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17. Juli 2012

Aus für das "Wolfsschluchtmärchen"

Stadtmusik entsetzt über Entscheidung des Regierungspräsidiums / Vorsitzender Kleiser: "War wohl eine Anfrage zu viel".

  1. Für das Konzert der Stadtmusik in der Wolfsschlucht war alles vorbereitet. Völlig überraschend verweigerte das Regierungspräsidium nun die Genehmigung. Foto: Frey

KANDERN. Als "Wolfsschluchtmärchen" war das Konzert am kommenden Samstag von der Kanderner Stadtmusik geplant. Doch daraus wird nun nichts: Das Regierungspräsidium Freiburg hat die bisherigen mündlichen Zusagen der örtlichen Ämter und Behörden kassiert und mit dem Hinweis auf den Naturschutz die Veranstaltung in der Wolfsschlucht verboten – kaum zwei Wochen vor dem angesetzten Termin.

"Ich bin völlig entsetzt", resümiert Manfred Kleiser, der Vorsitzende der Stadtmusik, seine Erfahrungen aus den vergangenen Tagen und Wochen. Dass ein Vorhaben, das seit Ende des vergangenen Jahres vorbereitet wurde und zu dem es zusammen mit dem Forst im März bereits die erste Begehung in der Wolfsschlucht gab, nun einfach nicht stattfinden darf, das will nach wie vor nicht in seinen Kopf. "Wir haben doch mit allen Beteiligten gesprochen und niemand hat etwas gegen das Konzert im Wald gehabt", fasst er die Vorgeschichte aus seiner Sicht zusammen und fragt: "Warum hätte ich da ahnen können, dass uns das Regierungspräsidium die schriftliche Genehmigung verweigert?"

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Diese formelle forstrechtliche Genehmigung nach dem Landeswaldgesetz hatte Kleiser nämlich in der Tat fast vergessen – nachdem ihm seitens der Stadt, der Förster und der Jäger schon vor Monaten das grundsätzliche Einverständnis erteilt worden war. Erst, als vor wenigen Wochen eine unangemeldete Party in der Wolfsschlucht für Ärger gesorgt hatte, beantragte Kleiser die schriftliche Genehmigung, die ihm von allen Seiten als reine Formsache geschildert worden war, um nicht Gefahr zu laufen, ein Bußgeld zahlen zu müssen.

"Hätte ich das nur bleiben lassen", erklärt er heute mit Blick auf das, was er mit dem Antrag losgetreten hat. Der zuständige Sachbearbeiter im Landratsamt Lörrach stellte bei der Prüfung nämlich fest, dass die Wolfsschlucht seit den 90er Jahren als Schutzwald deklariert ist und dass die Genehmigung von organisierten Veranstaltungen in einem solchen Gebiet inzwischen dem Regierungspräsidium im Referat 82, beim Waldnaturschutz, obliegt. Wenige Tage später kam aus Freiburg die klare Entscheidung, dass ein Konzert in dem Schutzwald nicht genehmigungsfähig sei. Diese Nutzung schließe der besondere Schutzstatus schlichtweg aus. "Wir bedauern diese Entwicklung und haben auch darum gekämpft, dass die Stadtmusik wenigstens eine einmalige Ausnahmegenehmigung für das Konzert erhält", erklärt Thomas Unke, der Leiter der Kreisforstverwaltung. Namentlich der Kanderner Forstamtsleiter Martin Groß habe mehrere Anläufe unternommen, um die Freiburger Behörde umzustimmen – was aber erfolglos blieb.

Ganz im Gegenteil, am Ende mussten sich die Kanderner sogar vorwerfen lassen, dass sie mit der Auslegung der Schutzbestimmungen in der Vergangenheit zu locker umgegangen seien. Weder 1. Mai-Schänken noch Konzerte, am Ende nicht einmal große organisierte Vereinsausflüge mit einem kleinen Programm bei der Rast hätte es in der Wolfsschlucht geben dürfen, so die Haltung in Freiburg. Allein die Verordnung zum Schutzwald hätte dies erfordert, wobei inzwischen verschärfend hinzukommt, dass die Wolfsschlucht auch noch als sogenanntes FFH-Gebiet einen Schutzstatus der EU erhalten hat.

