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08. Februar 2012

Meuterei im Urlaubsparadies

Nach wochenlangen Unruhen auf den Malediven tritt der erste demokratisch gewählte Präsident der Inselkette zurück.

NEU DELHI. Im Anflug auf die Malediven können Urlauber das Paradies bereits erahnen: Inseln sprenkeln das blaue Meer. Unter der Wasseroberfläche zeichnen sich spektakuläre Korallenriffe ab. Palmen säumen die weißen Sandstrände. Unmittelbar nach der Landung auf der Flughafeninsel bringen Wasserflugzeuge und Schnellboote die Touristen in ihre Resorts, die isoliert auf eigenen Eilanden liegen. Keinen Fuß setzen die meisten Urlauber auf die Insel mit der Hauptstadt Male, die vor hässlichen Hochhäusern strotzt – und wo wütende Anhänger der Opposition nun den Präsidenten zum Rücktritt zwangen.

Dabei war Präsident Mohamed Nasheed ein Hoffnungsträger. Als erster frei gewählter Staats- und Regierungschef des kleinen muslimischen Landes löste er im Herbst 2008 Maumoon Abdul Gayoom ab. Gayoom war zu dem Zeitpunkt der am längsten amtierende Machthaber Asiens. Unter seinem Regime war Nasheed als Oppositionspolitiker inhaftiert und gefoltert worden. 30 Jahre lang hatte Gayoom die Inselkette mit eiserner Hand regiert. Mit eiserner Hand gegen den politischen Gegner vorgehen – genau das wollte Nasheed nicht.

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"Ich will nicht durch Gewalt an der Macht bleiben", sagte Nasheed in seiner Ansprache an das Volk. Die Amtsgeschäfte übernahm Nasheeds Stellvertreter, Mohammed Waheed Hassan, der auch Unterstützung in Gayooms Partei (PPM) genießt. Der Opposition ging es nach Ansicht von Beobachtern weniger um einen Sturz der Regierung: Ihr war vor allem der charismatische Nasheed ein Dorn im Auge, der Gayoom aus dem Amt gejagt hatte und als "Ikone des Wechsels" gefeiert worden war. Große Änderungen werden unter Waheed nicht erwartet, erst recht keine Islamisierung des Urlaubslandes. Der neue Staats- und Regierungschef hat lange für die Vereinten Nationen gearbeitet. Er gilt als westlich geprägt.

Nasheeds Gegner mobilisierten schon seit langem. Islamistische Parteien sind zwar nicht im Parlament vertreten. Die Opposition schlug im Streit mit dem Regierungschef auf einmal aber islamistische Töne an. Ihre populistische Kritik an Massagen in Ferienresorts führte zum Jahreswechsel zu einer drastischen Reaktion Nasheeds: Er ließ die Wellness-Angebote verbieten – mit potenziell schwerwiegenden Folgen für den Tourismus, der wichtigsten Einnahmequelle des Landes. Das ging der Opposition dann doch zu weit, sie schrie auf: Schließlich gehören führenden Oppositionspolitikern ebenfalls Hotels, Gayoom hatte den Tourismus überhaupt erst auf die Malediven gebracht. Das Wellness-Verbot, das für internationale Negativschlagzeilen sorgte, wurde nach wenigen Tagen wieder beerdigt. Doch zuletzt nahmen die Proteste zu. Am Dienstag schließlich meuterten Polizisten, die abtrünnigen Sicherheitskräfte liefen zu den Demonstranten über. Das Militär setzte Tränengas ein. Es kam zum Showdown – und Nasheed gab auf.

Reiseveranstalter strichen am Dienstag Ausflüge nach Male, auch das Auswärtige Amt riet von Besuchen der Hauptinsel ab. Ansonsten dürften die Urlauber, darunter 5000 Deutsche, auf ihren abgelegenen Ferieninseln von dem Drama nur wenig mitbekommen haben. Das Tourismusministerium versicherte, dass die Krise "keinerlei Auswirkung auf Touristen haben werde".

Autor: Can Merey (dpa)