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25. November 2009

Der Krieg der Clans

Ein Massaker im Süden der Philippinen durchbricht alle Regeln der politischen Gewalt

  1. Journalisten in Manila zündeten zum Gedenken Kerzen an. Foto: afp

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MANILA. Das schlimmste politische Massaker in der Geschichte der Philippinen geht laut Angaben von vier Überlebenden und der lokalen Presse auf das Konto eines wichtigen Verbündeten der philippinischen Streitkräfte und von Gloria Arroyo, der amtierenden Präsidentin des Landes. Rund 100 der insgesamt 500 Mitglieder umfassenden Privatarmee des seit 2001 in der südlichen Provinz Maguindanao amtierenden Gouverneurs Andal Ampatuan hatten am Montag einen aus fünf Fahrzeugen bestehenden Konvoi von Frauen und lokalen Journalisten gestoppt. 46 Menschen seien insgesamt getötet worden, teilten die Behörden am Dienstag nach weiteren Leichenfunden mit. Am Vortag war zunächst von 21 Toten die Rede gewesen. Laut den vier Überlebenden befand sich unter den Tätern ein Sohn des Gouverneurs.

Die Frauen wollten bei der Wahlkommission der Provinz den stellvertretenden Bürgermeister des Ortes Buluan, Ismail "Toto" Mangudadatu, als Kandidat für die Gouverneurswahl im kommenden Jahr anmelden. Der Politiker, der bis vor kurzem den amtierenden Gouverneur unterstützte, fuhr nach Morddrohungen nicht mit. Er hatte seine Ehefrau und mehrere Anhängerinnen allein losgeschickt, weil er sie für ungefährdet hielt.

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Laut "Rido", dem ungeschriebenen Kodex der politischen Gewalt zwischen politischen Clans und Provinzfürsten, dürfen Frauen nicht gezielt ermordet werden. Werden sie dennoch Opfer der Auseinandersetzung, wird hohes Blutgeld fällig. Laut Ismail Toto Mangudadatu rief seine Ehefrau ihn noch mit dem Mobiltelefon an, als der Konvoi gestoppt wurde. "Dann wurde die Verbindung unterbrochen", berichtete der Politiker, der selbst zu einem einflussreichen Politikerclan gehört, einem Rundfunksender aus einem Versteck.

Die Regierung in Manila verhängte nach dem beispiellosen Massaker den Notstand und schickte zusätzliche Soldaten in das Gebiet. Außerdem wurde der stellvertretende Polizeichef der Provinz suspendiert und in Hausarrest gesteckt. Er soll zu den Mördern gehören. Die Regierung der Philippinen verkündete, die Schuldigen sollten bestraft werden.

Doch solchen Beteuerungen glaubt in dem südostasiatischen Inselstaat niemand. Denn die Ampatuan-Familie leistete in der Vergangenheit den Militärs wertvolle Hilfsdienste beim Kampf gegen islamische Unabhängigkeitskämpfer im Süden der Philippinen. Andal Ampatuan wurde zudem beschuldigt, bereits bei vergangenen Wahlkämpfen Rivalen ermordet zu haben. Alle Ermittlungen verliefen im Sand und der Gouverneur musste sich nie vor Gericht verantworten.

Zudem erwies sich die Sippe des Gouverneurs in der Vergangenheit als wichtiger Stimmenlieferant. Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen verhinderten seine Milizen, dass Wahlbeobachter von Gloria Arroyos Konkurrenten die Stimmlokale besuchten. Sie erhielt schließlich knapp 200 000 Stimmen. Ihr Gegner Fernando Poe kam in der Region auf nicht einmal die Hälfte. Das politische Establishment der Philippinen setzt immer wieder auf Allianzen mit lokalen Größen. Im kommenden Jahr findet gleichzeitig mit der Gouverneurswahl auch die Präsidentschaftswahl statt.

Ismail Toto Mangudadatu hatte seine bisherige Allianz mit der Ampatuan-Familie aufgekündigt, weil der Patriarch des Clans darin nicht mehr antreten darf. Seine Söhne gelten als schwache Figuren und er sah seine Chance gekommen, selbst den Posten zu erobern. Denn er garantiert nicht nur Privilegien, sondern öffnet die Tür zu Nebeneinnahmen.  

Autor: Willi Germund