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29. Juni 2012

Fotos einer Babyleiche sorgen für Entsetzen

Zwangsabtreibung schockiert Chinesen

Beamte zwangen eine Frau, abzutreiben, weil sie ihr zweites Kind erwartete / Öffentlicher Aufschrei wegen Fotos der Babyleiche.

  1. In China gilt die Ein-Kind-Politik. Wer sich widersetzt, riskiert eine Zwangsabtreibung. Foto: dpa

PEKING. Die Jagd zog sich über Tage hin. Ende Mai hatten die Beamten des Bezirks Zhenping in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi erfahren, dass Feng Jianmei im siebten Monat schwanger war. Es war ihr zweites Kind, und nach den Regeln der chinesischen Geburtenpolitik war das verboten. Aus Angst, ein zusätzliches Baby in der Neugeborenenstatistik könnte ihnen Ärger einbringen, griffen die Kader zu drastischen Maßnahmen.

Tagelang fahndeten sie nach der 23-Jährigen, die sich vorsichtshalber nur noch selten zuhause aufhielt. Am 2. Juni fanden die Beamten sie doch und verlangten ein Bußgeld von 5200 Euro, falls sie ihr Kind behalten wolle. Weil die Familie das Geld nicht aufbringen konnte, zerrten die Offiziellen Feng ins Krankenhaus und befahlen einem Arzt, ihr ein wehenförderndes Mittel zu verabreichen. Nach mehreren Stunden wurde das Kind tot geboren.

Grausame Zwangsabtreibungen wie diese dürften sich in China täglich abspielen, obwohl erzwungene Schwangerschafts- abbrüche als Mittel zur Durchsetzung der Geburtenpolitik seit Jahren verboten sind. Staatlich kontrollierte Medien schweigen das dunkle Kapitel in der Regel tot. Doch Fengs Schicksal hat die chinesische Öffentlichkeit erschüttert.

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Den Unterschied machte ein Foto, das Fengs Mann Deng Jiyuan ins Internet stellte. Es zeigt die blutverschmierte kleine Leiche, die im Bett neben seiner Mutter liegt. In Webforen und per Mikroblog verbreitete sich das Bild so schnell, dass Chinas Zensoren die Lawine nicht mehr stoppen konnten. Hunderttausende Internetbenutzer kommentierten den Fall.

Viele sehen ihn als symptomatisch für die Selbstherrlichkeit, mit der viele chinesische Beamte Gesetze ignorieren und sich darauf verlassen können, dass die Kommunistische Partei die Fehler ihrer Kader deckt. Die Verantwortlichen waren sich ihrer Sache offenbar so sicher, dass sie die Bevölkerung gegen Deng aufzuhetzen versuchten. Nachdem dieser mit einem Journalisten des Stern über den Fall gesprochen hatte, ließen die Beamten rote Banner drucken, auf denen dazu aufgerufen wurde, "die Verräter hart zu schlagen" und aus der Stadt zu vertreiben. Mehr als vierzig Männer und Frauen wurden mobilisiert, um mit den Transparenten vor dem Krankenhaus zu demonstrieren, in dem Feng behandelt wird. Am vergangenen Sonntag wurde ihr Mann scheinbar verschleppt.

Erst als es im chinesischen Internet erneute Proteststürme gab, zogen die Behörden am Mittwoch die Notbremse. Zwei Beamte, darunter der Chef der örtlichen Familienplanungskommission, seien entlassen worden, berichtete die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua. Fünf weitere Kader seien bestraft worden. Dass es allerdings einen Prozess geben wird, darf als unwahrscheinlich gelten.

Autor: Bernhard Bartsch


2 Kommentare

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Moritz Rau

Registriert seit: 26.07.2011

Kommentare: 294

29. Juni 2012 - 14:14 Uhr

Anscheinend schockt der Lärm eines einzelnen Tornados weitaus mehr als die dieses bestürzende Thema.

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Elly Brodhag

Registriert seit: 18.11.2010

Kommentare: 325

29. Juni 2012 - 14:28 Uhr

So siehts aus, Herr Rau......und Hauptsache es werden gute Geschäfte mit China gemacht.....und Hauptsache man regt sich über die schlechte Behandlung von Frau Timoschenko auf und will die EM boykottieren....

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