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28. Dezember 2011
Ein Auggener war der letzte Müllheimer Milchmann
Walter Leininger aus Auggen feierte seinen 90. Geburtstag / Er hat 27 Jahre lang täglich frische Molkereiprodukte ausgefahren.
AUGGEN. Bis 1975 gab es in Müllheim einen Milchmann. Der letzte seiner Zunft war Walter Leininger aus Auggen. Am ersten Weihnachtsfeiertag feierte er seinen 90. Geburtstag. Er erinnert sich noch gut an die Zeit als Milchmann. 27 Jahre lang war er Privatunternehmer. An jedem Liter Milch hat er einen Pfennig verdient, brutto – inklusive Transportkosten.
Walter Leininger ist ein waschechter Auggener. Geboren wurde er am 25. Dezember 1921 – seither lebt er im Haus seiner Eltern. Aus Auggen stammt auch seine große Liebe Frieda Höllstin, mit er seit 1948 verheiratet ist. Beide haben die Landwirtschaft der Eltern weitergeführt. Zum Hof gehörten früher auch Kühe. Doch als Walter Leininger wegen einer Kriegsverletzung 1944 aus der Wehrmacht entlassen wurde – seine rechte Hand ist seither gelähmt – konnte er keine Kühe mehr melken. Die Felder bewirtschaftete er dennoch, und seine Reben hat er erst vor drei Jahren verpachtet. Im August 1948 hat Walter Leininger das Milchverkaufsunternehmen von Adolf Walliser übernommen. Weil Autos damals rar waren, hat er die Milch aus dem Auggener Milchhüüsli – an der Ecke Hauptstraße/ Metzgergässle – anfangs mit einem Pferd, das den alten Wagen mit den Eisenrädern gezogen hat, nach Müllheim kutschiert. Damals hätten nur die Leute Milch kaufen dürfen, die Zuteilungsmarken gehabt haben, sagt Walter Leininger. Kinder erhielten täglich einen Viertel bis halben Liter, die Erwachsenen weniger. Er musste dem Milchhüüsle je Liter 29 Pfennig bezahlen und durfte diese Menge für 30 Pfennig verkaufen. "Das war alles geregelt", erzählt Leininger.
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Nachdem der Gesetzgeber verlangt hatte, dass die Milch pasteurisiert werden muss, um Keime abzutöten, durfte die Auggener Molkerei nur noch im Dorf verkaufen, aber ihn nicht mehr beliefern, erinnert sich Walter Leininger. Er erhielt seine Milch dann im Tankwagen von der Lörracher Milchzentrale. Später wurde er vom "Käs-Wagner" in Müllheim beliefert – zu denselben Bedingungen. Das Risiko habe er aber immer selbst tragen müssen, sowohl für die Autos, die er mit einer Verkaufstheke ausgerüstet hatte, als auch für die Menge an Milch, Joghurt, Sahne, Quark und Schichtkäse. War etwas übrig, machte seine Frau Frieda Käsekuchen für die eigenen drei Kinder. Milch habe es im Überfluss gegeben, daher trinke sie heute keine mehr, sagt Tochter Marlies Kirsch. In seinen besten Zeiten habe er täglich bis zu 600 Liter Milch verkauft. Hauptabnehmer seien die Franzosen in den Kasernenwohnungen gewesen, erinnert sich der Milchmann. Er hatte verschiedene Haltepunkte in der Stadt und habe sich immer mit der Trillerpfeife angekündigt oder die vor den Haustüren bereitstehenden Milchkannen gefüllt. Jeden Morgen sei er um vier Uhr aufgestanden und gegen 13 Uhr nach Hause gekommen, danach habe er in den Reben geschafft.
Nach dem Ende der Milchmann-Ära hat Walter Leininger von 1975 bis 1986 in der Firma Hommel in Müllheim gearbeitet. Sein Hobby war und ist der Sport. Walter Leininger ist seit Jahrzehnten aktiv in der Behindertensportgruppe (BSG) Müllheim und hat 25 Sportabzeichen erworben. Bis heute macht er sein Bizepstraining und fährt Fahrrad. Beim 90. Geburtstag waren alle da, die drei Kinder und die sieben Enkel. Auch die Enkelin, die in Ägypten als Lehrerin arbeitet, sei gekommen, freut sich der agile Jubilar.
Autor: Sigrid Umiger
