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09. Mai 2014

Deutscher Familienverband

Lobbyist im Dienste der Familien und Kinder

Der Deutsche Familienverband hat wichtige Verbesserungen durchgesetzt und konkrete Hilfe organisiert / Landesorganisation feiert ihr 60-jähriges Bestehen.

  1. Uto R. Bonde Foto: DFV

FREIBURG. Mit "familienfreundlich" kann man Uto R. Bonde nicht kommen. "Es geht ja nicht um Almosen für Familien", spricht der Landesvorsitzende aus, was seinen Verband seit 60 Jahren umtreibt. Seit 1954 setzt sich der Deutsche Familienverband (DFV) im Land (im Bund seit 90 Jahren) für "familiengerechte" Lebensverhältnisse ein, was am Wochenende im Europa-Park gefeiert werden soll.

Notfalls wurde die Gerechtigkeit mithilfe des Bundesverfassungsgerichts erstritten: Rosa Rees aus Hofsgrund hat mit dem sogenannten "Trümmerfrauenurteil" von 1992 nach Auffassung des DFV "Rechtsgeschichte geschrieben". 265 Mark Rente waren der 1920 geborenen Bäuerin am Ende für ihre Lebensleistung geblieben, während die neun Kinder, die sie großgezogen hatte, als Spitzenverdiener mehr als 8000 Mark in die Rentenkasse einzahlten. Weil sie sich für einen Musterprozess zur Verfügung gestellt hatte, stellt der Landesvorsitzende zum Gedenken an die "mutige Mitstreiterin" bis heute regelmäßig einen Blumenstrauß auf ihr Grab. Immerhin hatte sie bewirkt, dass das oberste deutsche Gericht dem Gesetzgeber auftrug, die Benachteiligung der Familien im Steuer- und Sozialversicherungsrecht schrittweise abzubauen. "Angezettelt" hat die Initiative die damalige Kreisvorsitzende des DFV und Landesvorsitzende von 1994 bis 1996, Ingrid Baas. "Es war ein Schritt in die richtige Richtung", sagt die über 80-Jährige. Am Ziel sieht sie den Verband bis heute nicht.

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Es war auch die praktische Solidarität vor Ort, die den Familien Erleichterung bringen sollte. Matratzen hat Ingrid Baas gesammelt, wenn wieder ein Baby unterwegs war, Hausbesuche gemacht, Ferienfreizeiten für Daheimgebliebene organisiert. Als Stadträtin der Freien Wähler hat sie 21 Jahre die Situation der Familien im Blick gehabt und beispielsweise für einen Familienpass gekämpft. Eine häufige Konstellation: Viele DFV-Mitglieder engagieren sich gleichzeitig in den kommunalen Gremien und verschaffen den Interessen der Familien Gehör.

Heidi Reinbold beispielsweise, 61-jährige Großmutter, die dem rührigen Regionalverband Freiamt mit 80 Mitgliedsfamilien vorsitzt, war auch Mitglied im Gemeinderat und betont die guten Kontakte des Verbandes zur Kommune. Die kann froh sein über die Entlastung durch das ehrenamtliche Engagement von DFV-Mitgliedern: Mit ihren Ferienfreizeiten oder Hüttenwochenenden decken sie für Eltern Betreuungslücken in Kitas und Schulen ab und werden im Gegenzug gehört, wenn ein Radweg nicht kindgerecht geplant ist. Berühmt ist Freiamt für den großen DFV-Kindersachenflohmarkt.

Nachwuchssorgen hat der Verband auf allen Ebenen, selbst in ländlichen Regionen wie Freiamt: "Die jungen Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, haben wenig Spielraum für ehrenamtliches Engagement", zeigt Heidi Reinbold Verständnis. "Es geht den Familien auch nicht mehr so schlecht."

Als "Bund der Kinderreichen" hatte sich der Landesverband (auch der Bundesverband verstand sich ursprünglich als "Bürgerinitiative" für kinderreiche Familien) vor 60 Jahren gegründet. Sie sind heute, da es kaum noch Familien mit mehr als zwei Kindern gibt, aus dem Namen getilgt. "Abkindern" war seinerzeit in Berlin noch ein gängiger Begriff: Wer genug Kinder hatte, brauchte Familiendarlehen für das Eigenheim nicht mehr zurückzuzahlen. Bezahlbarer Wohnraum für Familien steht auf der DFV-Agenda bis heute ganz oben neben der Steuergerechtigkeit, Bildungs- und Medienpolitik oder dem Verbraucherschutz.

Einen Alleinvertretungsanspruch für Familien kann er für sich nicht in Anspruch nehmen: 1981 rief Landessozialministerin Annemarie Griesinger den Landesfamilienrat ins Leben. Dem Gremium gehören neben dem DFV 20 weitere Wohlfahrts- und kirchliche Verbände für Familien an. "Nur im Zusammenschluss haben sie genügend Durchschlagskraft, um ihre Positionen zu Gehör zu bringen", sagt der in den Vorstand des Landesfamilienrats berufene Soziologe Berthold Dietz von der Evangelischen Hochschule Freiburg.

Es sei wichtig, dass in der Vielfalt von Familie heute durch den DFV auch deren klassische Ausprägung noch vertreten ist. Neuerdings gehören auch die Regenbogenfamilien (von Schwulen und Lesben) dazu. "Auch wenn das nicht unserer Vorstellung von Familie entspricht", sagt Uto R. Bonde: "Wir akzeptieren, aber propagieren das nicht."

LANDESFAMILIENTAG

Der Landesverband des DFV hat 500 Mitgliedsfamilien. Er untergliedert sich in fünf Regionalverbände. Die offizielle Geburtstagsfeier beginnt heute, Freitag, um 19 Uhr im Europa-Park Rust mit einem Sektempfang und Gesprächsrunden. Landesfamilientag ist am Samstag, 10. Mai, ab 9.30 Uhr für angemeldete Teilnehmer. (Details: http://www.dfv-baden-wuerttemberg.de  

Autor: arü

Autor: Anita Rüffer