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21. Februar 2015

Die Geschichte eines Flüchtlingsschiffs

Der Fall der Blue Sky M gilt als Beispiel für skrupelloses Schleppertum – ARD sieht Gegenbeweise.

  1. Der Lörracher Abgeordnete Armin Schuster kritisiert die Methoden der Schlepperbanden. Foto: Nottbrock

FREIBURG. Flüchtlinge auf schrottreifen Schiffen erreichen immer wieder die Küsten Europas. Oft sind die Schlepper, die für horrende Summen die Flüchtlinge übers Meer transportieren, von den Schiffen verschwunden, um nicht belangt werden zu können. Als Italiens Küstenwache am 31. Dezember den Frachter Blue Sky M aufbrachte, schien der Fall ähnlich gelagert. Auch die Badische Zeitung berichtete, dass die Besatzung die 750 zumeist syrischen Flüchtlinge an Bord ihrem Schicksal überlassen habe. Nach Recherchen des ARD-Magazins "Panaroma" stimmt dies jedoch nicht.

Die Besatzung sei noch an Bord gewesen, hieß es in dem Beitrag. "Panorama" stellt vielmehr die These auf, dass die EU-Grenzschützer von Frontex bewusst die Lage im "propagandistischen Kampf gegen die ,illegale Migration’" dramatisierten. Damit wollten sie die Verantwortung für den Tod zahlreicher Flüchtlinge von sich weisen, die den gefährlichen Seeweg auf sich nehmen mangels anderer Möglichkeiten der Einwanderung in die EU.

Für den Beitrag befragte "Panorama" die für das Flüchtlingsschiff zuständige italienische Staatsanwaltschaft, die versicherte, dass die Besatzung an Bord gewesen sei. Sie sitzt heute in einem italienischen Gefängnis. Die Besatzung sei auch hochseeerfahren gewesen. Ein befragter Ingenieur wies daraufhin, dass es sich bei der Blue Sky M um ein seetaugliches Frachtschiff gehandelt habe, das vom türkischen Mersin aus mit den Flüchtlingen an Bord in See gestochen war.

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In der Sendung kritisierte auch der Lörracher Bundestagsabgeordneten Armin Schuster (CDU), der Mitglied des Innenausschusses ist, die Praxis auf der Blue Sky M. Schuster hat nun mehrere Anfragen im Bundestag laufen, um die näheren Umstände dieses Falls zu erfahren. Doch selbst wenn es sich als richtig erweisen sollte, dass der Frachter seetauglich war und die Besatzung nicht das Schiff im Stich ließ, bleibt Schuster bei seiner Kritik an den Praktiken der Schlepper. "Es verstößt gegen das Recht, dass Menschen in einem Frachter transportiert werden, der dafür nicht vorgesehen ist", sagt Schuster. "Es ist ja auch nicht erlaubt in einem Lkw Menschen zu transportieren." Während seiner Tätigkeit bei der Polizei sei er mehrfach damit konfrontiert worden, dass aus Lastwagen tote Flüchtlinge geborgen wurden. Auf Aufnahmen, die "Panorama" zeigte, sitzen die Flüchtlinge dicht gedrängt im Schiffsrumpf.

Gleichwohl sieht Schuster Handlungsbedarf. "Wir müssen versuchen, über die EU zu ganz anderen Quoten für die Flüchtlinge zu kommen." Mangels anderer Möglichkeiten versucht die Mehrheit auch der syrischen Flüchtlinge mit Hilfe von Schleppern in die EU zu kommen. Schuster sieht vor allem auch andere EU-Staaten in der Pflicht. "Deutschland hat im vergangenen Jahr zehn Mal so viele Flüchtlinge offiziell registriert als etwa Italien." Auch Frankreich nehme nur einen Bruchteil an Flüchtlingen auf. Kooperativ sind laut Schuster dagegen die skandinavischen Länder und Österreich.

Laut tagesschau.de soll Italien nun einen EU-Notkredit zur Versorgung der Flüchtlinge bekommen.

Autor: Annemarie Rösch