Schutzlos ausgeliefert ist dem allein die Stadtmusik, deren Wolfsschluchtmärchen ein wenig erfreuliches Ende gefunden hat. Eine Aufführung an anderer Stelle hält Kleiser für wenig wahrscheinlich, habe man doch das ganze Programm und die gesamte Dramaturgie bis hin zum Vorbeirattern des Chanderli auf den speziellen Konzertort abgestimmt.

Mit Bitternis hatte Kleiser sich beim Jubiläum der Feuerwehr am Sonntag gefreut, dass die Stadtmusik hier willkommen sei – an anderen Orten in Kandern sei sie das nämlich nicht. Dafür ließen die Musiker die für die Wolfsschlucht geplanten Vampire durchs Festzelt tanzen.

Autor: Ulrich Senf


4 Kommentare

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Klaus Schäfer  

Klaus Schäfer

Registriert seit: 08.09.2011

Kommentare: 33

17. Juli 2012 - 08:50 Uhr

Lieber Musikverein, so bitter wie das ist und so schlimm und engstirnig die Behörde in Freiburg gehandelt hat, wer sind denn diejnigen, die dem Musikverein vorenthalten haben, daß hier eine schriftliche Genehmigung beantragt werden muss, die aber schon gleich nicht genehmigt wird.
Woher soll denn ein Musikvereinsvorsitzender wissen, was alles dazu gehört um eine solche kulturelle Veranstaltung durchführen zu können ? Wo waren denn die Behörden in Kandern mit dem Bürgermeister an der Spitze ?
Nennen Sie doch einfach Roß und Reiter, Herr Kleiser. Zu Ihrer Ehrenrettung, Sie haben überhaupt nichts falsch gemacht, im Gegenteil.
Aber einige mit Ämter betrauten Menschen haben total versagt und falsche Auskünfte an Sie erteilt.
Jetzt tauchen diese ab und keiner war es, in folgender Rangfolge:
Bürgermeisteramt, Forstverwaltung, Landratsamt.
Kopf hoch Herr Kleiser und Beifall - ehrlichen Beifall - für die Topidee des Musikvereins, auch wenn das Reg.Präs. Freiburg nun meint es muss alles verhageln und keine Möglichkeit sehen will von dem hohen Ross runter zu kommen. Wieder mal ein Beitrag von Behörden, das Ansehen in der Öffentlichkeit negativ zu födern.
Man ist ja schließlich ein Amt und sitzt dort als Amtsperson, gell.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Schäfer
der Kanderner aus dem Vogtland, dessen Großvater Otto Britsch, Mitglied des Musikvereins Kandern war.

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Patrik Brehm  

Patrik Brehm

Registriert seit: 03.07.2012

Kommentare: 8

18. Juli 2012 - 00:10 Uhr

Und da wundern sich noch manche Menschen, warum die Jugendlichen so oft illegal veranstalten??
Es ist nämlich nicht nur mit der Wolfsschlucht so. Um eine Veranstaltung korrekt und vor allem legal durchzuführen, muss man so eine Fülle von Genehmigungen -die an noch mehr Bedingungen bzw. Auflagen geknüpft sind- einholen, dass der Aufwand ins unermessliche steigt.
Würde man alles korrekt machen, wären kleine -für die Besucher kostenlose- Veranstaltungen überhaupt nicht mehr möglich.
Was haben wir davon, wenn es nur noch kommerzielle Großveranstaltungen gibt?
(Ich hoffe das nun einige Menschen auch etwas mehr Verständnis für die Jugendlichen haben)

Meiner Meinung nach wird von den Behörden ein Stück deutsche Kultur tot bürokratisiert. Kleine gratis Veranstaltungen, sei es jetzt vom Musikverein oder einfach eine kleine Techno Party von Jugendlichen gehören nun mal zur deutschen Kultur und schaden keinem.
(Ob das nun im Naturschutzgebiet sein muss, darüber lässt sich streiten. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass wir hier im Naturpark Südschwarzwald leben. D.h. um uns herum ist alles Naturschutzgebiet.)

