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25. November 2009 18:45 Uhr

Bildungsstreik

Audimax-Besetzer: Demonstration im Schutzanzug

Nach zehn Tagen der Besetzung werden die Studierenden konkret: In einer großen Demonstration haben sie der Stadt, der Unileitung und der CDU einen Katalog mit Forderungen übergeben – und klare Ansagen gemacht.

  1. Demo-Motto: „Bildungsgrippe“ Foto: Bamberger

Er zuckt und zittert, wirft die Arme in die Höhe, reißt den Kopf zurück – und bricht zusammen. Ein letzter Seufzer entweicht den Lippen hinter der Atemschutzmaske, ein letztes Aufbäumen lässt den weißen Schutzanzug rascheln. Unter dem Motto "Bildungsgrippe" hatten die Audimax-Besetzer zu einer Demonstration durch Freiburg aufgerufen, um ihre Forderungen an Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne), Universitätsrektor Hans-Jochen Schiewer und die Freiburger CDU zu übergeben.

Stundenlang hatten sie in der Nacht über den Forderungen gebrütet und sie diskutiert. "Um vier Uhr morgens stand der Katalog", erzählt Jakob Lohmann, der ihn mit sieben Kommilitonen überbrachte. "Die Regelstudienzeit in den Bachelor- und Masterstudiengängen muss verlängert werden, auch fordern wir die Abschaffung der Studiengebühren", erläuterte Besetzer Clemens Weingart. "Ich erwarte vom Rektorat, dass es sich mit uns an einen Tisch setzt, um das zu diskutieren." Dieses täte gut daran, sich ernsthaft mit der Sache auseinanderzusetzen.

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Unirektor Schiewer stellte sich am Fahnenbergplatz der gut 2000 Studenten starken Protestschar, griff zum Megafon und bekräftigte seinen Willen zu Verhandlungen. "Die Forderungen sind eine gute Basis, um konkret ins Gespräch einzutreten", erklärte er und lud die Studierenden zu einer Diskussion im Hörsaal 2004 am Donnerstag um 20 Uhr ein. "Nicht Sie laden uns ein! Wir laden Sie ein – und zwar ins Audimax", schallte es Schiewer aus der Masse entgegen.

Kaum besser erging es OB Salomon, bei dem die Delegation eine knappe halbe Stunde vorher Halt gemacht hatte. Ihre Forderungen: Die Abschaffung der Kindergartengebühr und billige Wohnungen für Studenten. Besonders begehrten die Demonstranten gegen die Pläne der Stadt auf, den Rotteckring umzugestalten, wobei die Grünfläche vor dem Kollegiengebäude (KG) II einem großen Platz weichen soll. "Auf die Wiese kacken doch eh nur die Hunde", entfuhr es Salomon daraufhin. Nichtsdestotrotz zeigte er sich solidarisch mit den Besetzern und marschierte wahlkampfwirksam mit durch die Kaiser-Joseph-Straße.

Die Geschäftsstelle der CDU an der Eisenbahnstraße war die letzte Station. Dort nahm Stadtrat Daniel Sander stellvertretend die Forderungen entgegen und versprach, sie weiterzuleiten.

Über den Rotteckring ging es am Schluss zurück zum KG II. Dieser war zeitweise voll gesperrt. Auch hatte die Demonstration den Tramverkehr in der Bertold- und Kaiser-Joseph-Straße für knapp anderthalb Stunden lahm gelegt. Begleitet wurde der Protest von einem Aufgebot der Polizei. Die Demonstration sei deutlich größer ausgefallen als angekündigt, sagte Harry Hochuli, Leiter der Polizeireviers Nord. Das habe man ebenso toleriert wie die Tatsache, dass einige Demonstranten in ihrer Verkleidung an die Grenze zum Vermummungsverbot stießen. "Das Motto Bildungsgrippe ließ uns Spielraum", erläuterte Hochuli die Linie der Polizei. Zwei Demonstranten habe man allerdings verwarnt.

Autor: Alexandra Sillgitt