Auf dünnem Eis

Martin Weber

Von Martin Weber

Mi, 07. März 2018

Computer & Medien

Wenn Begierde über Normen siegt: Arte zeigt die Miniserie "Nachdem ich ihm begegnet bin".

Vor allem in Hollywoodfilmen sind erotische Abenteuer gerne mal der Auftakt zu furchtbaren Verwicklungen oder gar ausgemachten Tragödien, der Seitensprung zieht häufig Tod und Verderben nach sich.

Doch auch im Fernsehen funktioniert das Sujet vom außerehelichen Beischlaf und seinen fatalen Folgen ganz ausgezeichnet, wie diese britische Romanverfilmung zeigt: In der Miniserie "Nachdem ich ihm begegnet bin" gerät eine Frau in mittleren Jahren erst in Versuchung, dann auf erotische Abwege und erlebt schließlich einen wahren Albtraum, aus dem es keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Arte zeigt die vierteilige Serie nach dem Roman "Ein Schritt zu weit" von Louise Doughty am Donnerstag von 20.15 bis 0.10 Uhr an einem Stück.

Mit einer faszinierenden Mischung aus erotischer Keckheit und Verletzlichkeit spielt die englische Ausnahmeschauspielerin Emily Watson ("Breaking the Waves") die Figur im Zentrum dieses düsteren und spannenden Vierteilers: Yvonne Carmichael ist eine beruflich erfolgreiche Frau mit einem schönen Heim in einem Londoner Vorort und einer scheinbar intakten Familie. Doch etwas ist im Bilderbuchleben der renommierten Genforscherin furchtbar schiefgelaufen, denn der Zuschauer lernt sie in den ersten Szenen als Inhaftierte und Angeklagte kennen. "Bevor ich dir begegnet bin, war ich eine zivilisierte Frau", wendet sich Yvonne an einen unsichtbaren Gesprächspartner und liefert damit gleich den zentralen Begriff, für die von Regisseurin Jessica Hobbs ganz aus dem Blickwinkel der Hauptfigur inszenierten Miniserie: Die vielzitierte Schicht der Zivilisation ist dünn, darunter lauern bei jedem Menschen Begierde, Gewalt und Sex, kurzum: die reine animalische Natur.

Nach diesem ersten und verwirrenden Blick aufs vermeintliche Ende des Ganzen, ein vor allem bei TV-Thrillern in jüngerer Zeit etwas überstrapaziertes Verfahren, lernt der Zuschauer die Vorgeschichte kennen. Nach einem Vortrag im Unterhaus des Parlaments macht die gebildete und durch und durch zivilisierte Wissenschaftlerin die Bekanntschaft eines attraktiven Unbekannten, der ihr die Krypta des Gebäudes zeigt, wo die beiden in einem geheimen Nebenraum bemerkenswert ausgehungert Sex haben.

Die von sich selber überraschte Yvonne will den unerwarteten Ausbruch der Leidenschaft als einmaliges erotisches Abenteuer verbuchen, an das sie sich in so manch dröger Stunde an der Seite ihres langweiligen Gatten Gary (Mark Bonnar) zurückerinnern wird. Doch Liebhaber Ben Chaplin (Mark Costley) lässt nicht locker, und ehe sie sich versieht, hat Yvonne eine Affäre mit ihm. Moralische Skrupel gegenüber ihrem Mann verfliegen, als Yvonne herausfindet, dass er es wohl auch nicht ganz genau mit der ehelichen Treue nimmt. Also unternimmt die Genforscherin mit Ben regelmäßig Exkursionen in bis dato unbekannte erotische Gefilde, doch dann verändert ein schreckliches Ereignis alles.

"Apple Tree Yard", Arte, Do, 8. März, 20.15 Uhr.