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02. Februar 2012

Der Klang der Erzählung

"Das Haus des Anderen": Die Freiburger Galerie G zeigt Gouachen von Bernd Seegebrecht.

Immer einmal wieder sind seine Bilder hier. In der Galerie G zeigt Gudrun Selz Bernd Seegebrecht im Takt von einigen Jahren. Das letzte Mal, 2009, war der Zeichner Seegebrecht zu sehen. Heute ist es wieder der Maler. Und was für ein Maler! Wir kannten ihn ja. Aber so eine Lust und Leichtigkeit im Umgang mit der Farbe jetzt. Es ist, als wären sich der Maler und sein Medium noch näher gekommen. Seegebrecht lässt die Farben blühen und Lichtwirkung proben. Dabei malt er doch Dinge, die man als dunkel empfindet.

Viele seiner Gouachen sind ein Beitrag zur Gattung des Architektur-Capriccio. Wie extraterrestrische Vehikel thronen oder lagern seine Bauten über der Landschaft. Rätselhafte Riesenschubladen und Apparate, um die sich ebensolche Zusammenhänge spinnen. Natur und Technik in ungeklärter Allianz. Dinge, die wuchern und miteinander verwachsen, die sich verknüpfen und vernetzen. Sich bilden und auflösen in farbigen Schein. In Seegebrechts Bildwelt ist allerorts Leben. Vertraut ist dies nie. Fremde ist überall. Das ist, was erzählt wird. Ein Befremden, das sich in Staunen verwandeln kann, ist der Effekt beim Betrachter. Und eine seltsame Spannung macht diese Erzählung aus, in der der Schrecken dem Zartsinn ein Pendant ist. Und die Unruhe im Lächeln ein Lösungsmittel findet.

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"Das Haus des Anderen" gibt der Ausstellung den Titel, die Blätter vor allem des Jahres 2011 ausbreitet. Dies "Haus des Anderen" steht auf Stelzen, von einem Pflanzenmöbel penetriert. Eine Technik ist da am Werk, die sich verselbständigt, die selbst Leben zeugt. Leitungswürmer, Verknüpfungsmechanismen sehen wir entwickelt. Kabel suchen noch gestikulierend im Luftraum nach fehlenden Anschlüssen. In "Nicht hier – anderswo" bringen Gefäßformen Spinnentiere auf Stängeln hervor. In "Die Ankunft des Schatzes" legt der Maler einen goldgelb gewirkten (Schalt-)Teppich aus, der – was die Schönheit angeht – dem dunkeltonigen Boden im "Haus der Gäste" nahe kommt. Ein Haus mit "eigentümlichem Dach" erinnert an das Landschafts- und Architekturbild einer weit zurückliegenden Zeit, als die Malerei allererst die Augen gegen die sichtbare Welt aufschlug. Dies Dach aber überrascht mit einer Unzahl von bunten Lämpchen oder Kieseln. Die ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, so wie im Bild einer Raubkatze der bläulich gallertartige Ausfluss, der aus den Öffnungen im Fels quillt. An dessen Grau erstaunt, wie viele Farben es einschließt.

Überall ist etwas, das hinsehen lässt. Beschäftigt, befriedigt, beunruhigt und amüsiert. Zum Beispiel die helle haarlose Haut eines Pferdes und die unmögliche Apparatur, die ihm die Luftfahrt ermöglicht. Überall tut sich etwas. Flämmchen schlagen aus Pilzballonflügeln. Sie könnten auch Wimpel sein. Flämmchen züngeln aus dem Boden. Und diese blauen Schrammen: Schmucknarben im roten Stein. Überall sprießt Erzählung. Geht etwas vor, wir wissen nicht was.

Mit "Wachstum in karger Gegend" wird die Erzählung ganz leise. Da lassen die Farben die Dinge noch gänzlich unausgesprochen. Aus einem Haus fließt etwas heraus. Viele Bildfarben schimmern im Strom, am Ende könnte eine Schlange draus werden. Doch das ist schon zu viel behauptet. Man sieht, was man sieht. Man hört, was man hört. Bernd Seegebrecht erzählt so, dass schon der leise Klang etwas ist und man zuhört.

– Galerie G, Reichsgrafenstr. 10, Freiburg. Bis 28. Feb., Di bis Fr 14–19 Uhr, Sa nach Vereinbarung: Tel. 0761/77657.

Autor: Volker Bauermeister