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10. Februar 2012

Treffen

Katholische Kirche beendet Missbrauchskonferenz in Rom

Zum Thema Missbrauch haben sich in Rom Kleriker aus der ganzen Welt getroffen. Was kam heraus?

  1. Dunkle Erinnerungen: Die Betroffene Maria Collins erzählte auf der Missbrauchskonferenz der katholischen Kirche ihre furchtbare Geschichte. Foto: ddp

Es ist am Tag danach. Sie sitzt in einem der Räume der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und spricht davon, wie es für sie war, vor diesem Plenum davon zu berichten. Marie Collins ist heute 65 Jahre. Als sie ein Mädchen war, 13 Jahre alt, wurde sie während eines Krankenhausaufenthaltes von einem katholischen Geistlichen in Dublin sexuell missbraucht. Bis sie sich getraute, darüber zu sprechen, vergingen Jahrzehnte. Bis ihre Kirche ihr zuhörte, ihren Worten glaubte, dauerte es noch länger.

"Viele hätten hier von ihrem Schicksal berichten können", sagt Collins. "Meine Geschichte ist eine sehr typische Geschichte." Am Donnerstag ging in Rom ein viertägiger Kongress der katholischen Kirche zu Ende. "Auf dem Weg zu Heilung und Erneuerung" hieß er. 220 Bischöfe und Ordensobere, Vertreter von 110 nationalen Bischofskonferenzen aus der ganzen Welt, Fachleute und Wissenschaftler kamen nach Rom. Aus Deutschland waren der Münchener Kardinal Reinhard Marx und der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann angereist.

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Auch Ackermann hörte zu, als Collins weiter berichtete. "25 Jahre nach dem Missbrauch habe ich zum ersten Mal darüber gesprochen. Ich sprach zunächst mit einem Arzt, weil ich Depressionen hatte und unter Angstzuständen litt. Und ich wusste noch immer nicht, warum. Ich habe oft gedacht, mein Mann und mein Sohn wären besser dran, wenn ich sterbe. Ich hatte dieses Gefühl der Wertlosigkeit, das Opfer oft haben."

Man sagte Marie Collins, es wäre ihr Fehler gewesen

Der Arzt riet ihr, zu ihrer Kirche zu gehen. Das tat sie. Und alles wurde noch schlimmer. Man wollte den Namen des Täters nicht aufnehmen und der Priester, mit dem sie sprach, sagte ihr, was geschehen war, wäre wahrscheinlich ihr Fehler. "Das war das Schlimmste, was er überhaupt sagen konnte."

Der Priester, der sie missbraucht hatte, war damals sehr jung und kam gerade aus dem Seminar. Er blieb weiter unbehelligt. Es dauerte weitere zehn Jahre mit Depressionen und mit Krankenhausaufenthalten, bis Collins in der Presse von einem pädophilen Geistlichen las. "Erst da verstand ich. Ich hatte immer gedacht, was passiert war, war meine Schuld." Sie versuchte es erneut. Sie ging zu ihrem Erzbischof. Wider vergeblich: "Sie taten alles, um den Täter zu schützen. Er konnte weitermachen." Immerhin, heute sitzt der Mann, der nicht nur Collins missbrauchte, im Gefängnis.

Der Fall Collins ist nur ein Fall. Es gibt tausende, die die katholische Kirche in den vergangenen Jahren erschüttert haben. Auch in Deutschland. Längst nicht alles ist seither wieder in Ordnung gekommen, aber, so sagt es Bischof Ackermann: "Der Austausch mit den Bischofskonferenzen anderer Länder zeigt mir, dass wir sowohl in der Aufarbeitung als auch in der Prävention nicht an einem Nullpunkt stehen. Wir müssen die bereits beschlossenen Maßnahmen weiter in aller Entschiedenheit umsetzen und sie auch immer wieder auf die Wirksamkeit hin überprüfen." Auch Marx sagte, die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und die damit verbundene Krise der katholischen Kirche seien keineswegs zu Ende. Bis zum Mai müssen nach einer Vorgabe aus Rom alle Bischofskonferenzen Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch erstellen. Charles Scicluna, Chefankläger der Glaubenskongregation für alle Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche , berichtete, seit 2001 seien mehr als 4000 Hinweise auf Kindesmissbrauch bei der vatikanischen Glaubenskongregation eingegangen.

Autor: Stefan Küpper