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01. Februar 2016 00:00 Uhr

USA

Vorwahlen starten: Iowa setzt eine Marke

Im November wird der nächste US-Präsident gewählt. Wer als Kandidat antritt, das entscheidet sich in den Vorwahlen. Die erste findet am Montag im Bundesstaat Iowa statt.

  1. Präsidentenbruder Jeb Bush galt mal als Favorit bei den Republikanern Foto: AFP

Die meisten Prophezeiungen der Politikbeobachter lagen bislang daneben: Donald Trumps Kampagne läuft entgegen den Vermutungen wie am Schnürchen, Hillary Clinton wirkt nicht unbesiegbar und Jeb Bush läuft unter "ferner liefen". Nun richten sich die Augen auf einen dünn besiedelten Staat im Mittleren Westen der USA: Am heutigen 1. Februar haben dort erstmals echte Wähler das Sagen, wen sie als Präsidentschaftskandidaten sehen wollen.

Gute Platzierungen in Iowa sind Voraussetzung für einen späteren Sieg

Die Bevölkerungsstruktur des Bundesstaates ist wenig repräsentativ. Doch Iowas drei Millionen Einwohner können als traditionell erste bei den Vorwahlen einem Kandidaten, der dort gewinnt, entscheidenden Schub für seine Kampagne geben – Spender pflegen sich auf Siegertypen zu konzentrieren, die Medien und Wähler auch. Gute Platzierungen in Iowa sowie in den folgenden Staaten New Hampshire und South Carolina gelten in beiden Parteien als Voraussetzung für einen späteren Sieg. Wer dagegen zweimal schlecht abschneidet, ist schon fast ausgeschieden.

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Manche Kritiker würden zwar lieber landesweit gleichzeitig wählen. Viele Menschen erleben den Status Quo aber als urdemokratisch: Kleine Staaten wie Iowa und New Hampshire sind auch mit wenig Geld gut zu bereisen, das lässt Kandidaten mit schmaler Kasse die Chance, sich nach und nach einen Namen zu machen. Von Anfang an Wahlkampf in 50 Bundesstaaten gleichzeitig führen könnten nur wenige, sehr bekannte Bewerber.

Iowas konservative Bewohner zwingen Kandidaten zu einem Rechtsruck

Der Preis dafür ist eine Verzerrung: Der Mais- und Schweinestaat Iowa ist nicht nur dafür bekannt, Wahlkämpfern Zusagen für Agrarsubventionen zu entlocken. Seine zu mehr als 90 Prozent weißen Bewohner gelten, so weit sie Republikaner sind, auch als besonders konservativ. Die um sie buhlenden Kandidaten sehen sich daher regelmäßig zu einem Rechtsruck gezwungen. Zwei Themen dominieren dabei besonders: die Religion und die Skepsis gegenüber der Obrigkeit. Viele Einwohner gehören evangelikalen Freikirchen an.

Die schrillen Töne der Kandidaten pflegen sich zu mäßigen, wenn der Wahlkampf Bundesstaaten mit anderer Demographie erreicht. Bislang war das auch die Phase, in der altgediente Honoratioren sich für ihre Favoriten aussprachen. In Zeiten, in denen viele in den USA von etablierten Politikern die Nase voll haben, erweist sich solche Unterstützung aber zunehmend als Bumerang.

Die endgültigen Kandidaten werden von Nominierungsparteitagen im Juli bestimmt. Jeder Bundesstaat entsendet dazu eine seiner Bevölkerungsstärke entsprechende Zahl von Stimmberechtigten. Deren Votum richtet sich nach dem Ausgang der Vorwahlen.

Rufe nach einem Erlöser von außen

Theoretisch kann die Parteispitze einen Bewerber, der nur eine knappe Mehrheit auf sich vereint, mit Hilfe von ungebundenen Stimmberechtigten zu verhindern versuchen. Dabei handelt es sich um Sonderdelegierte wie Kongressmitglieder und Gouverneure. Sollte das bei den Republikanern der Fall sein, hat der in Umfragen vorn liegende Trump schon mit einer unabhängigen Kandidatur gedroht.

Alle, die Angst vor Trump und noch mehr vor dem Texaner Ted Cruz haben, hoffen auf eine dritte Option: Jeder US-Bundesstaat hat eigene Regeln für die Organisation seiner Vorwahlen. Einige sprechen dem Sieger alle Delegierten zu, andere verteilen die Wahlmänner proportional zu den abgegebenen Stimmen. Um die Abstimmung interessant zu halten, setzen die Republikaner seit 2012 verstärkt auf solche Splittungen. Es ist daher schwerer für die Kandidaten geworden, früh einen uneinholbaren Vorsprung herauszuholen. Ein gemäßigter Spätzünder hätte auch dann noch Chancen, wenn das Feld schrumpft und die moderaten Wähler sich konzentrieren. Allerdings muss er bis dahin im Rennen bleiben.

Die regelmäßig, bei beiden Parteien auflebenden Rufe nach einem Erlöser von außen wurzeln ebenfalls in solchen Rechenspielen. Bei den Republikanern wäre es zum Beispiel Mitt Romney, der Kandidat von 2012, bei den Demokraten sehnen viele Vizepräsident Joe Biden herbei, wann immer Hillary Clinton Schwäche zeigt. Vor wenigen Tagen hatte auch New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg mit Gerüchten für Aufregung gesorgt, wonach er erwägt, eventuell noch im März als unabhängiger Kandidat in den Ring zu steigen.

Autor: Jens Schmitz