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19. März 2010

Augustinermuseum: Spendengeld hinter dem Heiligen

Ältere Freiburgerinnen erinnern sich: Der Brand im Augustinermusem 1944 und das erste Konzert in Freiburg nach 1945.

  1. Löschte das Feuer 1944 im Augustinermuseum: Schreinermeister Eugen Herrmann Foto: Privat

Die Neueröffnung des Augustinermuseums weckt bei vielen älteren Freiburgern Erinnerungen. So zum Beispiel bei Freia Herrmann, Jahrgang 1929, die als Einzelkind einer gutbürgerlichen Familie in der Sternwaldstraße aufwuchs.

Ihre Eltern machten aus ihrer Abneigung gegen den Nationalsozialismus keinen Hehl. Der Vater Eugen Herrmann war ein stadtbekannter Schreinermeister und eng befreundet mit dem Häusermakler Dreyfuss, der Jude war. "Das war ein kluger, belesener und weltoffener Mann, der meinen Vater oft besuchte. Die Männer haben bis tief in die Nacht hinein politisiert und die Welt verteilt", erzählt Freia Herrmann. Und dass beide sich leidenschaftlich fürs Augustinermuseum begeisterten. "Herr Dreyfuss war ein langjähriger und anonymer Sponsor des Museums, bei jedem Besuch hatte er einen Umschlag mit Geld dabei, den er einem Museumsdiener gab. Das war ein großer Mann, schlottrig und weißhaarig. Und eines Tages, Mitte der 30er Jahre, hat er zu Dreyfuss gesagt, das sei ihm jetzt zu heikel", erzählt Freia Herrmann.

Doch Dreyfuss ließ sich nicht davon abhalten, das Museum weiter finanziell zu unterstützen. Es wurde ein Versteck ausgemacht für die Umschläge, die von nun an von Eugen Herrmann oder seiner Tochter Freia im Museum deponiert wurden. "Der Umschlag wurde in der alten Kirche hinter den dritten Heiligen von rechts geschoben, der stand nämlich nicht ganz an der Wand, da war ein bisschen Platz", sagt Freia Herrmann, die in ihrem Wohnzimmer heute noch die von ihrem Vater geschreinerte Eckbank stehen hat, in deren Bauch Dreyfuss die Bücher versteckte, die er als Jude nicht mehr besitzen durfte. "Ich war die einzige, die klein genug war, um reinzukriechen und an das Geheimfach zu gelangen. Deshalb musste ich die Bücher immer hervorholen, wenn Dreyfuss kam. Und es herrschte absolutes Schweigegebot darüber gegenüber sämtlichen Verwandten", erinnert sich Freia Herrmann. Der Makler Dreyfuss und seine Familie wurden mit seiner Familie ins Deportationslager Gurs deportiert.

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Das Schicksal von Freia Herrmanns Vater Eugen war eng mit dem Augustinermuseum verknüpft. Weil er rückenkrank war, wurde der Schreinermeister nicht eingezogen, musste aber Dienst tun beim "Technischen Notdienst". Nach dem Bombardement Freiburgs am 27. November 1944 musste sich Herrmann bei seiner Einsatzstelle melden. Auf dem Weg dorthin sah er Flammen aus dem Dach des Augustinermuseums schlagen. Er suchte in den umliegenden Häusern verzweifelt nach dem Hausmeister, fand ihn schließlich, und beide Männer konnten das Feuer löschen. "Mein Vater hatte sich dafür eingesetzt, dass auf den historischen Dachstühlen Sand und Wasser als Löschmaterial gelagert wurden, das war hier das große Glück", erzählt Freia Herrmann. Doch diese Rettungsaktion kostete Eugen Herrmann das Leben. Er kam zu spät zu seiner Einsatzstelle, wurde wegen "Rettung lebensunwichtigen Gutes" angezeigt und musste zum Militär. Er starb kurz nach Kriegsende in russischer Gefangenschaft im Lazarett Szegedin.

Auch in den Erinnerungen von Annemarie Wiegand hat das Augustinermuseum einen festen Platz. Die heute 87-Jährige war nach Kriegsende in der Verwaltung der neu gegründeten Musikhochschule Freiburg beschäftigt und dabei, als am 16. August 1946 in Freiburg das erste Konzert nach dem Krieg stattfand – im Augustinermuseum. "Wir sind mit einem Transporter in die umliegenden Ortschaften gefahren und haben Gartenstühle geholt, die habe ich dann mit Studentinnen aufgestellt und abgewischt", erzählt Annemarie Wiegand. Das Museum war voll besetzt, aufgeführt wurde Musik des Barock von Caccini, Pasquini, Händel und Vivaldi. Es wurde auf der Orgel gespielt und die blinde Margarethe von Winterfeldt sang, eine der bedeutendsten Gesangslehrerinnen in Freiburg zu jener Zeit, die auch Fritz Wunderlich unterrichtet hatte. "Es war einfach nur wunderschön, und die Begeisterung unter den Zuhörern war riesig", erinnert sich Annemarie Wiegand, "das war der Neubeginn des kulturellen Lebens in Freiburg."

Autor: Claudia Füßler