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29. Juli 2016

Auggener Gemeinderat drängt weiter auf die Tieflage

Einstimmige Resolution, in der eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometer pro Stunde gefordert wird.

  1. In Auggen ist man sich einig: Die Bahn soll ihre Pläne ändern. Foto: Ehrlich

AUGGEN. In Sachen Tieflage beim viergleisigen Neu- und Ausbau der Rheintalbahn geht Auggen erneut in die Offensive. In ihrer Sitzung am Dienstag haben die Gemeinderäte einstimmig eine von Gemeinderat Bruno Kiefer (CDU) eingebrachte Resolution verabschiedet, in der eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometer in der Stunde auf der Rheintalstrecke und der Verzicht auf "Monsterwände" in Höhe von über neun Metern gefordert wird. Den Einwand von Bürgermeister Fritz Deutschmann: "Was haben wir denn für ein Mandat in der Region?" ließen die Gemeinderäte nicht gelten. Sie fühlen sich, so der Tenor, in erster Linie den Bürgern Auggens verpflichtet. "Wir dürfen nicht aufgeben, zu informieren und aufzuklären – steter Tropfen höhlt den Stein", hatte zuvor Gemeinderätin Sabine Baßler (Freie Wähler) an die Ratsrunde appelliert.

Dem vorangegangen waren Sachstandsberichte von Bürgermeister Fritz Deutschmann und von Axel Baßler, der seit 2007 als sachverständiger Bürger die Gemeinde in Fragen des Bahnausbaus berät. Fritz Deutschmann kam darin zu dem Urteil, die politische Ausgangslage für Verhandlungen habe sich erneut verschlechtert, vor allem, nachdem Verkehrsminister Winfried Hermann jeglichem weiteren finanziellen Engagement des Landes Baden-Württemberg eine Absage erteilt hat.

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In einem Schreiben vom 29. Juni an das baden-württembergische Verkehrsministerium hat Deutschmann ein Gutachten des Landes Baden-Württemberg angemahnt, mit dem die Notwendigkeit, auf der Rheintalstrecke Geschwindigkeiten bis zu 250 Stundenkilometern zu fahren, begründet wird. Im gleichen Schreiben fragt er an, wann sich das neue Regionale Begleitgremium (Projektförderkreis) für den Auggen und Müllheim betreffenden Projektabschnitt, das bisher einmal zusammengekommen ist, erneut treffe und wer diesem angehören werde.

In seiner Antwort hat Ministerialdirektor Uwe Lahl vom Verkehrsministerium in Aussicht gestellt, dass Bund und Bahn bis September nochmals ausführlich darlegen werden, warum aus ihrer Sicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h notwendig erscheine. "Im Zusammenhang mit dem Projektförderkreis wird derzeit geklärt, wer diesem angehören soll", heißt es in dem Antwortschreiben weiter. "Wir wollen ein neutrales Gutachten", brachte Axel Baßler in seinem anschließenden Vortrag eine der zentralen Forderungen auf den Punkt. Diese Forderung teilen die Landtagsabgeordneten Felix Schreiner und Nicole Razavi (beide CDU) mit denen sich Baßler zusammen mit Vertretern des BBM und der IG Bohr am 20. Juli im Stuttgarter Landtag getroffen hatte. Seinem Eindruck werde in Stuttgart den Forderungen des BBM und der Gemeinden Müllheim und Auggen nach wie vor Interesse entgegengebracht – "hinreichend, um hier in Auggen Kurs zu halten", wie er betont.

Denn wenn man von den 250 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit abrücke – Baßler stellt im Einklang mit den Bürgerinitiativen IG Bohr und BBM in Frage, ob das technisch überhaupt möglich ist – wäre der Streckenausbau so wie bisher geplant mit weniger Kosten verbunden und die ungeliebten neun Meter hohen Lärmschutzwände seien unter Umständen gar nicht notwendig. Anhand zweier von der Bahn erstellter Grafiken führte er den Unterschied zwischen einer nach oben offenen tiefer gelegten Streckenführung, wie sie auf anderen Streckenabschnitten realisiert wird und dem für hier geplanten Modell Lärmschutzpaneelen vor Augen. Aus statischen Gründen würden demnach die Lärmschutzpaneele an großen Tragebauwerken befestigt, welche die Bahnstrecke noch oberhalb der Oberleitung überwölben. Mit dieser Art Lärmschutz betrete auch die Deutsche Bahn Neuland, betonte Baßler. Mit dem einstimmigen Votum des Gremiums wurde Axel Baßler im Anschluss als Berater in Bahnthemen der Gemeinde Auggen bestätigt.

Autor: Beatrice Ehrlich