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27. Dezember 2011

Anstrengung trägt Früchte

Ruthild Meyer-Oehme engagiert sich erfolgreich für mehr Bildung für Mädchen in Afghanistan.

AUGGEN-KABUL. Als im März 2002 nach der ersten Afghanistan-Konferenz eine Abordnung deutscher Vertreter die vom Taliban-Krieg ausgebrannten Gebäude des Mädchengymnasiums Jamhuriat besuchte, lautete das vernichtende Urteil: "Dies ist kein Gymnasium." Und damit wurde das Lycée einfach von der Liste der von Deutschland zu unterstützenden Gymnasien gestrichen. "Es wird aber wieder eines werden", antwortete Ruth Meyer-Oehme mit Nachdruck. Sie sollte Recht behalten: Das Lycée Jamhuriat ist inzwischen zu einem Vorzeigegymnasium Afghanistans geworden, genauso wie es sich Ruthild Meyer-Oehme aus Auggen vorgenommen hatte.

Die langjährige Lehrerin und Unterstützerin der deutschsprachigen Mädchenschule war verärgert über so viel Ignoranz. Doch diese Begebenheit ist bis heute der treibende Motor für ihre Anstrengungen um das Gymnasium. Meyer-Oehme hat begriffen, was so manchem Afghanistan-Experten entgangen zu sein scheint. Entscheidend für die Zukunft dieses Landes ist nicht unbedingt, welche Regierung gerade die Macht am Hindukusch hat. Entscheidend ist vor allen Dingen, wie viel Bildung von unten heranwächst. Bildung, besonders für Mädchen, ist die wichtigste Säule der Entwicklungshilfe. "Sie ist die Voraussetzung für das langfristige Abschütteln archaischer Strukturen, für einen moderaten Islam, Arbeit, Fortschritt, Frauenrechte in Familie und Staat und ein Abebben der Bevölkerungslawine", sagt Meyer-Oehme.

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Zum ersten Mal kam das Ehepaar Ruthild und Detlef Meyer-Oehme Anfang der 60er Jahre nach Afghanistan, damals noch als Lehrkräfte einer Jungenschule, der Amani-Oberrealschule. Nach einigen Jahren gingen sie zurück nach Deutschland, doch 1973 kehrten sie wieder. Ruth ild Meyer-Oehme übernahm die deutsche Abteilung des Lycée Jamhuriat. Während der Bürgerkriege in den 80er und 90er Jahren hielt sich das Ehepaar zumeist in Deutschland auf. Doch nach ihrer Pensionierung und dem Ende der Taliban-Herrschaft zog es die beiden zurück nach Kabul. Die Meyer-Oehmes gründeten den "Förderverein Amani-Oberrealschule Kabul" (FAOK e.V.), mit dessen Hilfe sie drei deutsche Schulen in der Hauptstadt unterstützten. Am dringendsten Hilfe nötig hatte das Lycée Jamhuriat, welches von Deutschland als nicht förderungswürdig eingestuft worden war.

Ruthild Meyer-Oehme steckte ihre gesamte Energie in den Wiederaufbau des Lycées und zielte darauf hin, den Schultyp von einem reinen Hauswirtschafts- in ein Wirtschaftsgymnasium zu verwandeln. Die Anstrengungen trugen Früchte: Im Jahr 2002 hatte die Schule mit nur zwölf Schülerinnen begonnen, heute ist die Zahl auf 1250 Mädchen angewachsen und das Leistungsniveau ist enorm gestiegen. Ab Klasse vier wird Deutschunterricht erteilt, in der neunten kommt Englisch hinzu. Damit ist das Lycée Jamhuriat das bisher einzige Gymnasium in Afghanistan, an dem überhaupt eine zweite europäische Fremdsprache erlernt wird, so Meyer-Oehme. PC-Unterricht gibt es bereits in der achten Klasse, alle Naturwissenschaften werden ab Klasse zehn in deutscher Sprache unterrichtet. Außerdem erfolgt im zehnten Schuljahr die Aufteilung in einen Verwaltungs- oder Wirtschafts-Zweig. Nicht nur die Schülerinnen sind hochmotiviert, auch die Lehrerinnen leisten schier Unglaubliches, arbeiten oft bis zur Erschöpfung, so Meyer-Oehme.Ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, über Familien- oder Stammesgrenzen hinweg, präge diese Schule. Sie alle seien sich bewusst, dass die Zukunft Afghanistans in ihrer Hand liegt. Für diese Zukunft kämpft Ruthild Meyer-Oehme. Dafür reist die inzwischen 81-Jährige zweimal im Jahr für drei Wochen nach Kabul, um dort nach dem Rechten zu sehen. Schließlich möchte sie wissen, wie die Spendengelder verwendet und wo sie am dringendsten benötigt werden. Noch hat Ruthild Meyer-Oehme die Kraft für ihre Projekte, sie hat eine Vision, die sie jung hält. Und doch wird es Zeit, dass andere nachfolgen. Menschen, die begreifen, dass es nicht nur um ein paar Schulkinder in Afghanistan geht, sondern um ein ganzes Land, dessen Schicksal auch auf uns weiterhin tiefgreifende Auswirkungen haben wird.

Weitere Informationen: http://www.amani.ors-kabul.com und http://www.wg-jam-kabul.com/verein.htm Spenden unter dem Stichwort "Faok" bei der Sparkasse Markgräflerland, BLZ 68351865, Kontonummer 8126500

Autor: Johanna Pilaski