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09. Februar 2012 00:03 Uhr

Republikaner

Vorwahlen in den USA: Außenseiter Santorum holt auf

Wieder gab es eine Überraschung bei den Vorwahlen der US-Republikaner: Diesmal ärgerte der Ex-Senator Rick Santorum mit seinem Sieg in drei Bundesstaaten den Favoriten Mitt Romney.

  1. Rick Santorum und sein bisheriges Markenzeichen, der Pullunder. Foto: AFP

WASHINGTON. Den Erfolg verdankt Santorum dem konservativen Flügel. Die Partei will sich offenbar noch nicht auf einen Herausforderer von Präsident Barack Obama festlegen.

Der Republikaner Rick Santorum hat sein Markenzeichen abgelegt, den Pullunder. Als er am Dienstagabend (Ortszeit) in Missouri vor seine jubelnden Anhänger tritt, trägt er einen staatsmännischen Anzug. "Ich stehe hier nicht mit dem Anspruch, die konservative Alternative zu Mitt Romney zu sein", ruft er in den überfüllten Saal. "Ich stehe hier", sagt er ins Blitzlichtgewitter, "als konservative Alternative zu Barack Obama." Auch das war bisher anders.

Vieles ist ungewohnt an diesem Abend, an dem der 53-Jährige nicht eine, sondern gleich drei Vorwahlen gewonnen hat in Minnesota, Colorado und Missouri. Mit dem knappen Sieg in Iowa Anfang Januar lag er in so vielen Staaten vorn wie seine schärfsten Konkurrenten zusammen. Mitt Romney hat drei Vorwahlen für sich entschieden, Newt Gingrich nur eine. So sehen es zumindest Evangelikale und Tea-Party-Anhänger, die der Sozialkonservative Santorum mit seiner Betonung traditioneller Werte, unermüdlicher Überzeugungsarbeit vor Ort und mehreren guten TV-Debatten für sich eingenommen hat.

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Der ehemalige Senator für Pennsylvania weiß selbst, dass die kleinen Staaten, in denen er sich durchgesetzt hat, ihn nicht zum Favoriten über Romney machen. Aber hinter Gingrich, den bisherigen Zweiten, will er nicht mehr zurücktreten. Der Abend hat auch das bestätigt: Ein affärengeplagter Schwerenöter mit politisch wechselhafter Vergangenheit wie Gingrich kann nicht für den christlich-konservativen Neubeginn werben. Konservativ, das ist im gegebenen Kandidatenfeld für Santorum nur einer: er selbst. Vermutlich hat er sogar recht. In Grundsatzfragen kennt der tief religiöse Familienvater, studierte Volkswirt und Rechtsanwalt keinen Mittelweg: Ginge es nach ihm, wären Abtreibungen auch bei Vergewaltigungen und Inzest verboten. Homosexualität lehnt Santorum strikt ab.

Auf Anerkennung musste er lange warten. Weil ihm der Sieg in Iowa erst nachträglich zuerkannt wurde, entging ihm eine Menge Aufmerksamkeit, die seiner Kampagne dringend benötigte Sponsoren hätte einbringen können. Als sich Romney und Gingrich immer weiter absetzten, erklärten viele Santorums Kandidatur für tot. Gingrich forderte ihn gar zur Aufgabe auf, um gemeinsam Romney zu verhindern. Und nun das: 55 Prozent in Missouri. 45 Prozent in Minnesota. Und 40 Prozent in Colorado.

Der Sieg in Missouri war erwartet worden. Erstens stand Gingrich gar nicht auf dem Stimmzettel. Und zweitens hat auch Romney sich um den Staat kaum bemüht. Die Vorwahl war ein reiner Schönheitswettbewerb: Die eigentlichen Delegierten werden in Missouri erst bei Parteiversammlungen am 17. März vergeben. Der Verlust Minnesotas schmerzt das Romney-Lager schon eher. Die Ergebnisse des Caucus verpflichten die dortigen Delegierten zwar ebenfalls nicht direkt. Es wird aber erwartet, dass sie sich ehrenhalber gebunden fühlen. In Minnesota hatte Romney bei seiner ersten Präsidentschaftsbewerbung 2008 gewonnen, nun liegt er sogar hinter Ron Paul auf dem dritten Platz.

Der eigentliche Triumph über den gemäßigten Ex-Gouverneur von Massachusetts gelang den Konservativen aber in Colorado: Hier hatte Romney 2008 rund 60 Prozent der Stimmen geholt und stürzte nun auf 35 Prozent. Auch in Colorado werden die Delegierten für die Nominierungsversammlung im September erst später gewählt; sie sind an das Ergebnis der Vorwahl nicht gebunden. Rein rechnerisch nützt sein Triumph Santorum deshalb wenig. Finanziell allerdings sehr wohl: Für viele Unzufriedene, die dem alerten Romney misstrauen, hat Santorum sich vom gradlinigen, aber hoffnungslosen Konservativen zu einem Kandidaten gemausert, der dem Favoriten des Establishments tatsächlich Paroli bieten kann.

Autor: Jens Schmitz