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08. Februar 2012

Merkel als Pressesprecher von Sarkozy?

Pariser Presse zum Wahlkampf.

PARIS. Aus Sicht der Meinungsforscher ist Frankreichs Staatschef Sarkozy im Präsidentschaftsrennen fast schon hoffnungslos ins Hintertreffen geraten. Laut einer am Dienstag im Boulevardblatt Le Parisien veröffentlichten Umfrage darf der sozialistische Herausforderer, François Hollande, im ersten Wahlgang mit 34 Prozent und im zweiten mit 58 Prozent rechnen. Der Amtsinhaber liegt mit 26 beziehungsweise 42 Prozent deutlich dahinter. Aber es gibt noch jemanden, der auf Sarkozy und Sieg setzt: die Kanzlerin. Beim deutsch-französischen Ministerrat hat sich Angela Merkel als Wahlkampfhelferin profiliert. Frankreichs Medien zeigen sich beeindruckt. Der Parisien greift eine Frankreichs Sozialisten umtreibende Frage auf: "Sind Merkels Berater denn nicht auf dem Laufenden, wie es um das Meinungsbild in Frankreich steht, lesen sie keine Umfragen?" Eigentlich müsste die Kanzlerin doch auf den Favoriten setzen, auf Hollande, suggeriert das Blatt.

Bei aller Kritik erhebt sich auch Beifall

Nicht minder verwundert zeigt sich die politisch links stehende Tageszeitung Libération. Erstaunt registriert sie zunächst, dass "Angela Merkel die Kandidatur Nicolas Sarkozys offiziell verkündet hat", die der Präsident selbst erst später bekannt geben wollte. "Er hat mich unterstützt, da ist es doch ganz natürlich, dass ich ihn im Wahlkampf unterstütze", zitiert das Blatt die Kanzlerin. Es folgt der Hinweis, dass Sarkozys Strategie, "Merkel als Pressesprecher" zu verpflichten, Risiken berge. Nicht auszuschließen sei, dass die Hilfe der Deutschen die wirtschaftliche Unterlegenheit Frankreichs stärker hervortreten lasse und den Eindruck erwecke, Sarkozys Kampagne stehe unter germanischem Einfluss.

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Bei aller Kritik: Beifall erhebt sich auch – von der Wirtschaftszeitung Les Echos. Aus Sorge, die öffentliche Meinung könne Sarkozys steter Verweise auf das vorbildlich wirtschaftende Nachbarland und das gute Einvernehmen mit der Kanzlerin überdrüssig werden, erinnert das Blatt an die Verdienste "Merkozys": Ohne beide gäbe es den Euro heute wahrscheinlich nicht mehr. Dass die Kanzlerin den Mann links liegen lässt, der Sarkozy ersetzen dürfte, hält das Blatt für verzeihlich. "Natürlich wird Merkel auch mit Hollande zusammenarbeiten", prophezeit es, "vielleicht sogar gut."

Autor: Axel Veiel