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22. Juni 2012
Der Mann mit dem Rotstift
GRIECHENLAND II: Rapanos ist neuer Finanzminister .
ATHEN. In einem Alter, in dem andere in Pension gehen, übernimmt Vassilios Rapanos den schwierigsten Job seines Lebens. Aus dem repräsentativen Büro des Präsidenten der National Bank of Greece (NBG), des größten Kreditinstituts des Landes, zieht der 65-Jährige um in das sehr viel bescheidenere Amtszimmer des griechischen Finanzministers.
Rapanos kennt sich aus im Ministerium am Athener Syntagmaplatz. Von 2000 bis 2004 war er Vorsitzender des Sachverständigenrates im damaligen Wirtschafts- und Finanzministerium. Jetzt soll er dafür sorgen, dass die Griechen den Euro behalten dürfen. Der Wirtschaftsprofessor, der von der Dodekanes-Insel Kos stammt, übernimmt die undankbarste Aufgabe im neuen Kabinett. Das Land ist praktisch pleite – wieder einmal. Griechenlands Gläubiger drängen auf weitere Einsparungen im Haushalt. Der Rotstift wird deshalb das wichtigste Handwerkszeug des Finanzministers Rapanos sein.
Knapp zwölf Milliarden Euro muss Athen in den Jahren 2013 und 2014 zusätzlich streichen, um die Sparziele zu erreichen. Es sei denn, die EU lockert die Vorgaben. Darüber will Rapanos in den nächsten Wochen mit der Troika, also den Vertretern der EU, des IWF und der Europäischen Zentralbank, sprechen.
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Der hagere Mann mit der randlosen Brille gilt als geschickter Verhandlungsführer. Er tritt stets verbindlich und freundlich auf, versucht mit ruhig vorgetragenen Argumenten zu überzeugen. Er scheue sich aber auch nicht, wenn nötig mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, so Mitarbeiter.
Autor: Gerd Höhler



