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20. Juni 2011

In Afrika steigen die Preise für Lebensmittel rasant

Die Weltbank schlägt Alarm / 44 Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr in extreme Armut zurückgefallen.

  1. Auf einem Markt in Uganda Foto: AFP

Mehr als die Sehnsucht nach Demokratie haben Afrikas Machthaber den Unmut ihrer Bevölkerung über die Explosion der Nahrungsmittelpreise zu fürchten. Fast überall, wo südlich der Sahara Proteste aufflammen, stehen sie im Zusammenhang mit dem schwindelerregenden Preisanstieg der Lebensmittel. In Uganda hat sich der Maispreis in den vergangenen Monaten verdoppelt. Kaum ein Agrarprodukt sei nicht von extremer Teuerung betroffen, warnen die Entwicklungsexperten: In den vergangenen zwölf Monaten sei der Preis von Mais weltweit um 75 Prozent in die Höhe geschnellt, Weizen wurde um 70 Prozent höher gehandelt. Viele Grundnahrungsmittel hätten das Preisniveau von vor drei Jahren erreicht, als es in afrikanischen Ländern zu Hungerrevolten kam, teilte Weltbank-Chef Robert Zoellick mit. In den letzten acht Monaten seien 44 Millionen Menschen in extreme Armut zurückgefallen.

Die Gründe für den Inflationsdruck sind vielfältig. So spielt der Anstieg des Ölpreises eine Rolle, der sowohl die Düngemittel wie den Transport der Agrarprodukte verteuert. Hinzu kommt das rasante Bevölkerungswachstum sowie die Entstehung eines Mittelstands in vielen Schwellenländern, was eine Veränderung der Essgewohnheiten – vor allem eine Steigerung des Fleischkonsums – mit sich bringt. Eine Rolle spielen auch Erosion und Bodenermüdung, die die weltweiten Anbauflächen um jährlich zwei Prozent verringern, sowie die Auswirkungen der Klimaerwärmung. Wetterkapriolen zerstören große Teile der Ernten. Fachleute machen auch Spekulanten für die Inflation verantwortlich: Nach einer von der Welthungerhilfe in Auftrag gegebenen Studie soll das Spiel an den Nahrungsmittelbörsen für 15 Prozent der Teuerung verantwortlich sein. Vielleicht einer der wichtigsten Gründe für die Preisexplosion ist nach Worten des Nestlé-Vorstandsvorsitzenden Peter Brabeck-Letmathe aber der Umstand, dass immer mehr Anbauflächen für die Herstellung von Biodiesel abgezweigt werden. In Zeiten hoher Erdölpreise wechseln viele Farmer von der Nahrungs- zur Treibstoffproduktion über. Nach Angaben der US-Agrarbehörde USDA werden in diesem Jahr 40 Prozent der Maisproduktion dazu benutzt, Autotanks zu füllen. "Würden wir die Produktion von Biodiesel untersagen, hätte das eine sofortige Entspannung der Nahrungsmittelpreise zur Folge", sagt Brabeck-Letmathe. Allerdings liegt in der Teuerung der Nahrungsmittel auch eine Chance für Afrika. Fachleute hoffen, dass die höheren Preise den Kleinfarmern zugute kommen: Würden deren Einnahmen erhöht, könnten sie bald produktiver arbeiten und für die nötige "grüne Revolution" auf dem Kontinent sorgen, heißt es.

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Autor: Johannes Dieterich