So Veranstaltungen (und damit meine ich auch die kleinen Techno Partys) sollten gefördert, nicht verhindert werden.
Durch genau so eine Haltung gibt es doch überhaupt erst illegale Veranstaltungen.
Der Musikverein hat auf jeden Fall mein tiefstes Mitgefühl, obwohl es jetzt nicht die Art von Veranstaltung ist, die ich bevorzuge. Aber ich kenne diese Situation aus eigener Erfahrung und hätte auch nichts dagegen wenn der Musik- oder Gesangverein in der Wolfsschlucht veranstaltet.
Die Unterscheidung zwischen einer kommerziellen und einer gratis Veranstaltung muss gemacht werden. Man kann nicht einfach alle über einen Kamm scheren. Es kann und darf nicht sein, dass die Kosten und Genehmigungen/Auflagen für eine kleinere gratis Veranstaltung die gleichen sind wie für eine Großveranstaltung wie z.B. die Baden FM Party in Kandern oder das Krach am Bach Festival in Wollbach.
Leider ist aber genau dies der Fall.

Mit freundlichen Grüßen

Patrik Brehm

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Alexander Nicolosi  

Alexander Nicolosi

Registriert seit: 18.07.2012

Kommentare: 8

18. Juli 2012 - 09:13 Uhr

Meine werten Damen und Herren - aus Insiderkreisen des Gemeindschaftsrates , sowie auch einiger Ortsvorsitzender möchte Ich hiermit noch einmals betonen (diese Auskunft erhielt auch die Redaktion der Oberbadischen) , das das Rathaus wohlwissend wusste das dieses Fleckchen Erde ein Schonwald ist und BEWUSST und vorsätzlich die Gesetze übertreten hatte und es wieder getan hätte .

Jedoch im selbem Atemzuge der Polizei anordnen die Party der vermeindlich Jugendlichen zu crashen grenzt für Mich an Heuchelei und Vetternwirtschaft !

Das Rathaus wusste sehr wohl über den Grat der Illegalität der Veranstaltung bescheid , alles andere ist nichts weiter als nen Lügenkonstrukt ..aber gut

Für den Musikverein und auch für alle künftigen Veranstaltungen reut es Mich , dennoch musste dies sein im Zuge der Gleichbehandlung aller

Wäre das Regierungspräsidium nicht eingeschritten wären die Unterlagen für ne einstweilige Verfügung schon gerichtet gewesen und wir , die vermeindlich Jugendlichen ( im alter von 18 bis 35 jahren und fest im leben stehend ) , hätten uns das eingeholt was allen gebührt .: Gleichbehandlung .

Auch fortan werde Ich persönlich ein Argusauge haben in diesem Bezug -

Aber gut
Es reut Mich das Wir alle drunter zu leiden haben das der Vater Staat und deren Beamte einjeglichen Spass der keinen Profit für Sie erwirkt im Keim erstickt

Selbst auf den eigentlich zulässigen Geländen
und noch was möchte ich hinzufügen : Die VERMEINDLICH , Jugendlchen haben schon des öfteren versucht Locations anzumelden , sowie auch die Wolfsschlucht aber immerzu wurde dies abgeschmettert

soviel zum thema

es wird endlich zeit für freiräume

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Tobias Schrade

Registriert seit: 18.07.2012

Kommentare: 2

18. Juli 2012 - 10:44 Uhr

Lieber Musikverein, liebe Stadt Kandern und deren verantwortlichen Ämter, liebe BZ,
"bitter" ja, dem kann ich zu 100% zustimmen. Selbst bei uns in der Region, einer doch recht ländlichen Welt in der man oft versucht ist zu denken, dass hier die Welt noch in Ordnung sei ist es BITTER, dass auch hier die Doppelmoral regiert ! mit zweierlei Maß gemessen wird und Aktivitäten die nicht ins persönliche Weltbild passen boykottiert und verurteilt werden !

