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05. Januar 2012

Ein Gang durch die Vergangenheit

Die Ausstellung "Mönche, Bauern, Rittersleut – 1225 Jahre Weil" im Museum am Lindenplatz in Weil am Rhein.

Klösterliche Atmosphäre umfängt den Besucher. Leise ertönen Mönchsgesänge, während man durch den Kreuzgang wandelt. Dieser Kreuzgang, wie er in der Ausstellung "Mönche, Bauern, Rittersleut – 1225 Jahre Weil" im Museum am Lindenplatz in Weil am Rhein detailgenau nachgebildet ist, symbolisiert das von Einfachheit, innerer Einkehr und Gebet geprägte Leben im Kloster. Das Klosterwesen ist ein Aspekt des mittelalterlichen Lebens, das in dieser aufwändig gestalteten Schau thematisiert wird.

Vom Kreuzgang gelangt der Besucher in das Skriptorium: Eine Figur in Mönchskutte, Schreibpulte, Pergamentbögen aus Tierhäuten, die auf Rahmen gespannt wurden, alte Originalhandschriften auf Pergament aus dem 14. Jahrhundert, Papierrollen, Schreibutensilien wie Federn und Tinte, Auszüge aus Heiligenbüchern geben einen Eindruck davon, dass die Klöster einst Zentren der Bildung, des Wissens, der Schreibkultur waren und die Mönche in den Schreibwerkstätten Pergamentbögen beschrieben und Bücher für den Gottesdienst herstellten.

In dieser ideenreich und bis ins Detail sorgfältig aufgebauten Mittelalter-Schau geht es nicht nur um Klöster, sondern auch um den Alltag der Bauern, Handwerker, Ritter, Edelleute und geistlichen Würdenträger in einem Zeitrahmen bis etwa ins Jahr 1500. Als Leitfaden dient die Ständeordnung der Gesellschaft im Mittelalter. Ausgangspunkt der atmosphärisch dichten Rauminszenierungen, in denen der Museumskreis um Kuratorin Simone Meyer mittelalterliches Leben so genau und anschaulich wie möglich rekonstruiert, ist die erstmalige urkundliche Erwähnung von Weil – damals "Willa" – auf einer Schenkungsurkunde von 786, in der ein gewisser Ercanpert seinen Besitz in Weil dem Kloster St. Gallen schenkte. Das Original der Urkunde wird im Stiftsarchiv des Klosters St. Gallen aufbewahrt, in der Ausstellung ist eine Kopie zu sehen; außerdem eine wandfüllende Landkarte, auf der die historischen Ortsnamen verzeichnet sind.

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Aus der teils dürftigen historischen Quellenlage heraus ist es dem Museumskreis gelungen, ein hautnahes, intensives Mittelalter-Erlebnis zu vermitteln, mit fantastischen Raumgestaltungen, die diese Zeitreise packend erfahrbar und nachvollziehbar machen. So ist eine bäuerliche Behausung nachgebaut, ein dunkler, einfacher Bau aus Holz, abgedichtet und ausgestopft mit Moos und Flechten, mit lehmartigem Boden, eingerichtet mit einer Feuerstelle, einfach und roh gezimmertem Hocker und Tisch aus Holz, einer Schlafstätte mit Stroh und Fellen. Man kann sich eine ungefähre Vorstellung davon machen, wie karg und hart das Leben der Bauern um 880 war.

Eine andere Welt eröffnet sich nebenan im Raum, der das Leben der Edelleute von Burg Rötteln illustriert. Eine Truhe mit kostbarem Tuch, ein offener Kamin, prächtige Wandbehänge und Wandteppiche und Gewänder, ein Stuhl, auf dem eine Laute liegt, führen dem Betrachter eine Kemenate auf der Burg vor Augen, damals meist der einzige beheizbare Raum einer Burg. Dieser Ausstellungsraum führt auch in die Glanzzeit des Rittertums und Minnesangs im 12. und 13. Jahrhundert, einer Zeit höfischen und ritterlichen Liebeswerbens – wie auf einem Motiv der Wandbehänge sichtbar wird.

Im größten Raum pulsiert das städtische mittelalterliche Leben in der Bischofsstadt Basel, wo sich die hohe Geistlichkeit, Könige und Kaiser versammelten. Hölzerne Karren mit Körben voller Obst und Gemüse, Säcke, Fässer, Figuren in typischen Mittelaltergewändern vermitteln belebte Marktszenen auf dem Marktplatz, untermalt durch Stimmengewirr. Die Häuserfassaden in der prachtvollen Wandmalerei von Paul Kochka-Thevenet lassen Stadtatmosphäre aufkommen. Auf Tafeln sind markante historische Fakten und Daten zur Geschichte von Basel vermerkt: der Einfall der Ungarn 917, das Erdbeben von 1356, eine Pestepidemie, die ein Drittel der Bevölkerung dahinraffte.

Seuchen wie die Pest, Naturkatastrophen wie das Erdbeben von Basel, Hungersnöte, Krieg werden ebenfalls thematisiert. Der "Schwarze Tod" wird düster versinnbildlicht in einer Figur mit Pestmaske und schwarzem Umhang und einem Karren mit Pestopfern unter weißen Leichentüchern. Das von Kochka-Thevenet expressiv gemalte apokalyptische Wandgemälde mit teuflischen Gestalten unterstreicht die dramatische Wirkung dieses Raums. "Ein erschröckliches Prasseln und Wehklagen erfasst die ganze Stadt", liest man über diese finsteren Seiten des Mittelalters.

Auch die Allegorie des Totentanzes illustriert dieses Vergänglichkeitsmotiv: Der Tod als Knochenmann, der jeden und jede holt, Alte und Junge, Reiche und Arme, von niederem und hohem Stand, Bauer, Bettler und Bischof, Edelfräulein und Äbtissin. Auch die geheimen Laboratorien der Alchimisten und die Arbeit der Handwerker sind Sujets der Schau; die immer auch lokal verankert ist. In jedem Raum liegen Bücher mit historischen Abbildungen und Illustrationen aus. Nichts für schwache Nerven ist der Gang in den Keller, wo ein feuchtes, dunkles, schauriges Verlies nachgebildet ist: ein Kerker mit Gitterstäben, Ketten, Stroh, Ratten, und Henkersmahl. Es fröstelt einen, wenn man über die Gerichtsbarkeit im Mittelalter liest, Pranger, Schandpfahl, Halsgeige sieht, und dazu die Geräusche wie Kettengerassel, Schreie und Knarren von Toren hört. Doch auch dieses finstere Kapitel gehört zum Bild einer Epoche, das diese Ausstellung so plastisch nachzeichnet.

– Bis 22. Juli, Samstag 15-18, Sonn- und Feiertag 14-18 Uhr. Öffentliche Führung am Sonntag, 8. Januar, 16 Uhr.

Autor: Roswitha Frey