Museum Biedermann Donaueschingen

Alltag gut – alles gut

Antje Lechleiter

Von Antje Lechleiter

Di, 13. August 2013

Ausstellungen Rezensionen

Die Jahresausstellung Künstlerbund Baden-Württemberg im Museum Biedermann Donaueschingen.

Gestern im Museum Biedermann, Donaueschingen: Ich nehme eine kleine Holzskulptur von Thomas Putze, lege sie auf ein Katapult und schleudere sie an die weiße Wand. Sie zerbricht und hinterlässt unschöne Flecken. Ich fühle mich gut. Putze hat es nicht anders gewollt. Die Installation aus 100 Holzfiguren – sowie deren Zerstörung – ist Bestandteil seines Zwiegespräches mit Andreas Welzenbach, dem Schöpfer des Katapults. Zu sehen innerhalb der Ausstellung "Dialog – Trialog # 1: Jahresausstellung Künstlerbund Baden-Württemberg im Museum Biedermann Donaueschingen".

Das Konzept ist denkbar einfach: Für den jetzt gezeigten, ersten Teil der Ausstellungsreihe haben sich 21 Paare gefunden. Ein Mitglied des Künstlerbundes steht jeweils mit einem selbst gewählten Gast im künstlerischen Gedankenaustausch. Ab November, im zweiten Teil der kleinen Serie, wird sich die Tür des Interessenverbandes noch weiter für potentielle Neumitglieder öffnen. Dann wird in den Museumsräumen nahe der Donauquelle unter Einbeziehung eines zweiten Gasts ein Trialog geführt werden.

Das erste Gespräch findet im Foyer über das Thema "Zeit" statt. Die Videoinstallation "AEON" von Christine de la Garenne verbildlicht mit einer ungleichmäßig ablaufenden Sanduhr die Subjektivität des Zeitempfindens. Diesem Memento-Mori-Motiv steht ein riesenhaftes, sichtlich aus der Zeit gefallenes Ölkännchen von Eckart Steinhauser gegenüber.

Wie der weitere Rundgang durch die Ausstellung deutlich macht, mangelt es der zeitgenössischen Kunst nicht an Gesprächsstoff. Irmela Maier und Albrecht Schmidt lenken mit ihren beiden Arbeiten den Blick auf die Finanzkrise und ihren eigentlichen Motor: die Gier. Bruchstücke des Widerstandes und der Zerstörung zeigt Xaver Sedelmeier in seiner Sitzgruppe aus Steinen des 2010 abgerissenen Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Sein Tandempartner, Martin Bruno Schmid, zerstört lieber selbst. Oft schon ist in seinen Ausstellungen kein Stein auf dem anderen geblieben. Im Hause Biedermann hat er sich allerdings auf das Durchbohren eines großformatigen Papiers durch eine Bleistiftspitze beschränkt.

"Mach dein ding und gut is"

Es fällt auf, dass sich eine große Zahl von Beteiligten mit dem Recycling-Gedanken und dem Einsatz von Alltagsgegenständen in der Kunst auseinandersetzt. Nicht nur aus Gips, auch aus Zeitungspapier und Wellpappe besteht Elisabeth Wagners "Mädchen mit Kopftuch". Es blickt auf den Boden, zu Platinos Fotografie eines Wäscheständers von unten. "Kannst du das brauchen?" fragt die Arbeit der Ateliernachbarinnen Anne Römpp und Julia Wenz. "Alltag gut – alles gut" kommen Olga Allenstein und Eva Früh in ihrer Installation, bestehend aus alten Möbeln und Fundstücken (Allenstein) sowie feinen Zeichnungen von Raumsituationen (Früh) überein. Mit Hilfe eines Elektromotors zieht die, zu einer Endlosschleife gelegte Verpackungsfolie von Sigrid Perthen ihre Kreise. Ihr Dialogpartner, Andreas Bressmer, hat hingegen eine große Kugel aus Tesafilm gestaltet. Sie ist mit seinen Fingerabdrücken übersäht und konserviert seine DNA.

Unweit davon liegen zwei Stahlkugeln, mit unzähligen Hammerschlägen von Markus Strieder geformt und jeweils 300 Kilo schwer. Das kreisförmige Bild auf Acrylglas seines Dialogpartners Thomas Deyle stellt dieser extremen Komprimierung von Energie die Leichtigkeit und Kraft von Farbe gegenüber.

Ein Gewirr aus Stimmen dringt im großen Ausstellungsraum ans Ohr des Besuchers. Drei Positionen kämpfen hier vehement um Aufmerksamkeit. In einer wandfüllenden Collage haben sich Beate Baumgärtner und Stefanie Reling zu einem "Spammuseum – Chatbook" zusammengeschlossen. Texte, Zeichnungen und Prints des World Wide Web formen ein Vademecum unserer Kommunikationskultur. "Mach dein ding und gut is" schreit es uns entgegen. Uwe Schäfer und Roland Schön zeigen die Installation "A house is not a home – umgestürztes Haus mit ausgelaufenem Ei". Unter dem Titel "Raumreisen" errichtet Philipp Morlock eine Wand aus alten Türen, hinter der Friedemann Flöthers rosafarbene Tapetenrakete startklar ist.

Stiller wird es erst wieder, als sich Heinz Treiber mit Harald Kröner und Eva Borsdorf mit Margarete Lindau über das Wesen der Zeichnung unterhalten.

–  Bis 3. 11. Die bis So 11 bis 17 Uhr.

Mehr Info:      http://www.museum-biedermann.de