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19. Mai 2011

Die Luft für Gaddafi wird dünner

Bedrängte libysche Regierung will Wehrpflichtige einziehen.

TRIPOLIS/LIMASSOL. Er sitze zufrieden in seinem Büro in Tripolis und widme sich seiner Arbeit, hatte der libysche Erdölminister Schukri Ghanem vor drei Wochen eine Frage der BBC nach einer Flucht ins Ausland beantwortet. Seit vergangenem Wochenende ist Ghanem in Tunesien und will erst nach dem Sturz von Diktator Gaddafi in sein Heimatland zurückkehren.

Tatsächlich wird die Luft für den vermutlich untergetauchten libyschen Machthaber immer dünner. 40 hohe Funktionäre haben allein in der vergangenen Woche Libyen verlassen. Eine weitaus größere Fluchtwelle können Berichte auslösen, nach denen in den kommenden Tagen Einberufungsbefehle an alle Wehrpflichtige verschickt werden sollen, die in den letzten elf Jahren ihren Grundwehrdienst absolviert haben. Der Grund für die Mobilisierung der letzten Reserven sind anscheinend die hohen Verluste der Regierungstruppen in der Schlacht um Misrata. Dabei sollen der New York Times zufolge mindestens 2000 Soldaten gefallen, gefangenengenommen oder zu den Rebellen übergelaufen sein.

Gaddafi meidet den Kontakt zur Bevölkerung

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Ein Vorrücken der Rebellen von Misrata in Richtung Tripolis ist nach Angaben ihrer Sprecher vorerst nicht geplant. Man werde Stellungen konsolidieren und abwarten. Eine militärische Einnahme der Hauptstadt sei nicht mehr notwendig, weil sich die Einwohner von Tripolis schon bald gegen das geschwächte Regime Gaddafis erheben würden.

Die libyschen Aufständischen sehen die Zeit auf ihrer Seite. Die anhaltenden Luftangriffe der Nato auf strategische Ziele in Tripolis verfehlen ihre Wirkung anscheinend nicht. Immer mehr Gefolgsleute Gaddafis suchen nach Wegen, das Land zu verlassen. Die Prognose des italienischen Außenministers Franco Frattini, nach der sich das Regime in Tripolis in einem inneren Auflösungsprozess befindet, ist vielleicht ein wenig verfrüht. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Gaddafi, der sich seit Wochen nur noch mit aufgezeichneten Audiobotschaften an sein Volk wendet, seine Zuversicht verloren hat und den Kontakt zu seiner "geliebten Bevölkerung" meidet.

Auch sein Sohn Saif al-Islam, der in der ersten Phase der libyschen Revolution fast täglich gegen die Rebellen hetzte, hat sich mittlerweile zurückgezogen. Er habe den Glauben an den Sieg verloren, heißt es in Tripolis, und suche mit diplomatischer Unterstützung aus Moskau einen für die Familie gesichtswahrenden Abgang. Gaddafis ältester Sohn Mohammed soll sich nach einem Bericht der panarabischen Tageszeitung al-Quds al-Arabi bereits seit Samstag in Tunesien aufhalten.

Autor: Michael Wrase