Genau das passiert hier ! Die Jugendlichen (hier sollte die BZ ihre investigativen Kompetenzen -schnellstens!!- erhöhen) im Alter von 18 - 35, geschmeichelt kann ich mich hier wirklich nicht mehr fühlen ..., haben faktisch weniger Aufwand, eniger Umstände, weniger Beeinflussung der Natur, weniger Störung der Natur verursacht als es hier der Musikverein getan hätte !
Und doch wird es in einem anderen Artikel zum selben Thema in der BZ - http://www.badische-zeitung.de/kandern/ein-wort-dazu-falsche-zeit-falscher-ort - unterschwellig behauptet bzw. unterstellt (ohne rot zu werden!), diese "Jugendlichen" seien SCHULD am abgesagten/nicht genehmigten Wolfsschluchtmärchen ....

Das haut dem Fass den Boden raus ! Die SCHULD ist bei der Unfähigkeit und Unwilligkeit des Kanderner/LK LÖ Beamtenapparates zu suchen ! Und nirgends anders.
Jahrelange Vetternwirtschaft, sich gegenseitig in die eigenen Hände spielen rechtfertigt KEIN doppelmoralisches Verhalten wie oben bereits beschrieben ! Und erst Recht wird damit nicht gerechtfertigt sich ob der eigenen Ohnmacht einen Sündenbock zu suchen !

Ich bin durchaus bereit gewillt und Wollens zu sagen, dass der haltlosen und ungerechtfertigten Bevormundung aus Freiburg, Berlin UND Brüssel! dringenst Einhalt geboten werden muss !
Aber wenn dann bitte Hand in Hand - mit JEDER Hand die bereit ist physisch, psychisch UND moralisch zu unterstützen und nicht nur den Händen die einem passen !

Ich finde es GUT, dass auch die alt eingesessenen, INSBESONDERE diese! -endlich einmal mitkriegen und einsehen müssen!!!- wie sehr wir in unserer Vielfalt und unserer Gemeinschaft durch regionale, staatliche UND überstaatliche Repressionen eingeschränkt und beinahe schon gefangen gehalten werden.

Der gesunde Menschenverstand fordert uns allen ein gewisses Maß an Pflicht, Sorge und Obacht ab, ABER gesteht und auch die entsprechenden Kompetenzen und Rechte zu - mehr sollte dazu unter vernünftigen Menschen -eigentlich- nicht zu sagen sein ...

Vom geschriebenen abgesehen kann ich mich den Kommentaren von Patrick Brehm und Alexander Nicolosi nur zu 100% anschließen.
Herr Schäfer versucht hier auch nur mit Kanonen auf Spatzen zu schießen und die Schuld von einer Ecke in die andere zu schieben dabei gilt AUCH HIER - "Veränderung beginnt bei "dir"" !

Bevor wir uns nicht einig werden, jung und alt! - arm und reich! - bedeutend und nicht bedeutend! (insbesondere auf unsere Region hier bezogen!) - wird es solche Streitfälle, Ärgerlichkeiten und Enttäuschungen in der Zukunft immer häufiger geben. Stehen wir zusammen ! Schließen keinen aus, dann können wir -gemeinsam- sicherlich unsere Rechte und Kompetenzen unter Beachtung unserer Pflichten und Sorgen einfordern !

Bitte entschuldigt die Theatralik, aber hier geht es längst nicht mehr "nur" um eine gecrashte Party oder ein geplatztes Musikvereinfest ... ! Je früher das -alle- Beteiligten verstehen, desto besser für uns alle.

Hochachtungsvoll den Mitstreitern

Tobias Schrade

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