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28. April 2009 07:21 Uhr

Deutsche Waffen sind gefragt

Im internationalen Waffenhandel spielt Deutschland eine immer größere Rolle. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die deutschen Rüstungsexporte um 70 Prozent. Ihr Anteil am globalen Geschäft wuchs auf zehn Prozent.

  1. Beliebt bei Rüstungskunden: deutsche Panzer wie der Leopard Foto: dpa

Damit rangiert Deutschland unter den Waffenhändlern hinter den USA und Russland auf Rang drei. Dies geht aus einem Bericht über den weltweiten Transfer konventioneller Waffen hervor, den das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag veröffentlichte.

Das Geschäft mit Kriegsgut boomt wieder – von der Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Rüstungsindustrie bisher noch kaum geprägt. Zwar liegen die Umsätze weiter deutlich unter denen aus der Zeit des Kalten Krieges. Doch zwischen 2004 und 2008 waren sie schon wieder um 21 Prozent höher als in der davorliegenden Fünfjahresperiode, in der der Rüstungstransfer die niedrigsten Werte seit den sechziger Jahren auswies.

In den kommenden Jahren werde sich die globale Finanzkrise auch auf das Waffengeschäft auswirken, erwartet Sipri. Es sei jedoch zu früh für konkrete Prognosen. "Während Staaten wie Brasilien, Indonesien oder Marokko ihre Gürtel enger schnallen müssen, bauen andere wie Taiwan oder die Arabischen Emirate ihre militärischen Kapazitäten aus", sagt Poul Holtom, der Chef des Sipri-Waffenhandelsprogramms. "In einer Zeit, die nach gemeinsamen Lösungen für globale Probleme ruft, stellt der blühende Waffenhandel eine Vergeudung von Ressourcen dar, die sich die Welt nicht leisten kann."

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Vor allem im Nahen Osten sind die Zuwachsraten hoch. 38 Prozent mehr Kriegsgut wurde seit 2004 in die Krisenregion exportiert – mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel und Ägypten als Hauptabnehmern. Alle drei werden vor allem von den USA versorgt. Hingegen sei der Anteil des Irans "trotz aller Spekulationen über die iranischen Importprogramme" vergleichsweise gering, heißt es in dem Rapport. China und Indien, beide mit Russland als wichtigstem Lieferanten, bleiben die weltweit größten Waffenkäufer. Auch die Importe Pakistans und Südkoreas – beide vor allem aus den USA – nehmen stark zu. China allerdings stellt sich mehr und mehr auf Eigenproduktion um.

Mit einem Anteil von 31 Prozent liegen die USA weiter an der Spitze der Rüstungsexporte, auch wenn ihr Umsatz seit Ende der neunziger Jahre, als US-Firmen für die Hälfte aller Waffenexporte standen, um 40 Prozent gefallen ist. Im gleichen Zeitraum verdoppelte Russland seine Ausfuhren und hält nun einen Anteil von 25 Prozent. Vor Frankreich und Großbritannien liegt Deutschland auf Rang drei. Dies ist vor allem auf eine Steigerung um 123 Prozent auf dem europäischen Markt zurückzuführen; 57 Prozent aller deutschen Exporte gingen an europäische Abnehmer.

Unter 47 Abnehmern deutscher Waffen waren die Türkei (15,2 Prozent) und Griechenland (12,9 Prozent) die besten Kunden, vor allem wegen der Lieferung von Panzern und U-Booten. Es folgen Südafrika und Südkorea mit Anteilen von 12,4 und 7,5 Prozent. "Verkaufsschlager" waren Panzer vom Typ Leopard-2A4 sowie teilweise im Ausland in Lizenz hergestellte deutsche U-Boote vom Typ 214.

Panzer für Brasilien

Der deutsche Beitrag zum Waffenhandel werde auch künftig signifikant bleiben, erwartet Sipri-Experte Mark Bromley und verweist auf geplante Verkäufe von U-Booten an Italien, Griechenland und Portugal und Panzern für Brasilien. Das Volumen der deutschen Exporte in der letzten Fünfjahresperiode gibt Sipri mit 11,45 Milliarden Dollar an. Der tatsächliche Wert sei jedoch wesentlich höher, sagt Bromley. Offizielle deutsche Daten beträfen nur Kriegswaffen im engsten Sinn, während andere Länder den Export von Rüstungsgütern umfassender definierten. Beim Verkauf von gebrauchtem Material kalkuliert Sipri mit dem Nutzwert und nicht dem Rechnungswert der Waffen, was dazu führt, dass die von dem Institut ausgewiesenen Zahlen oft höher liegen als offizielle deutsche.

Das Forschungsinstitut Sipri im Internet unter http://www.sipri.org

Autor: Hannes Gamillscheg