen Fall werden: seelenlose Schlafstädte für die nahe Großstadt Freiburg. Von der guten Infrastruktur der Stadt profitieren, das ja. "Wir haben mit unserer Natur schließlich auch Infrastruktur für die Freiburger zu bieten." Aber in Sachen Neuausweisung von Baugebieten gilt für Kindel der Grundsatz: "Wenn überhaupt wachsen, dann behutsam". Den dörflichen Charakter mit dem vielfältigen Vereinsleben, das vom Kinderchor über Feuerwehren bis zum das Zusammenleben der Gemeinden im Namen tragenden SV Au-Wittnau reicht, gelte es in den jeweils knapp 1 500 Einwohner zählenden Orten auf jeden Fall zu erhalten. Auch jetzt schon ist das Zusammenleben etwa in Wittnau aber nicht immer ungetrübt, so gibt es etwa aufgrund von Anwohnerbeschwerden Einschränkungen für das Vereinsleben wie das Schließen der Fenster bei Musikproben und Zeitbeschränkungen für Veranstaltungen. Hier will Kindel aktiv werden und erhofft sich , als neuer Mann unbelastet an die Sache gehen zu können. "Ich will mit allen Beteiligten einmal sprechen und schauen, was möglich ist."Otto Schnekenburger