Märkte in Freiburg (18)

Auf dem St. Georgener Markt gibt es viele fair gehandelte Produkte

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 17. April 2018 um 08:30 Uhr

Freiburg

Im Herbst wird gefeiert: Dann wird der St. Georgener Bauernmarkt 20 Jahre alt. Seit 1998 gibt’s samstags Gemüse, Obst und viel mehr am Platz vor der katholischen Kirche St. Peter und Paul.

Mit dabei ist ein Stand mit Produkten, die so sonst keiner der anderen Stadtteilmärkte bietet – fair gehandelte Lebensmittel der Eine-Welt-Gruppe St. Peter und Paul. Dass sie dabei sein können, sei damals die Bedingung dafür gewesen, dass der Markt die Fläche vor der Kirche bekam, sagt Adelheid Rost, eine von sieben Engagierten der Gruppe.

Auch die Gemeindemitglieder haben einen Stand

Kaffee, Schokolade, getrocknete Mangos: Das sind die beliebtesten der fair gehandelten Waren auf dem Markt, sagt Adelheid Rost. Franz Wehrle, der Pfarrer von St. Peter und Paul, kommt vorbei, er kauft Reis – der läuft weniger gut. Überhaupt könnte die Nachfrage auch insgesamt größer sein, bilanziert Adelheid Rost.

Vor allem von Gemeindemitgliedern würden sie und die anderen, die hier im Wechsel ehrenamtlich mitarbeiten, sich noch mehr Unterstützung wünschen. Trotzdem schätzen sie die Chance, als einer der zwölf Marktstände regelmäßig von vielen Menschen wahrgenommen zu werden – und langfristig betrachtet gehe der Verkauf stetig bergauf. Die Erlöse unterstützen die Partnergemeinde in Peru, fünf Patenmädchen in Indien und den Luzernenhof, einen gemeinschaftlich getragenen Biobauernhof nahe Hartheim.
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Für die anderen elf Händlerinnen und Händler, von denen vier Obst und Gemüse (einer davon in Bio-Qualität), Käse und andere Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Brot, Blumen sowie Oliven und Olivenöl anbieten, ist der Marktverkauf eine Grundlage ihrer Finanzierung. Organisiert wird alles vom Marktverein. Dessen Vorsitzende Christoph Zimmermann vom Metzgerei-Wagen und Andreas Joos, der einen Gemüsestand hat, sind selbst jeden Samstag mit dabei.

"Die Auswahl ist breit und vielfältig." Andreas Joos
Andreas Joos ist bei seinen Eltern in deren Weinbaubetrieb mit kleiner Landwirtschaft in Schallstadt eingestiegen, seine Frau betreibt Obstbau in Mengen. Auf dem Markt verkaufen sie eigene Produkte, unter anderem Spargel, Feldsalat, Äpfel, selbstgemachtes Brot, Marmelade und Eier aus Freilandhaltung, außerdem Produkte von Kollegen und auch vom Großmarkt. Der Schwerpunkt seien regionale und saisonale Waren, sagt Andreas Joos, doch im Winter gibt’s auch Exotisches wie Orangen.

Die meisten Kunden kämen aus der Nachbarschaft und regelmäßig, er ist zufrieden. Auch die Gesamtsituation des Markts sieht er positiv: "Die Auswahl ist breit und vielfältig." Ein bis zwei Plätze könnten noch besetzt werden, vorstellen könnte er sich zum Beispiel Mediterranes oder Selbstgemachtes. Doch auch so sei einiges geboten – bis hin zu Kuchen und Selbstgebasteltem aus dem Kindergarten der Gemeinde, dessen Kinder manchmal mit ihren Eltern zum Verkaufen kommen.

Im Lauf der 20 Jahre kamen immer wieder besondere Angebote dazu, so wie vor sechs Jahren Deva Maier: Bei ihr gibt’s Olivenöl in Flaschen und Kanistern, Meersalz und Tee – alles aus Kreta und von ihr selbst erzeugt, betont sie. Sie hat fast 20 Jahre auf Kreta gelebt. Angefangen hatte alles, als sie dort mit 25 Jahren alleine wandern war und es wunderschön fand. Sie kam wieder, heiratete, bekam zwei Kinder und stieg in die Landwirtschaft der Familie ihres Mannes ein. Sie kümmerte sich um deren Olivenbäume, nach und nach kamen immer mehr dazu, inzwischen seien es rund 800 – die meisten stünden auf steilem Gelände, seien sehr alt, eingebettet in eine ökologisch intakte Artenvielfalt, die es kaum noch gebe, erzählt sie: Zwischendrin blühe und wachse alles Mögliche, von Maulbeerbäumen bis hin zu Kräutern wie Salbei oder Oregano, die sie sammelt und verkauft.

Mittlerweile lebt Deva Maier teils auf Kreta, teils in Ebringen, sie erntet ihre Bio-Oliven zwischen Oktober und Frühling, und immer nur, wenn der Sturm sie von den Ästen weht – denn nur dann seien sie wirklich reif. Sie werden sofort gepresst und dann Öl abgeschöpft, alle wertvollen Inhaltsstoffe bleiben erhalten. Sie verkauft auf mehreren Märkten, wer will, kann auch bei ihr auf Kreta vorbeischauen – und bei der Ernte helfen.
St. Georgener Wochenmarkt

Samstags, 8 bis 13 Uhr

vor der Kirche St. Peter und Paul, Bozener Straße

Ansprechpartner

Christoph Zimmermann, 0171/2352278