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08. November 2016 16:52 Uhr

Rheintalbahn

Symbol für Widerstand muss weichen: Bahn reißt Auggener Bahnwärterhaus ab

Das alte Bahnwärterhäuschen in Auggen war Symbol und Basislager des Widerstands gegen die Pläne zum Ausbau der Rheintalbahn. Der Bahn war das schon länger ein Dorn im Auge. Jetzt lässt sie das Häuschen abreißen.

  1. Am Dienstag fuhr schon mal der Bagger vor, in den nächsten Tagen soll das Bahnwärterhaus dann abgerissen werden. Foto: Volker Münch

Das Bahnwärterhäuschen bei Auggen war über mehrere Monate lang das Basislager des Bürgerbündnisses Bahn Markgräflerland (BBM) und Symbol für die Protestbewegung, die für die Tieflage der Rheintalstrecke kämpft. Seit dem gestrigen Dienstag laufen nun die Abrissarbeiten. Die Bahn begründet den Abbruch mit der Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht, nachdem das alte Häuschen als baufällig gilt.

Dass die Abbrucharbeiten gerade jetzt stattfinden werden, hat die Vertreter des Bürgerbündnisses "kalt erwischt". Erst am Vorabend informierten Vertreter der Bahn die Bürgerinitiative bei ihrem Basislagertreffen in der Sonnenberghalle über den Beginn der Abbrucharbeiten, die augenscheinlich minutiös geplant wurden und längst vorbereitet waren. Entsprechend gereizt sind die Reaktionen der BBM-Vertreter, wie Gerhard Kaiser und Werner Kleinfelder deutlich machten. "Wir hätten schon gerne die Abbruchgenehmigung und die Arbeitsanweisung gemäß der Baustellenverordnung gesehen", sagt Gerhard Kaiser. Doch daraus wurde nichts, wie sie vor Ort feststellen mussten. Auch ein Gutachten zur Schadstoffbelastung des Bahnwärterhäuschens war nicht einzusehen und lag nach Kenntnis der Bahn-Gegner wohl auch dem Abbruchunternehmen vor Ort nicht vor. So jedenfalls lautete die Auskunft, die Kaiser von den Mitarbeitern vor Ort erhalten hatte. Es geht Kaiser um Stoffe wie Asbest, Lindan und PCB.

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Für das BBM ist die Terminwahl rätselhaft, weil erforderliche Bauarbeiten an der Bahnstrecke noch längst nicht in Sichtweite seien. "Wir erkennen für den aktuellen Abbruchtermin überhaupt keine Notwendigkeit", betonte Kleinfelder vor Ort. Als einzige Begründung sieht er das Bestreben der Bahn, ihre Macht zu demonstrieren und das Symbol des Markgräfler Widerstandes zu zerstören.

Naturgemäß betrachten DB-Pressesprecher Michael Breßmer und Christoph Klenert vom Projektmanagement den Entschluss, mit den Abbrucharbeiten jetzt zu beginnen, aus einem ganz anderen Blickwinkel. "Wir wollten das baufällige Gebäude bereits vor einem Dreivierteljahr abbrechen", erklärte Breßmer. Die Bahn versteht das laut Breßmer als vorbereitende Arbeiten im Zuge der Planfeststellung, die zwar gerichtlich von den Bahngegnern in Frage gestellt werde, die Klage aber keine aufschiebende Wirkung habe. Weil das Haus baufällig ist, müsse die Bahn der Verkehrssicherungspflicht gerecht werden.

Damals allerdings besetzte das Bürgerbündnis das alte leerstehende Häuschen und erklärte es zum Basislager der Protestbewegung. "Dadurch gab es erst einmal Redebedarf. Wir haben dann das Bürgerbündnis mehrmals gebeten, das Haus zu räumen", sagt der DB-Pressesprecher. Den Vorschlag des BBM, die Verkehrssicherungspflicht zu übernehmen, sei seitens der Bahn rechtlich geprüft worden – mit einem negativen Ergebnis am Ende der Prüfung. Andererseits habe man mit dem Abbruchunternehmen einen bestehenden Vertrag. "Deshalb haben wir uns entschieden, den Abriss jetzt anzugehen", betonte Breßmer. Er betonte, es gebe auch keinen Anlass, dem Bürgerbündnis die Abbruchgenehmigung vorlegen zu müssen. Weil der Planfeststellungsbeschluss trotz Klage Bestand habe, bestünde nun ein Recht auf Handeln. Im Vorfeld des Abbruchbeginns sei auch ein Gutachter eingeschaltet worden. "Zudem ist die Abbruchfirma ein sehr erfahrenes Unternehmen, das weiß, wie mit Schadstoffbelastungen umzugehen ist", betonte der Pressesprecher und ergänzt: "Das Gebäude und das umliegende Gelände wurden auf geschützte Tierarten untersucht. Für die auf dem Grundstück lebenden Eidechsen wurden bereits frühzeitig nahe liegende Ersatzlebensräume in Form von neu angelegten Steinriegeln geschaffen."

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Autor: Volker Münch