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03. Februar 2012 17:27 Uhr

Frostiger Job

Winzer lesen Eiswein mit bis zu 230 Grad Öchsle

Jetzt hat’s ja doch noch geklappt. Am frühen Freitagmorgen kam es – dem bitterkalten Wetter sei Dank – zur – wegen des milden Wetters zuvor – fast schon nicht mehr für möglich gehaltenen Eisweinlese in Schliengener und Auggener Rebanlagen.

  1. Eisweinlese in Schliengen Foto: Jutta Schütz

  2. Eisweinlese in den Auggener Rebbergen Foto: Alexander Anlicker

So wird der 3. Februar 2012 als bisher spätester Termin für eine Eisweinlese in die Geschichte der Ersten Markgräfler Winzergenossenschaft Schliengen-Müllheim eingehen. Denn erst mit diesem Datum wurden die für eine Eisweinlese geforderten minus acht Grad erreicht und mit minus 14,5 Grad sogar noch unterboten. Mit 230 Grad Öchsle als Resultat ist Kellermeister Philip Dahm hoch zufrieden. Und richtig glücklich ist er dann, wenn der Rebensaft auch anfängt schön zu gären. "Denn das weiß man bei dem hohen Zuckergehalt von Eisweinen nie so recht", sagt er. Der Ertrag fällt mit 100 bis 110 Liter diesmal recht bescheiden aus. Normal sind über 200 Liter.

"Am besten ist die Eisweinlese vom Literergebnis her Ende November – da sind die Trauben oft noch richtig prall", erklärt Dahm. Gute Eisweine gibt es aber auch noch im Januar, wie der Eiswein der WG von 2008 zeigt, der beim Degustationswettbewerb Premium Select Wine Challenge gerade mit fünft Punkten die höchstmögliche Wertung und damit fünf Sterne erreicht hat.

15 Helfer waren im Schliengener Weinberg, in den Reben der Familie Brendlin, von 6.30 Uhr an im Einsatz. Schon um kurz nach 8 waren alle Trauben in der Presse. Ein Schmankerl ist es für Philip Dahm, dass Bürgermeister und Eiswein-Fan Werner Bundschuh am Lesetag seinen 60. Geburtstag feierte. So machte sich das Kellerteam mit 2008er Eiswein zum Rathaus auf, um schon mal für einen Geburtstags-Einswein seitens des Bürgermeisters Bestellungen anzunehmen, wie Philip Dahm augenzwinkernd mitteilte.

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Minus 13 Grad Celsius zeigte das Thermometer am Freitagmorgen in den Auggener Rebbergen an. Dick eingepackt in Mütze und Handschuhen begannen zehn Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat des Winzerkellers Auggener Schäf früh morgens mit der Lese der tiefgefrorenen Gutedel-Trauben für den Eiswein. Lange hingen die Trauben auf dem Rebstück von Winzer und Aufsichtsratsmitglied Friedrich Krumm – und noch vor 14 Tagen hatte fast niemand mehr mit einer Eisweinlese in diesem Winter gerechnet. Das Hoch Cooper sorgte nun aber für knackige Kälte. Zuletzt gab es im Winter 2001 zweistellige Minustemperaturen, erinnert sich der Winzerkellervorsitzende Günter Rüdlin. Damals hatte das Thermometer allerdings bereits im November knapp minus 14 Grad angezeigt.

Die Stimmung in der Lesemannschaft war bestens, erwarteten die Winzer doch angesichts der frostigen Temperaturen ein hohes Mostgewicht. Während sich das Lese-Team anschließend bei einem zünftigen Vesper stärkte, ging die Arbeit für Kellermeister Andreas Philipp und seine Kellermannschaft los.

In der Trotte wurden die Trauben zu einem großen Eisblock gepresst und unten floss der süße Eiswein heraus. Kurz darauf stand das Ergebnis fest: Rund 150 Liter Gutedel-Eiswein mit einem Mostgewicht von 205 Grad Öchsle waren der Lohn für die Arbeit im verschneiten Rebberg.

Autor: Jutta Schütz und Alexander Anlicker