Bürger fordern die Tieflage mit Bahnwachen

Sigrid Umiger

Von Sigrid Umiger

Mo, 20. Juli 2015

Auggen

Das Bürgerbündnis Bahn besetzt seit Freitag das Bahnwärterhäuschen bei Hach als Basislager zur Verhinderung der Antragstrasse.

AUGGEN. Die Region wehrt sich. Seit Freitag ist das Bahnwärterhäuschen vor den Gleisen der Gemarkung Auggen-Hach besetzt als "Basislager zur Verhinderung der Antragstrasse". Hausbesetzer ist das Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM). Die Entscheidung gegen die Tieflage der Güterverkehrsgleise zwinge die Bürger der Region zum zivilen Ungehorsam, betont Werner Kleinfelder und appelliert: "Wir müssen uns wehren und notfalls auch die Baustelle besetzen."

Das leerstehende Bahngebäude wird nur außen besetzt mit Transparenten an der Fassade und der badischen Flagge auf dem Dach. Vertreter des BBM-Vorstands aus Hügelheim, Auggen, Müllheim und anwesende Gemeinderäte aus Auggen unterstützen die Aktion, weil die optimierte Kernforderung sechs im Projektbeirat gescheitert ist. Was von politischer Seite als "Erfolg" gefeiert werde, sei in Wahrheit eine Katastrophe für diese Region, sagt Peter Pilger vom BBM Auggen.

Der sogenannte Vollschutz bestehe aus sieben bis neun Meter hohen Lärmschutzwänden, schütze dennoch nicht ausreichend vor Lärm und verschandele das Markgräflerland. Es gebe keinen Schutz vor Unfällen mit Gefahrguttransporten und alle Optionen für eine Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) würden beschnitten werden, moniert Peter Pilger. Erst nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens könne Klage gegen die Bahntrasse eingereicht werden. Die sei der politische Weg und deshalb die Sache der Gemeinden Auggen und Müllheim, so Pilger.

Der Trassenkonflikt mit dem Personnenah- und Güterverkehr sei vorprogrammiert, erklärt Werner Kleinfelder (BBM Hügelheim). Dies vor allem wegen der Hochgeschwindigkeitszüge. Warum die Bahn darauf poche, sei nicht nachvollziehbar. Der ICE fahre von Offenburg bis Buggingen mit maximal 160 Stundenkilometern. Nördlich von Buggingen bis südlich von Auggen sollen die Züge jedoch 250 Stundenkilometer schnell sein, damit sie acht Sekunden früher in Basel ankommen. Für dieses "Prestigeobjekt" zahle der Bund 75 Millionen Euro zusätzlich. Den höchsten Preis dafür trage aber die Region mit "kilometerlangen Monsterwänden", sagt Kleinfelder. In Frankreich und Japan verlaufen Hochgeschwindigkeitsstrecken separat, nur im Markgräflerland sollen der schnelle ICE und der langsame Güterverkehr auf einer Strecke abgewickelt werden. "Das muss man grundsätzlich in Frage stellen", so Kleinfelder. Er moniert, dass sich die Bahn mit "Irreführungen, Unaufrichtigkeit und Lügen" durchgesetzt habe. Entscheidungsträger, wie Landesverkehrsminister Winfried Hermann hätten sich den Argumenten der Bürgerinitiativen verweigert und seien damit den Bürgern der Region in den Rücken gefallen.

Er fürchte, dass 98 Prozent der Bürger nicht wüssten, was mit dem geplanten Bau der Rheintaltrasse auf sie zukomme, sagt ein Landwirt aus Hügelheim. Die Region verliere einen wesentlichen Teil ihres Ackerlandes und durch die hohen Lärmschutzwände – 6,90 Meter plus zwei Meter Dammlage – verändere sich das Kleinklima. Durch Kälteseen nähmen Frostschäden und Pilzkrankheiten zu, was insbesondere Sonderkulturen erheblich schädige. Das dürfe man nicht zulassen, betont der Landwirt und fordert die Bürger zum Protest auf, denn: "Die Zeiten des Mauerbaus sind vorbei!"

Im besetzten Bahnwärterhäuschen, dem Basislager für die Durchsetzung der Tieflage, soll der zivile Ungehorsam geweckt und trainiert werden. Hier finden künftig jeden Montag von 19 bis 20 Uhr "Bahnwachen" statt, kündigt Helmut Schmitt (BBM Hügelheim) an. Warum das notwendig ist und welche Aktionen geplant sind, erfahren die Bürger heute bei der Infoveranstaltung in Auggen.

Bürgerinfo zum Thema Bahn: Am Montag, 27. Juli, 20 Uhr, informiert die BBM in der Sonnberghalle Auggen.