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17. Juli 2012
Syrien
Rebellenoffensive vor Damaskus
Assad-Armee schlägt zurück / Russland bestreitet Unterstützung.
LIMASSOL/MOSKAU/DAMASKUS. In der Nacht zum Montag ist es in den südlichen Vororten der syrischen Hauptstadt Damaskus zu den heftigsten Kämpfen seit dem Beginn des Aufstandes gegen das Assad-Regime vor 17 Monaten gekommen.
Wie Einwohner der syrischen Hauptstadt berichteten, hatten die Rebellen ihre Offensivaktionen bereits am Donnerstag mit Flugblättern angekündigt und die Bevölkerung um Unterstützung gebeten. Hilfe erhielten sie vor allem in den südlichen Armenvierteln Midan und Tadhamon, wo lokale Milizen mit brennenden Autoreifen Straßen sperrten und anschließend Barrikaden errichteten. Auch die Autobahn zum Flughafen von Damaskus wurde offenbar für kurze Zeit blockiert.Die syrische Armee reagierte auf die Rebellenoffensive mit dem Einsatz von Granatwerfern und rückte anschließend mit gepanzerten Truppentransportern in die nur fünf Kilometer von Zentrum entfernten Aufstandsgebiete vor, die sich bald darauf in regelrechte Schlachtfelder verwandelten. Rebellensprecher kündigten an, ihre Offensivaktionen während des am Freitag beginnenden Ramadans noch zu intensivieren. Optimisten erwarten, dass das Regime den islamischen Fastenmonat nicht überleben wird.
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Ob die Schlagkraft der Rebellen dafür ausreicht, muss bezweifelt werden. Gewährsleute in Damaskus beschreiben die Einwohner der syrischen Hauptstadt als müde. Ihre Energie konzentrierten sie auf das Überleben unter äußerst widrigen Bedingungen. Die Wartezeiten für einen Zylinder Kochgas zu subventionierten Preisen (circa acht Euro) betrügen inzwischen 35 Tage. Auf dem Schwarzmarkt werde das Vierfache verlangt. Für eine Tankfüllung müsse stundenlang gewartet werden. Gleiches gelte für subventionierte Grundnahrungsmittel. Viele Einwohner wollten zwar einen Machtwechsel, rechneten aber nicht damit, dass es die Rebellen besser machen werden. Die schweigende Mehrheit hoffe weiterhin auf eine politische Lösung, für die sich der Westen und Russland zwar einsetzen, dabei aber unterschiedliche politische Ziele verfolgen. Während der Westen eine Übergangsregierung in Damaskus ohne Assad anstrebt und die Rebellen unterstützt, wirkt Moskau weiterhin auf einen Erhalt des Regimes hin.
Der russische Außenminister ging am Montag sogar so weit, dem Westen Erpressung vorzuwerfen. Die USA und Europa, behauptete Sergej Lawrow in Moskau, hätten gedroht, eine Verlängerung des am Freitag ablaufenden Mandats für die UN-Beobachter zu verweigern, falls Russland eine UN-Resolution mit der Androhung weiterer Sanktionen nicht unterstützen sollte. Dies sei eine "gefährliche Vorgehensweise", mit der einige Länder einen Bürgerkrieg in Syrien provozierten, sagte Lawrow vor dem Treffen mit dem UN-Sondervermittler Kofi Annan.
Noch bevor sich die Diplomaten über die Aussichten für eine Regelung des Konfliktes austauschten, hatte Lawrow russische Journalisten und in Moskau akkreditierte ausländische Korrespondenten zu einer Pressekonferenz geladen, um nach eigenen Worten die Öffentlichkeit "maximal und umfassend" über die Position Moskaus zu informieren. Russland, so Lawrow, unterstütze Assad nicht, sei neutral und werde "jede Entscheidung des syrischen Volkes dazu akzeptieren, wer in Syrien regieren soll, wenn diese Entscheidung von den Syrern selbst ausgeht". Er verwehrte sich gegen Versuche, Russland und China die Hauptschuld für das andauernde Blutvergießen in Syrien anzulasten. Der Westen ignoriere, dass auch die Rebellen sehr gut bewaffnet seien. Leider sei es nicht gelungen, die Opposition bei den Konsultationen vergangene Woche zum Gewaltverzicht zu bewegen.
Autor: Michael Wrase und Elke Windisch



