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27. September 2010
Autoritär und grausam wie sein Vater?
Über Kim Jong-un, der als kommender Führer Nordkoreas gehandelt wird, ist kaum etwas bekannt.
Sein Bild geht um die Welt, obwohl niemand sicher sein kann, dass es ihn tatsächlich zeigt: Kim Jong-un, der jüngste Sohn von Nordkoreas Diktator Kim Jong-il, gilt als designierter Nachfolger seines Vaters – und damit auch als Machterbe seines 1994 gestorbenen Großvaters Kim Il-sung. Doch für Beobachter ist er bisher ein Phantom. Alles, was über ihn bekannt ist, beruht mehr auf Gerüchten als auf gesicherten Erkenntnissen.
Kim Juniors Geburtsjahr wird je nach Quelle mit 1982, 1983 oder 1984 angegeben. Seine Mutter soll Kims Gefährtin Ko Young-hee sein. EinenTeil seiner Jugend verbrachte er wohl in der Schweiz, wo er in der nordkoreanischen Botschaft lebte und unter dem Namen Pak Chol oder Pak Un die Internationale Schule Bern besuchte. Falls dies stimmt, müsste er über gute Englischkenntnisse sowie Deutsch- und Französischkenntnisse verfügen. Mitschüler sollen kolportiert haben, der Diktatorensohn liebe Basketball sowie Actionfilme und sei bei seinen Klassenkameraden beliebt gewesen. Einer von ihnen überließ der japanischen Zeitung Yomiuri Shimbun ein Video, das Kim Jong-un 1998 bei einer Musikveranstaltung in der Schule zeigen soll. Darauf ist ein Teenager in einem Trainingsanzug zu sehen, der ein Tamburin schlägt. Auf dem Video wirke er schlecht in die Klasse integriert, so die Zeitung. 1998 verließ Kim die Schule ohne Abschluss und verschwand in Nordkorea, wo bis auf wenige Berichte über Inspektionsreisen mit seinem Vater nichts von ihm zu hören war.
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Im Mai vergangenen Jahres, unmittelbar nach Nordkoreas zweitem Atombombentest, soll das Regime dann aber seine Auslandsvertretungen über die Wahl des Machterben informiert und Vertretern des Parlaments sowie der Armee Treueschwüre abverlangt haben. Ob er innerhalb der Nomenklatura bereits eine Rolle spielt, ist unklar. Nach dem Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan mutmaßte US-Verteidigungsminister Robert Gates, der Angriff könne auf den jungen Kim zurückgehen, der sich in der Armee Respekt verschaffen wolle. Verschiedene südkoreanische Medien behaupten zu wissen, dass Kim Jong-un unter hohem Blutdruck und Diabetes leide, ein autoritäres Auftreten und die Grausamkeit seines Vaters geerbt habe.
Was daran wahr und falsch ist, wird wohl selbst dann unklar bleiben, wenn Kim Jong-un tatsächlich als Regent präsentiert werden sollte. Denn die Propaganda bemüht sich darum, jeden Herrscher mit einem Persönlichkeitskult auszustatten, der ihm übermenschliche Fähigkeiten zuschreibt. Kim Il-sung ließ sich als "Großer Führer " verehren, Kim Jong-il nennt sich "Geliebter Führer". Was bleibt da für die dritte Generation?
Autor: Bernhard Bartsch
