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23. Januar 2012

"Wir hatten schon länger das Gefühl, dass was faul ist"

Reaktionen in Schlecker-Filialen im Markgräflerland auf die Nachricht von der Insolvenz des Unternehmens.

MARKGRÄFLERLAND (mod/umi). Schlecker ist insolvent. Die Badische Zeitung fragte in einigen Drogeriefilialen nach, wie es jetzt weiter geht.

Die Verkäuferin in der Filiale Heitersheim wurde am Freitag von der Meldung überrascht. Dass ihr Laden an der Hauptstraße am 24. Januar endgültig schließt, wussten die drei Mitarbeiterinnen aber schon eine Woche vor Weihnachten. "Wir sind immer die letzten, die etwas erfahren", sagt die Verkäuferin und zuckt in Anbetracht der jüngsten Neuigkeit mit den Schultern. Die Bezirksleiterin, die zufällig vorbeikommt, hat die Nachricht von der Insolvenz auch gerade erst am Telefon gehört. "Wir müssen abwarten", sagt sie etwas ratlos. Dabei laufe seit einem Jahr die Warenlieferung nicht mehr rund: "Wir hatten schon länger das Gefühl, dass etwas faul ist", pflichtet eine zufällig anwesende ehemalige Mitarbeiterin bei. Diese Gefahr habe sich immer deutlicher abgezeichnet, sagt die Kassiererin. Den Filialen wurde 2011 eine Messlatte vorgegeben. Wer ein bestimmtes Umsatzminimum nicht erreicht habe, dem sei mit Schließung gedroht worden. "Wir hätten Umsatz machen können, aber wenn die kompletten Bestellungen nicht geliefert werden, ist das unmöglich", so die Kassiererin. "Vor einem Vierteljahr wurde es mit der Zuweisung richtig krass." Nur noch 30 Prozent der bestellten Ware wurde geliefert. "Zigaretten gibt’s schon lange nicht mehr. Vielleicht konnte nicht mehr bezahlt werden", mutmaßt die Mitarbeiterin. Der Ansiedlung der neuen dm-Drogerie könne der Umsatzeinbruch nicht angelastet werden, meint sie. Anfangs sei zwar alles dorthin gelaufen, aber dann seien die Kunden auch wieder zurückgekommen. Für viele ist die Schlecker-Filiale bequem zu erreichen. "Ich finde es schade", bedauert eine ältere Frau. Wer im Oberdorf wohne und kein Auto habe, sei darauf angewiesen. Warum die Filiale in Buggingen bleibe, begreift hier niemand, ist zu hören.

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Bis Freitag war der Kenntnisstand der einen Festangestellten und der zwei Teilzeitkräfte, dass keine Kündigungen ausgesprochen werden. Zeitverträge würden auslaufen, Festverträge durch Versetzung weitergeführt, habe es geheißen. Wie sich die neue Sachlage auswirkt, ist unklar. "Wir sind früher gekommen und haben länger gearbeitet, ohne mehr Geld", ist zu erfahren. "Ich verstehe nicht, warum es dann im letzten Jahr noch Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld gab. Daran hätte man doch sparen können", sagt die Kassiererin. Nachvollziehbar ist das, was gerade geschieht für alle nicht.

Bereits vor den aktuellen Meldungen über eine Insolvenz hat der Drogeriemarktkonzern Schlecker seine Filiale in Müllheim geschlossen und ebenso im Frühjahr 2011 auch die in Auggen aufgegeben. Der Schlecker-Markt an der Bismarckstraße Badenweiler, neben der Postagentur, besteht noch. Dort ist bislang kein Schließungs-Flyer zu sehen. Die Marktleiterin hofft, dass ihre Arbeitsstelle erhalten bleibt, könne und möchte sich aber nicht äußern, wie sie auf Anfrage erklärte. Stattdessen verwies die Verkäuferin auf einen Vordruck der Geschäftsleitung mit Telefonnummern der Schlecker-Pressestelle. Eine Passantin sagt, sie hoffe, dass Schlecker nicht schließe, da Badenweiler für seine Einwohner und Gäste dringend eine Drogerie brauche, fügt aber an: "Ein Glücksfall wäre, wenn in Badenweiler eine Drogerie aufmachen würde, die einen besseren Ruf in Bezug auf den Umgang mit ihren Mitarbeitern hat."

Autor: mod, umi