Sicherheits-Check 2018

Aufsichtsbehörde: Schweizer Kernkraftwerke sind sicher

Juliane Schlichter

Von Juliane Schlichter

Do, 17. Januar 2019 um 18:04 Uhr

Kreis Waldshut

Die Schweizer Bevölkerung wird laut der Behörde ausreichend vor Strahlung geschützt. Die meisten Beanstandungen, 13, kommen aus Leibstadt. Kernkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung.

Die Kernanlagen in der Schweiz sind sicher und haben die Bevölkerung im vergangenen Jahr ausreichend vor Strahlung geschützt. Zu dieser Einschätzung kommt das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) in einer Bilanz für das Jahr 2018.

"Die gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Sicherheit wurden jederzeit eingehalten", sagt Georg Schwarz, Leiter des Aufsichtsbereichs Kernkraftwerke und stellvertretender Ensi-Direktor. "Die Anlagen befinden sich in einem sicheren Zustand. Dies wurde 2018 durch rund 400 Inspektionen bestätigt", wie Schwarz weiter ausführt.

Leibstadt ist Spitzenreiter bei den Meldungen

Die Zahl der meldepflichtigen Vorkommnisse liege mit 40 Meldungen über dem langjährigen Mittelwert, heißt es in dem Bericht der Ensi. Als Vorkommnis bezeichnet das Ensi alle Beanstandungen an den Kernkraftanlagen wie beispielsweise Unregelmäßigkeiten und Störfälle. Spitzenreiter mit jeweils 13 Vorkommnissen waren die Kernkraftwerke Leibstadt bei Waldshut und Gösgen im Kanton Solothurn. In seiner Bilanz listet das Ensi drei Vorkommnisse für die Kernkraftwerke Beznau 1 und eines für Beznau 2 sowie vier beim Kernkraftwerk Mühleberg auf. Fünf Vorkommnisse betrafen die Kernanlagen des Paul-Scherrer-Instituts in Villigen.

Am Forschungsreaktor der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne gab es ein Vorkommnis. Vor einem Jahr hatte das Ensi die Zahl der Vorkommnisse im Jahr 2017 mit 29 beziffert.

Zu den Unregelmäßigen am Kernkraftwerk Leibstadt zählt die Fehlstellung von zwei Armaturen an einem Notkühlsystem, die laut Ensi Ende Februar aufgetreten, aber erst im Rahmen eines regulären Tests Ende Juni entdeckt worden ist. Ebenso hatte ein Test Anfang Mai ergeben, dass es einen Fehler bei einem Notstromdieselgenerator einer anderen Einheit gab. Diese beiden Pannen waren verantwortlich dafür, dass die Notkühlsysteme des Kernkraftwerks nur eingeschränkt verfügbar waren.

"Das ist keine beruhigende Aussage, weil vieles immer wieder schön geredet wird." Monika Herrmann-Schiel, Bürgerinitiative Zukunft ohne Atom


Der Bericht des Ensi führt auch auf, dass das Kernkraftwerk Beznau 1 nach rund drei Jahren Stillstand den Betrieb wieder aufgenommen hat. Die Betreiber mussten allerdings zuvor nachweisen, dass die Befunde, die im Sommer 2015 im Grundmaterial des Reaktordruckbehälters entdeckt wurden, die Sicherheit nicht beeinträchtigen. Untersuchungen hatten ergeben, "dass die im Stahl des Behälters gefundenen Einschlüsse keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit haben", berichtet das Ensi. An allen Schweizer Kernkraftanlagen seien die Dosisgrenzwerte, was die Abgabe radioaktiver Stoffe betrifft, eingehalten worden, heißt es außerdem von Seiten dieser Behörde.

"Das ist keine beruhigende Aussage, weil vieles immer wieder schön geredet wird", sagt hingegen die Waldshuterin Monika Herrmann-Schiel. Sie ist Gründungsmitglied der Bürgerinitiative "Zukunft ohne Atom".

Bei Kernkraftanlagen bleibe immer "ein hohes Restrisiko". Die Hochrheinregion liege in der Gefahrenzone von sechs Reaktoren – fünf in der Schweiz und Fessenheim in Frankreich. "Nichts ist sicher", sagt die Atomkraft-Gegnerin und fordert: "Abschalten!"
Entfernung zu Reaktoren

In der Schweiz befinden sich fünf Kernreaktoren, von denen drei in unmittelbarer Nähe zu Deutschland liegen. Das Kernkraftwerk Leibstadt ist drei Kilometer Luftlinie von der Waldshuter Innenstadt entfernt. Die beiden Reaktoren Beznau 1 und 2 liegen sieben Kilometer von Waldshut weg. Die Entfernung zum Kernkraftwerk Gösgen im Kanton Solothurn beträgt 34 Kilometer nach Waldshut und die zum Kernkraftwerk Mühleberg im Kanton Bern 170 Kilometer Luftlinie.