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16. Juli 2008

Sie ist reich, kaum bekannt, kunstsinnig und knallhart

im Profil: Maria-Elisabeth Schaeffler zieht die Strippen ihres Familienunternehmens und bleibt dabei am liebsten im Hintergrund

  1. Maria-Elisabeth Schaeffler Foto: dpa

Maria-Elisabeth Schaeffler kennen die wenigsten. Aus dem Hintergrund führt sie ein fränkisches Familienunternehmen, das jetzt nach dem Großkonzern Continental greift. Sie ist nicht nur eine der mächtigsten und reichsten, sondern zugleich eine der verschwiegensten und am wenigsten bekannten Geschäftsfrauen Deutschlands.

Alle paar Jahre aber tritt Maria-Elisabeth Schaeffler mit einem Paukenschlag ins Rampenlicht. Heute ist das so, weil die von ihr als Familienunternehmen geführte Schaeffler-Gruppe im fränkischen Herzogenaurach nach dem großen Automobilzulieferer Continental aus Hannover greift. Vor sieben Jahren schluckte die im Ruf einer listigen Witwe stehende 66-jährige Konzernherrin das damals börsennotierte FAG-Unternehmen. Es war eine feindliche Übernahme, wie sie jetzt auch bei Continental geplant ist.

An die Spitze der Schaeffler-Gruppe brachte die konservativ-katholisch erzogene Frau aus gutem Haus ein Schicksalsschlag. Als ihr Mann und Firmengründer Georg Schaeffler 1996 starb, übernahm die Witwe das Unternehmen, was in der Männerwelt eines Industriebetriebs, der Produkte wie Wälz- und Kugellager fertigt, keine Selbstverständlichkeit war. Kennengelernt hatte die gebürtige Pragerin, die vom dritten Lebensjahr an als Kriegsflüchtling in Wien aufwuchs, ihren Ehemann als Studentin. Sie wollte Ärztin werden, brach aber dann ihr Studium ab, heiratete und zog mit 22 Jahren von Wien in die Provinz. In Sichtweite der Zentrale wohnt die Frau, deren Urgroßvater den Autokonzern Skoda mitbegründet hat, noch heute. Auf dem Sterbebett soll der Ehemann sie aufgefordert haben, die Firma in die Zukunft zu führen.

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Zunächst haben dies der kunstsinnigen Frau die wenigsten zugetraut, zumal Sohn Georg Schaeffler junior im fernen Dallas als Anwalt wohnt und ihr keine direkte Hilfe sein konnte. Doch es kam anders. Die als Opernliebhaberin geltende Frau fand sich überraschend schnell in der Männerwelt zurecht. Sie holte sich mit dem Schwaben Jürgen Geißinger im Jahr 1998 einen erfahrenen Manager, der für sie das Tagesgeschäft übernahm.

Charakterlich sind beide sehr verschieden. Die elegante Dame auf der einen, der raubeinige Manager auf der anderen Seite. Aber die Gegensätze harmonieren. "Ich lasse dem Management seine Freiheiten, aber ich will über alles informiert sein", beschreibt sie das Verhältnis.

Abseits der öffentlichen Wahrnehmung wächst die Schaeffler-Gruppe zu einem der größten deutschen Familienkonzerne mit knapp neun Milliarden Euro Umsatz und rund 66 000 Beschäftigten. Als Drahtzieherin im Hintergrund gilt die öffentlichkeitsscheue Witwe mit dem Wiener Tonfall. "Sie arbeitet für das Unternehmen mit Herzblut", erkennt Betriebsratschef Norbert Lenhard an. Als ein Mitarbeiter einmal an Leukämie erkrankt, übernimmt sie die Kosten für eine Suche nach Knochenmarkspendern. Das bringt der charmanten Frau vor Ort zusätzlichen Respekt ein.

"Wir haben als Familienunternehmen eine besondere Verantwortung, auch gegenüber unseren Mitarbeitern", sagt sie. Bisweilen wird dieses Verhältnis aber auf eine harte Probe gestellt. Ihre rechte Hand Geißinger ist unter Gewerkschaftern als verbohrter Klassenkämpfer verrufen. Die immer elegant gekleidete Firmenchefin dagegen nimmt man in Herzogenaurach von jeder Kritik aus. Der frühere Siemens-Boss Heinrich von Pierer bescheinigte ihr einmal eine "sehr überzeugende und gewinnende Art". Sie selbst sieht sich als emotional.

Sie liebt die Oper, und ihre Hunde

heißen folgerichtig Fidelio und Tosca

In Hannover bei Continental dagegen ist sie wegen der Übernahmegelüste zum roten Tuch geworden. Sie wird dort dafür verantwortlich gemacht, was im Schaeffler- Reich in den vergangenen Jahren geschehen ist. "Maria-Elisabeth Schaeffler hat in der Vergangenheit Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsinteressen mit Füßen getreten", wettert Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine und bereitet der reichen Witwe alles andere als einen herzlichen Empfang. Abschrecken lassen wird sich die bekennende Hundenärrin, die ihre Vierbeiner Fidelio und Tosca genannt hat, davon voraussichtlich nicht. Auch an Geld fehlt es nicht. Das Familienvermögen der Schaefflers wird auf über fünf Milliarden Euro geschätzt.

Autor: Thomas Magenheim-Hörmann