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23. Februar 2012

US-Präsidentschaftswahl

Santorum - letzte Hoffnung der Konservativen

Im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur der Republikaner scharen sich Religiöse und Rechte jetzt um Ex-Senator Santorum.

  1. Betet auch im Wahlkampf viel: Santorum, zweiter von rechts Foto: dpa

WASHINGTON. Das Bewerberfeld der Republikaner um die US-Präsidentschaftskandidatur bleibt für Überraschungen gut: Wenige Tage vor der wichtigen Vorwahl im Autostaat Michigan führt der Rechtsausleger Rick Santorum in einer US-weiten Gallup-Umfrage mit zehn Prozentpunkten vor dem bisherigen Spitzenreiter Mitt Romney. In Michigan selbst liegt Santorum ebenfalls vorn, die Landespartei kürt am Dienstag ihren Favoriten.

Romney braucht dringend einen Erfolg. Nach Santorums überraschenden Siegen in Minnesota, Missouri und Colorado sind die Zweifel an Romneys Durchsetzungsfähigkeit erstarkt. In Michigan wuchs er auf, sein beliebter Vater George führte in den 60er Jahren die Regierungsgeschäfte. Wenn Romney sich in Michigan nicht durchsetzen kann, wo dann?

Bei der TV-Debatte am Mittwochabend wollte der Sender CNN Santorum erstmals in der Mitte postieren, dem Platz der Favoriten. Anders als angekündigt, hat der frühere Senator die Tage jedoch nicht genutzt, um sein wirtschaftliches Profil zu schärfen. Santorum bediente weiter vor allem sozialkonservative Wähler mit Thesen gegen Abtreibung, Verhütung, Homoehe und die Verwässerung des religiösen Lebens in den USA. Zu Hilfe kam ihm eine aufgeregte Debatte darüber, dass die Regierung Obama die Kirchen hatte verpflichten wollen, ihren Angestellten wie andere Arbeitgeber auch über die Krankenversicherung Verhütungsmittel zu bezahlen. Unterstützt vom Vatikan hatten dagegen vor allem die katholischen Bischöfe protestiert. Der Präsident lenkte schließlich ein: Verhütungsmittel werden nun nicht direkt von den Kirchen bezahlt, sondern aus einem Topf, den die Versicherer gemeinsam finanzieren.

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Auf viele Amerikaner machte der Streit einen bizarren Eindruck. In weiten Teilen der republikanischen Partei sind solche Themen aber geeignet, sogar die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft zu überdecken. Die Gegner Santorums versuchen, ihren Landsleuten anhand von Zitaten dessen Schwarz-Weiß-Denken vor Augen zu führen: Wann immer der Katholik keine Berater um sich hatte, witterte er Satan oder wenigstens Nazis hinter jenen, die sein Weltbild nicht teilten. Er macht kein Hehl daraus, dass die Sorge um die religiöse Freiheit sich für ihn nur auf den christlich-jüdischen Glauben bezieht. Weite Teile der Rechten stört das aber gar nicht. Und wie so viele konservative Christen in den USA vertritt Santorum militärisch eine Doktrin der Stärke.

Im Kampf gegen den gemäßigten Romney hat Santorum warten müssen, bis sich Newt Gingrich als Hoffnungsträger der Rechten entzaubert hatte. Sollte er in Michigan siegen, hätte sich diese Geduld gelohnt. Für die Parteiführung allerdings wäre das eine Katastrophe: Niemand glaubt, dass Santorum eine Wahl gegen Amtsinhaber Obama gewinnen könnte. Der Widerstand der rechten Basis beschädigt wiederum Romney: Seit Monaten ist er gezwungen, für den Vorwahlkampf weit mehr Geld auszugeben als geplant. Auch könnte das notgedrungene Buhlen um die Hardcore-Konservativen dazu führen, dass Romney Wähler der Mitte verprellt. Unterstützer in Arizona drängen ihn, noch stärker auf die Rechten zuzugehen – dort ist am Dienstag ebenfalls Wahl.

Autor: Jens Schmitz