Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. Mai 2014 18:12 Uhr

In Auggen

Demo gegen Bahn wird zum Volksfest

Eindrucksvoll demonstrierten am Sonntag Bürger in Auggen für eine Tieflage auch bis südlich von Auggen beim Bahnausbau.

  1. Gleichzeitig erreichten der Konvoi mit 33 Schleppern und 100 Radfahrer aus dem Norden die Bahn-Demo in Auggen. Foto: sigrid umiger

Die Demo am Sonntag in Auggen war ein Volksfest des Zusammenhalts der Bürgerinitiativen und Einwohner von Bad Bellingen bis einschließlich Heitersheim. Deutlicher kann man der Bahn die "Rote Karte" nicht zeigen: Die Region sagt Ja zu mehr Verkehr auf der Schiene, aber Nein zur Antragstrasse der Bahn. Gefordert wird die Tieflage der Güterzuggleise bis südlich von Auggen.

Zu den 40 Traktoren entlang der Bundesstraße 3 kamen weitere 33 Schlepper aus Heitersheim, Buggingen und Hügelheim im Konvoi, begleitet von der Polizei und der Feuerwehr und gleichzeitig 100 Radfahrern, angeführt vom Hügelheimer Ortsvorsteher Martin Bürgelin. Besonders kreativ war der Hügelheimer Landwirt Reiner Nußbaumer: Bei einer Podiumsdiskussion hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster gesagt, er werde reiten, wenn die Region die Pferde gesattelt habe. Der Anhänger am Nußbaumer-Schlepper transportierte gestern ein Holzpferd mit der Antwort: "Herr Schuster wir nehmen Sie beim Wort. Das Pferd ist gesattelt. Jetzt reiten Sie fort!"

Der Auggener Pfarrer Gernot Schulze-Wegener verlegte den Sonntagsgottesdienst in die Sonnberghalle. Die Solidarität mit den Bürgern, die um den Erhalt ihrer Lebensqualität kämpfen, sehe er als politischen Auftrag der Kirche, betonte der Pfarrer. Zum Gottesdienst sangen die Sorgenbrecher aus Auggen im Chor mit dem Männergesangverein Hügelheim. Dass Lärm nicht nur laut ist, sondern auch krank macht, wissen die Bürger. Deshalb bejubelten die rund 500 Zuhörer in der Sonnberghalle den bekannten Experten Gerhard Kaiser, der die "Beste Lösung", vorstellte: Die Bürgertrasse muss auch südlich von Buggingen fortgesetzt werden mit einer Tieflage der Gütergleise. Dadurch können Lärmschutzwände und Passivlärmschutz an Häusern vermieden und die Bürger bei Unfällen von Gefahrguttransporten besser geschützt werden. Im freien Feld südlich von Auggen werden dann alle Güterzüge über eine Rampe in den Katzenbergtunnel geführt.

Werbung


Ohne die "Macher" der großen Bürgerinitiativen MUT und IG Bohr, Roland Diehl und Gerhard Kaiser, wären die Gemeinden nicht so weit gekommen, lobte Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann. Heute sei klar, dass ein menschen- und umweltgerechter Ausbau der Rheintaltrasse auch ohne Mehrkosten machbar ist, betonte Fritz Deutschmann und versicherte: "Wir sehen ein Licht am Ende des Katzenbergtunnels." Deutschmann erinnerte an wichtige Meilensteine in Sachen Bahn, gemeinsam mit der Stadt Müllheim. Auch Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich bestätigte: "Wir sind seit Wochen auf Bahn-Tournee."

Die Tieflage ist für alle Bürger die beste Lösung

Bad Bellingen werde die Forderungen an die Bahn unterstützen, weil der Kurort ein großes Interesse daran habe, den Transitgüterverkehr in den Katzenbergtunnel zu bringen, betonte Bürgermeister Christoph Hoffmann. Das erhöhe auch die Chance auf einen besseren S-Bahn-Takt im Personennahverkehr. "Die beste Lösung für Müllheim und Auggen ist auch die beste für uns", so Christoph Hoffmann. Mehr Zughalte und eine bessere Taktung wünscht sich die Gemeinde Buggingen schon lange. Auch Bürgermeister Johannes Ackermann unterstützt die Nachbargemeinden bei der Forderung der Güterzug-Tieflage denn, so Ackermann: "Alle Bürger an der Strecke müssen gleich behandelt werden."

Vertreten waren auch Landtagsabgeordnete aus alle Parteien, so Thomas Marwein (Grüne), Christoph Bayer (SPD) und Patrick Rapp (CDU). Sie wollen sich dafür stark machen, dass die Bahn die Forderung der Bürger als Planung überprüft. Die meisten Demonstranten kamen aus der Landwirtschaft. Mit bestem Beispiel und auf großen Schleppern voraus fuhren der BLHV-Kreisvorsitzende Michael Fröhlin (Buggingen) und sein Stellvertreter Bernhard Walz (Heitersheim). Stimmung machten die Musikvereine Hügelheim und Auggen, aber auch Hermann Ritter, BLHV-Ortsvorsitzender Buggingen. Er erinnerte an 1973 und sagte: "Eine Region, die mit ihrem festen Zusammenhalt das drohende Kernkraftwerk Wyhl verhindert hat, wird auch mit der Bahn fertig."

Autor: Sigrid Umiger