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15. Januar 2011 00:00 Uhr

Italien

Text & Video: Neue Vorwürfe gegen Berlusconi

So schnell kann’s gehen: Einen Tag, nachdem das italienische Verfassungsgericht eine Immunität für den Regierungschef abgelehnt hat, sieht sich Silvio Berlusconi mit neuen Ermittlungen konfrontiert.

Die Staatsanwaltschaft Mailand verdächtigt den 74-Jährigen der Prostitution Minderjähriger und der fortgesetzten, erschwerten Vorteilsannahme im Amt.

Alles dreht sich um Ruby, die junge, kurvenreiche Marokkanerin, die im Mai vergangenen Jahres wegen Diebstahlverdachts in Mailand festgenommen worden war. Um Mitternacht dann hatte "das Amt des Regierungschefs" zweimal im Polizeipräsidium angerufen. Unter der falschen Behauptung, Ruby sei die Nichte des ägyptischen Staatschefs Mubarak, drang Berlusconi auf die Freilassung der damals 17-Jährigen. Er sei eben ein Mann mit Herz, begründete er dies später.

Ruby indes, die als aufstrebende Edelprostituierte damals schon einen gewissen Ruf hatte, geriet in die Medien und erzählte von wilden Partynächten in der Mailänder Villa Berlusconis, von nackten jungen Frauen und von neckischen "Bunga-Bunga"-Spielen. Dass sie selbst mit Berlusconi ins Bett gegangen sei, das bestritt sie; Berlusconi bezeichnete alle Berichte und Gerüchte als reinen Müll.

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Die Staatsanwaltschaft hat Berlusconi nun zum Verhör geladen. Sie will wissen, was in den sechs Frühlingsnächten mit Ruby passiert ist. Außerdem verdächtigt sie den Model-Manager Lele Mora, den Chef von Berlusconis TV-Sender "Rete 4" Emilio Fede, sowie eine Regionalabgeordnete von Berlusconis Party, Nicole Minetti, der Begünstigung der Prostitution. Minetti war nach Berlusconis nächtlichem Anruf ins Polizeipräsidium gekommen und hatte Ruby mitgenommen – obwohl diese auf Gerichtsbeschluss in einem Heim für Minderjährige wohnen sollte.

Berlusconis Anwälte bezeichneten die neuen Ermittlungen am Freitag als absurd sowie als "äußerst schwerwiegende und geschichtlich beispiellose Einmischung ins Privatleben des Regierungschefs". Ruby selbst sagte gegenüber der Online-Ausgabe der Zeitung La Repubblica, die Feste bei Berlusconi seien "reine Abendessen mit Gesang und Silvios bekannten Witzchen" gewesen, über die man sich mal mehr, mal weniger amüsiert habe. Sie selbst führe heute ein ziemlich normales Leben als Diskotänzerin.

Autor: Paul Kreiner