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10. November 2008 15:36 Uhr

"The Importance of Being Earnest"

Aufführung der Faust-Theater-AG

Well! Ein Tässchen Tee und ein Gurkensandwich – und schon geht’s munter mit den Irrungen und Wirrungen weiter.

  1. Foto: Hans Jürgen Kugler

STAUFEN. Wer ist schuld an dem Chaos, das sich vor stilechter Bühnenkulisse abspielt? Zwei Dandys, die als Alibi für ihre Eskapaden kurzerhand einen leichtfertigen Bruder namens Earnest und seinen kranken Freund Bunbury erfunden haben, um ihren untadeligen Ruf in der Gesellschaft nicht zu gefährden. Und dabei wird elegant und charmant gelogen, dass sich die Balken biegen.

Doch, wie sagte schon Oscar Wilde so treffend: "Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen!" Ganz im Sinne des genialen Skandalautors setzen die Protagonisten der Theater-AG am Faust-Gymnasium seine geistreiche Komödie "The Importance of Being Earnest" um, in der er die viktorianische Oberschicht lustvoll auf die Schippe nimmt. Und damit auch nichts von dem trockenen Humor, der Oscar Wilde gemeinhin zu eigen ist, verloren geht, führen die jungen Schauspieler das Stück in englischer Sprache auf. Allein schon für ihre deutliche Aussprache gebührt ihnen ein besonderes Lob. So können auch diejenigen im Publikum, deren Englischstunden schon etwas länger zurückliegen, der ausgesprochen lebhaften und witzigen Inszenierung gut folgen.

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Denn Algernon Moncrieff (herrlich arrogant und blasiert: Marius Milinski) und John Worthing (gefühlvoll: Leonard Sprenger) sind wahre Meister im "Bunbuyrisieren". Während Ersterer sich angeblich liebevoll um seinen frei erfundenen kranken Freund Bunbury kümmert, muss bei John Worthing der imaginäre Bruder Earnest herhalten, um dem jungen Snob einen gewissen Freiraum innerhalb der gesellschaftlichen Zwänge zu verschaffen. Das geht so lange gut, bis sich beide verlieben und für ihre mit viel Charme gespielten Herzensdamen Gwendolen (Emely Hauser) und Cecily (Elena Rudmann) gerne bereit sind, ihr bisheriges Doppelleben aufzugeben. Earnest und Bunbury werden kurzerhand ins Jenseits befördert – was weiteren Verwicklungen Tür und Tor öffnet. Und um die Komik auf die Spitze zu treiben, sind die beiden jungen Damen felsenfest davon überzeugt, dass bei ihnen nur ein Ehemann namens Earnest die entsprechenden "vibrations" auslösen kann.

Die Inszenierung bietet viele Höhepunkte, etwa, wenn die resolute Lady Bracknell (temperamentvoll: Leonie von Hohenthal) ihren Schwiegersohn in spe ins Kreuzverhör nimmt oder Gwendolen und Cedily, die sich irrtümlich mit demselben Earnest verlobt wähnen, sich vornehm mit spitzer Zunge duellieren.

Anyway. Trotz des heillosen Durcheinanders steht einem Happy-End nichts im Wege. Selbst die etwas verwirrte Gouvernante (Linda Wiemann) reicht Pastor Chasuble (Felix Sprenger) die Hand zum Bund der Ehe. Und dazu gibt’s immer wieder Sandwiches und Tee, gekonnt serviert von Dienstmädchen Annika Günter.

Was Regisseurin Andrea Wiese mit ihrem Schauspielerteam auf die Beine gestellt hatte, verdient wirklich ein großes Kompliment. "Note eins und weiterspielen", bleibt da nur noch zu sagen. Congratulations für diese Glanzleistung.

Autor: Ute Wehrle