Gemeinde mietet Wohnung für Begegnungsstätte

Sigrid Umiger

Von Sigrid Umiger

Fr, 25. September 2015

Auggen

Erdgeschosswohnung im geplanten Mehrfamilienhaus der Baugenossenschaft Familienheim Markgräflerland.

AUGGEN. Die Gemeinde Auggen wird im geplanten Mehrfamilienhaus der Baugenossenschaft Familienheim Markgräflerland eine Erdgeschosswohnung anmieten als künftiges Domizil des Seniorenbüros und für den Ortsverein der Landfrauen. Ferner könnte die Wohnung als Begegnungsraum für die Hausbewohner oder als Treffpunkt für Senioren aus Auggen genutzt, aber auch für Veranstaltungen untervermietet werden.

Im neuen, 6000 Quadratmeter großen Baugebiet "Unter dem Letten" – am nördlichen Ortseingang zwischen der Schmiede- und der Sonnbergstraße – entstehen vier Bauplätze für private Bauherren an der Schmiedstraße und dahinter, auf zwei Dritteln des Areals, investiert die Müllheimer Baugenossenschaft Familienheim rund 3,6 Millionen Euro in den Bau von 18 barrierefreien, alters- und behindertengerechten Wohnungen auf drei Etagen. Geplant sind zwölf Zweizimmerwohnungen mit jeweils 75 Quadratmetern und sechs Vierzimmerwohnungen mit 130 Quadratmetern Fläche. Falls die Gemeinde eine der großen Wohnungen im Erdgeschoss anmieten möchte, müsse das vor Baubeginn feststehen, weil diese Wohnung dann anstelle eines Bades zwei Toiletten braucht, erklärte Klaus Schulte, Geschäftsführer der Familienheim, in der Ratssitzung. Neben der Küche ist ein 90 Quadratmeter großer, eventuell abtrennbarer Mehrzweckraum.

In einem Vertrag zwischen der Gemeinde und der Baugenossenschaft soll eine Staffelmiete ausgehandelt werden, die zu Beginn monatlich 910 Euro (sieben Euro je Quadratmeter) Kaltmiete kostet, was alle paar Jahre den allgemeinen Mietpreiserhöhungen angepasst wird. Das Mietverhältnis soll auf Wunsch des Vermieters auf die Dauer von 15 bis 20 Jahre abgeschlossen werden.

Hartmut Krone, ehrenamtlicher Leiter des Auggener Seniorenbüros, begrüßte diese "Pilotanlage" als einmalige Chance, ein barrierefreies Kommunikationszentrum für die Bürger zu schaffen. Dem schloss sich die Vorsitzende der Landfrauen, Ruth Vogler, an. Das derzeitige Domizil des Landfrauenvereins könne nur über eine steile Treppe erreicht werden, weshalb einige Bürger die Vorträge und Kurse des Vereins nicht besuchen könnten. Nutzbar wäre der Begegnungsraum auch für die Demenzgruppe, schlug Gemeinderat Herwig Boeckle (FWG) vor.

Er glaube, dass es künftig ein großes Interesse im Dorf für die Bereitstellung solcher Räume gebe könnte, meinte Rainer Maier-Fichtlscherer (Freie Liste) und plädierte für die Anmietung. Ein weiterer Pluspunkt dieser Begegnungsstätte seien die guten Parkmöglichkeiten, ergänzte Sabine Baßler (FWG).

Es gebe doch bereits genug barrierefreie Räume in Auggen, befand hingegen Gemeinderat Gerd Huber (FDP). Er gab zu bedenken, dass die Kaltmiete 12 000 Euro im Jahr kostet, weshalb eine Nutzung als Wohnung seiner Meinung nach wesentlich sinnvoller wäre. Das "Gezerre" bei der Untervermietung über die Gemeinde sei vorprogrammiert, meinte Leni Franken (FDP). Sie könne angesichts der hohen Ausgaben und einer Bindung an 20 Jahre Mietdauer nicht zustimmen, betonte die Gemeinderätin. Bürgermeisterstellvertreter Ingo Ehret (CDU), der diesen Tagesordnungspunkt moderierte – Bürgermeister Fritz Deutschmann ist Aufsichtsratsmitglied der Familienheim –, sprach sich zum Wohle der Senioren für die Anmietung aus. Peter Danzeisen (CDU) fragte, ob bei wenig Interesse die Wohnung für Wohnzwecke umgebaut werden könnte. Klaus Schulte erklärte, dass eine Aufhebung des Mietvertrages möglich sei. In diesem Falle müsste sich aber die Gemeinde an den Umbauarbeiten finanziell beteiligen.

Mit den Gegenstimmen von Leni Franken und Gerd Huber beschloss das Ratsgremium, dass die Gemeinde Auggen als künftiger Mieter der Baugenossenschaft Familienheim eine Wohnung zum derzeitigen Monatsmietzins von 910 Euro anmietet und dafür auch die Nebenkosten übernimmt. Die Erschließungsarbeiten des Baugebietes "Unterm Letten" sollen laut Klaus Schulte im November 2015 beginnen.