Vorfreude auf Doppelbelastung

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Fr, 24. August 2018

Auggen

Zum Auggener Winzerfest vom 13. bis 17. September wird vermutlich auch die Weinlese auf Hochtouren laufen.

AUGGEN. Dem Winzerdorf Auggen stehen geschäftige Tage und Wochen bevor. Vom 13. bis 17. September steigt das Winzerfest – das allen derzeitigen Prognosen zufolge mitten in die heiße Phase der Weinlese fällt. Herbst und Fest quasi parallel zu stemmen, wird zu einem Kraftakt, an dem sich mehr oder weniger der gesamte Ort beteiligt. Beim veranstaltenden Winzerkeller ist die Vorfreude auf beides dennoch groß.

Was früher eher die Ausnahme war, wird mehr und mehr zur Regel: Nämlich, dass das Auggener Winzerfest während der Weinlese stattfindet. Das hat es durchaus in sich, denn die Betriebsgebäude des Winzerkellers Auggener Schäf sind gleichzeitig auch Festgelände. Das bedeutet: Während der Winzerfesttage ist keine Traubenannahme und -verarbeitung möglich – die Vorbereitungen und der Abbau müssen daher umso zügiger über die Bühne gehen. Man habe schon des öfteren darüber diskutiert, den Termin des Weinfestes – mit Staufen und Breisach immerhin eines der größten der Region – zu verschieben, gesteht WG-Geschäftsführer Thomas Basler. Doch wohin? Andere Termine sind bereits besetzt. Außerdem folgt die Veranstaltung des Festes inzwischen eingespielten und bewährten Bahnen, wie Chef-Organisator Albert Gamb erklärt, der die Abläufe längst "im Blut hat", wie er lachend und mit einer ordentlichen Portion Gelassenheit erklärt.

Und nicht zuletzt hat das Winzerfest, das heuer zum 63. Mal und zum zehnten Mal unter der Regie der WG über die Bühne gehen soll, auch seinen historischen Anknüpfungspunkt mit dem Augge-Märt, der an die Verleihung der Marktrechte erinnert und am Festsonntag traditionell mit dem großen Trachten-Umzug und am Montag mit dem Jahr- und Krämermarkt im Ortskern begangen wird.

Um das Winzerfest zu stemmen, ist mehr oder weniger das ganze Dorf auf den Beinen – vor allem über die Vereine, die sich an verschiedenen Stellen hilfreich einbringen, wie die Veranstalter dankbar betonen. Eine besondere Rolle kommt dem Auggener Musikverein zu, der sich in der Region eines ausgezeichneten Renommees erfreut. Am Festsamstagabend bestreitet er das Unterhaltungsprogramm. Das geht von 20 Uhr bis weit nach Mitternacht – und fordert den Musikern eine Menge ab. Die sind, so ist zu hören, dieser Herausforderung indes immer besser gewachsen, und das spricht sich offenbar so langsam rum. Albert Gamb berichtet von Schweizer Gästen, die im vergangenen Jahr vom Einsatz des Auggener Musikvereins beim Winzerfest so beeindruckt waren, dass sie ihn kurzerhand für eine eigene Veranstaltung in der Eidgenossenschaft gebucht haben.

Auggener und Laufener Winzer heimsen Preise ein

Neben dem randvoll gepackten kulinarischen und Unterhaltungsprogramm – die nicht ganz stilechte wiewohl ausgesprochen erfolgreiche Dirndl- und Lederhosenparty am Freitagabend darf auch wieder nicht fehlen – geht es dem Auggener Winzerkeller natürlich auch darum, sich als leistungsstarker Erzeugerbetrieb zu präsentieren. Das fällt in dieser Saison besonders leicht: Die Preise, die die Auggener und Laufener Winzer (seit 2011 gehört die WG Laufen zum Auggener Winzerkeller) bei Wettbewerben national wie international einheimsen, sind bald kaum mehr zu zählen. Zu den Höhepunkten in diesem Jahr gehört der Doppelsieg beim Gutedelcup in den Kategorien Kabinett und edelsüß sowie die Auszeichnung als "bester deutscher Wein" beim Mondial du Chasselas im schweizerischen Aigle mit einem Gutedel-Eiswein.

Und so will das Winzerfest seinen Gästen auch die Möglichkeit bieten, ein wenig hinter die Kulissen des Betriebes blicken zu können. Ob und in welchem Umfang Kellerführungen möglich sein werden, ist indes noch unklar. Möglicherweise könnten dann schon die ersten Gärtanks befüllt sein, "und dass uns jemand aufgrund der Gärgase umkippt, wollen wir natürlich nicht riskieren", sagt WG-Chef Basler. Eine geführte Weinwanderung wird es aber auf alle Fälle geben, ebenso wie das bewährte Wein-Forum am Freitagabend, auf dem fachkundige Referenten tiefergehende Informationen vermitteln. Diesmal steht der Nobling im Fokus des Wein-Forums. Obwohl weniger bekannt, ist diese aus Gutedel und Silvaner gezüchtete Rebsorte eine echte Markgräfler Spezialität, die sowohl zu Stillweinen wie zu Sekt verarbeitet wird.

Einen breiten Überblick über die Palette der Auggener und Laufener Gewächse bietet die große Weinprobe am Eröffnungsabend des Weinfestes, präsentiert – auch das inzwischen schon bewährte Praxis – von Nachwuchswinzern der WG. Während die Gäste Tropfen aus den vergangenen Jahren kosten dürfen, wird es aus dem aktuellen Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon den ersten Federweißen geben, wenn das Weinfest steigt. Denn die Lese dafür soll bereits nach dem kommenden Wochenende beginnen, erklärte WG-Geschäftsführer Thomas Basler bei einem Pressegespräch am Donnerstag.

Insgesamt sind die Auggener und Laufener Winzer ausgesprochen hoffnungsfroh gestimmt – vorausgesetzt sie bleiben in der letzten Phase vor der Ernte vor Wetterkapriolen wie Starkregen und Hagel verschont. So gesunde Trauben wie in diesem Jahr, so Basler, habe er schon lange nicht mehr gesehen, und auch die erwartete Erntemenge zeigt sich ausgesprochen verheißungsvoll. Das ist umso wichtiger, da sich die Keller nach dem durch Spätfröste mengenmäßig stark beeinträchtigten vergangenen Jahr inzwischen deutlich geleert haben. Von der Lese für neuen Süßen wird man dann nach und nach in die Hauptlese übergleiten, sagt Basler, in drei bis vier Wochen soll es dann "so richtig zur Sache gehen".