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21. Juli 2008
"Kaufen Sie nie Welpen auf Märkten"
BZ-INTERVIEW mit Steffen Beuys vom Deutschen Tierschutzbund über Begegnungen mit Tieren am Urlaubsort.
FREIBURG. Die Begegnung mit Tieren gehört für viele Urlauber so selbstverständlich zu ihren Ferien wie Sonne, Sand und Meer. Doch besonders in den südlichen Ländern haben viele Menschen ein schwächer ausgeprägtes Bewusstsein für den Tierschutz als in Deutschland. Ist Mitleid ein guter Berater? Bianca Fritz sprach mit Steffen Beuys vom Deutschen Tierschutzbund.
BZ: Wenn im Urlaub ein abgemagertes Kätzchen unterm Restauranttisch bettelt – darf ich ihm von meinem Essen geben?Beuys: Die Not eines Tieres zu sehen ist immer schlimm. Ist das Tier in normaler Kondition, dann hat es andere Futterquellen – man sollte es nicht füttern. Bei abgemagerten Tieren ist es ein schwieriges ethisches Problem: Es kann nicht der richtige Weg sein, das Tier ein bis zwei Wochen im Urlaub zu füttern, es an sich zu binden, um es dann anschließend wieder seinem Schicksal zu überlassen. Wenn das Tier abgemagert aussieht, gehen Sie lieber mit ihm zu einem Tierarzt und informieren Sie den Tierschutzverein vor Ort.Vielleicht ist das Tier ja krank.
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Beuys: Das müssen Sie sich mindestens genauso reichlich überlegen, wie eine Haustieranschaffung zu Hause. Ist die ganze Familie einverstanden? Kann ich mir Futter- und Tierarztkosten leisten? Hat niemand in der Familie eine Tierhaarallergie? Habe ich genug Zeit und die Unterbringungsmöglichkeiten für eine artgerechte Haltung? Wer kümmert sich im nächsten Urlaub um das Tier? Wichtig ist, dass Sie sich nicht einfach aus einer Urlaubslaune heraus für ein Tier entscheiden. Wenn diese Fragen beantwortet sind, müssen Sie mit dem Tier noch am Urlaubsort zum Tierarzt gehen und sich nach den medizinischen Notwendigkeiten und den Einreisebestimmungen erkundigen. Sonst sitzt das neue Tier vielleicht bei der Einreise nach Deutschland in Quarantäne. Und das ist für kein Tier gut. Aber selbst wenn all das beachtet wird, ist es kritisch, ein Tier mit nach Deutschland zu nehmen. Auch in den Tierheimen in Deutschland warten viele Tiere auf eine zweite Chance. Und auch wenn Sie dem einen Tier helfen, wird die generelle Situation im Urlaubsort dadurch nicht besser.
BZ: Was schlagen Sie vor?
Beuys: Sprechen Sie mit den Tierschutzvereinen vor Ort. Selbst in Ländern, in denen Tiere in der Bevölkerung einen geringeren Stellenwert haben, als bei uns, stoßen Sie bei Tierfreunden auf offene Ohren. Mit einer Kastration kann beispielsweise die Population von streunenden Hunden und Katzen langfristig eingedämmt werden. Das ist eine nachhaltige Lösung für viele Tiere. Kaufen Sie auch nie Welpen vom Tiermarkt. Denn der Welpe auf dem Markt wird durch einen neuen ersetzt. Skrupellose Tierhändler leben vom Mitleid der Touristen und machen daraus ein großes Geschäft. Mit ihrem Mitgefühl unterstützen Sie den Handel. Schießen Sie lieber Bilder der Tiere und ihrer Gehege und geben Sie diese bei den Behörden, der Polizei und Tierschutzvereinen ab, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Je häufiger Behörden und Tourismusverbände Beschwerden erhalten, desto weniger können sie sich dem Thema Tierschutz verschließen.
BZ: Die um den Hals gelegte Python, und der Koala auf dem Arm, das sind schöne Erinnerungsfotos. Aber lässt sich das auch mit dem Tierschutz vereinbaren?
Beuys: Grundsätzlich raten wir Urlaubern kein Geld für Tierparks oder Ähnliches auszugeben – insbesondere, wenn dort Tiere zur Belustigung des Publikums benutzt werden. Lassen Sie sich auch nicht mit Tierbabys fotografieren, denn dieses Geschäft mit den wehrlosen Jungtieren ist eine Tierquälerei. Streicheln und Hochheben ist sehr wenigen Tieren arteigen, besonders nicht den Exoten. Wenn Sie unsicher sind, ob akzeptabel mit den Tieren umgegangen wird, fragen Sie die Tierschutzbehörden vor Ort.
BZ: Kann ich wenigstens auf Kamelen in die Wüste reiten?
Beuys: Hier ist das sensible Gespür eines jeden Tierfreundes gefragt. Sehen Sie sich doch einfach bei der Anmeldung die Unterbringung der Tiere an, und sprechen Sie mit dem Halter. Wie ist der allgemeine Zustand der Tiere? Wie lange Strecken müssen die Tiere zurücklegen? Wie werden sie behandelt?
Autor: Bianca Fritz
