AUCH DAS NOCH: Herrscher über den Hühnerstall

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Fr, 07. September 2018

Bad Säckingen

Der Freundeskreis Bad Säckingen – Sanary-sur-Mer hat sein Wappentier, einen gallischen Hahn aus Hart-PVC, erneuert. Jules heißt er und ist bei allen Aktivitäten dabei. Grund genug, einen Blick auf die Geschichte dieses französischen Symbols zu werfen. Etwas bizarr mutet der Hahn ja schon an. Schließlich haben die Deutschen den Adler, den Herrscher der Lüfte. Die Briten haben den Löwen, den König der Tiere. Und die Franzosen? Haben den Hahn, Herrscher über Hühnerstall und Federvieh. Was viele nicht wissen: Der Hahn ist gar nicht das offizielle Wappentier Frankreichs. In der Verfassung steht nur die Tricolore, die blau-weiß-rote Fahne. Auf den Hahn gekommen sind die Römer. In einem Wortspiel machten sie die Franzosen, die damals noch Gallier (römisch: Gallus) waren, zu Hähnen (auf römisch ebenfalls Gallus). Im Mittelalter avancierte der eitle, cholerische, prahlerische und lüsterne Gockel zum Feindbild für Deutsche und Engländer. Doch die französischen Könige versuchten den Spieß umzudrehen und stellten den Hahn als siegreich und wachsam dar. Er ist derjenige, der die Menschen weckt und für Auferstehung und Hoffnung steht. Seine Sternstunde kam während der Französischen Revolution. Der vom Land stammende Hahn wurde zum Symbol für das Volk und auf Münzen, Embleme und Siegel gedruckt. Napoleon verbannte den Hahn während der Restauration, doch spätestens in der Nachkriegszeit wurde er wieder populär. Schon vorher war der Hahn auf dem Kirchturm ein Symbol der Résistance. Der französische Humorist Coluche fand, dass der Hahn die Franzosen in einzigartiger Art charakterisiere. Denn: "Der Hahn singt auch dann noch, wenn er mit beiden Beinen in der Scheiße steht."