Auftritt mit Halleluja und Hosanna

Dorothea Scherle

Von Dorothea Scherle

Do, 27. Dezember 2018

Waldkirch

Weihnachtskonzert des MGV Eintracht Kollnau mit Bläsern und Klangwerkwerk / Pianistin spielt Werke von Brahms und Schumann.

WALDKIRCH-KOLLNAU. Furios stimmte das Bläserensemble der Musikkapelle Kollnau die Besucher in der vollbesetzten Festhalle auf das Weihnachtskonzert des Männergesangvereins (MGV) "Eintracht" Kollnau ein. Die Vereinsvorsitzende Ursula Querfurth versprach in ihrer Begrüßung "Sie werden einen unvergesslich schönen vierten Advent erleben."

Silvia Bewersdorf trug ein kurzes Gedicht vor, das sie als Kind verfasst hatte, bevor der Männergesangverein unter der Leitung von Wolfram Stützle mit "In mir klingt ein Lied" von Chopin seinen ersten Auftritt hatte. Diese Melodie habe sich Chopin für seine Beerdigung gewünscht, erzählte Ortsvorsteherin Gabriele Schindler, die durchs Programm führte, aber dieser Wunsch sei ihm nicht erfüllt worden. Mit "Träume von der Moldau" nach Motiven aus Smetanas berühmtem Werk bewies der Chor, dass er nicht nur den vollen Sound, sondern auch die leisen Töne beherrscht. Ein erster Konzerthöhepunkt war mit "Bist du einsam heut’ Nacht? " von Reinhard Sobirey aus dem Jahr 1926 erreicht. Bekannter als diese ursprüngliche Fassung ist freilich die Coverversion "Are you lonesome tonight" von Elvis Presley aus den 1960-er Jahren.

Der Chor "Klangwerk.pop" sang unter der Leitung von Hans Zimmermann Leonard Cohens bekanntes und schwierig zu intonierendes "Halleluja". Seine besondere Stärke und Lebendigkeit zeigte der Chor bei Liedern aus Namibia, Botswana und Tansania. Am Flügel begleitete Axel Beha, das Cajón spielte Jannik Oesterle.

Einen besonderen Fang hatte der MGV mit der Pianistin Irina Naumovska Querfurth gemacht. "Wäre sie nicht die Schwiegertochter von Ursel Querfurth, hätten wir mit großer Wahrscheinlichkeit nie eine solch renommierte Künstlerin zu diesem Konzert nach Kollnau holen können", sagte Gabriele Schindler. Die aus Mazedonien stammende, 35-jährige Pianistin, die an diesem Abend auch den MGV begleitete, spielte solistisch zuerst den spieltechnisch sehr anspruchsvollen, weil ursprünglich für vier Hände geschriebenen "Ungarischen Tanz Nr. 1" von Johannes Brahms, dessen Melodie immer virtuoser umspielt wird, bis die Töne zu hüpfen scheinen. Hinter dem im Programm als "Liebeslied" von Robert Schumann ausgewiesenen Stück verbirgt sich in den Liederzyklus "Myrthen" aufgenommene Vertonung des Rückertgedichts "Widmung" ("Du meine Seele") für Singstimme mit Klavierbegleitung von 1840. Dieses Lied Schumanns hat Franz Liszt für Klavier umgeschrieben, indem er die Melodie der Singstimme in die Klavierbegleitung eingearbeitet hat. Die Melodie wandert dabei von der rechten in die linke Hand, während beide Hände unermüdlich die Begleitung weiterspielen. So besteht die Herausforderung für Pianisten quasi darin, ein Stück, für das man eigentlich drei Hände bräuchte, mit zweien zu spielen. Irina Naumovska Querfurth meisterte auch dieses Werk souverän. Nur einen besseren Flügel und eine bessere Akustik hätte die Pianistin verdient.

Danach wurde es auf der Bühne voll: Beide Chöre sangen zusammen "Um die Welt geht unser Lied". Hans Zimmermann hat das auf ein Spiritual zurückgehende Stück für gemischten Chor gesetzt. Weihnachtlich setzte der MGV das Programm mit "König des Himmels", "Christnacht" und "Stille Nacht" fort, und "Klangwerk.pop" bot "Adiemus" von Jenkins, Mozarts "Hosanna" und Mendelssohn-Bartholdys "Christmas Hymn" dar. Zur Freude der Anwesenden trug Gabriele Schindler das von Max Bühler in den Waldkircher Dialekt übertragene Weihnachtsevangelium nach Lukas vor, das Altbürgermeister Hugo Eisele am Sonntag zuvor bei der städtischen Weihnachtsfeier rezitiert hatte. Das Finale bestritten die beiden Chöre und das Bläserensemble mit "Lob den Herrn der Welt" und "Tochter Zion" zusammen und bezogen zu guter Letzt in das gemeinsam gesungene "O du fröhliche" das Publikum ein.

Im Rahmen des Konzerts ehrten Kornelia Stabenow und Ursula Querfurth treue Mitglieder der Eintracht. "Heute haben wir wirklich allen Grund zum Jubilieren – wir ehren insgesamt 275 Sängerjahre", sagte Kornelia Stabenow, die die Ehrungen als Leiterin der Elztalgruppe des Chorverbands Breisgau vornahm. Horst Freider wurde für 40-jährige, Hubert Schindler für 50-jährige, Walter Nopper und Dieter Schindler (in Abwesenheit) für 60-jährige und Rolf Reitberger für 65-jährige Mitgliedschaft geehrt.

Zum Schluss hatte Ursula Querfurth alle Hände voll zu tun, um allen, die zum Gelingen des Konzerts beigetragen hatten, zu danken, darunter der Narrenzunft Stein-Krähen-Hexen, die die Bewirtung im Saal übernommen hatte.